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18.04.2006

09:51 Uhr

Bereits drei Festnahmen

Staatsanwalt ermittelt wegen Bestechlichkeit bei Bertelsmann

VonH.-P. Siebenhaar

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt wegen Bestechlichkeit von Mitarbeitern beim Medienkonzern Bertelsmann in Gütersloh. Es gab bereits drei Festnahmen von einem Mitarbeiter der Bertelsmann-Drucktochter Arvato und zwei Mitarbeitern von Verpackungsunternehmen.

DÜSSELDORF. Weitere Arvato-Beschäftigte wurden vom Dienst suspendiert. Die Bertelsmann-Mitarbeiter sollen Schmiergelder in niedriger sechsstelliger Höhe angenommen haben. „Es besteht der Verdacht, dass es sich um mehrere Arvato-Mitarbeiter handelt“, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann dem Handelsblatt. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang.

Mitarbeiter des Druckkonzerns Arvato sollen von 2003 bis Herbst 2005 zwei Verpackungsunternehmen aus Gütersloh und Bielefeld gegen Bestechungsgelder Aufträge zugeschanzt haben. Beamte durchsuchten zahlreiche Firmengebäude und Privatwohnungen in Gütersloh und Bielefeld. Arvato hat nach eigenen Angaben bereits seit November 2005 auch eigene Ermittlungen eingeleitet. Die Korruptionsfälle sollen sich bei den Arvato-Tochterunternehmen Sonopress und Mohn Media ereignet haben. Sonopress stellt CDs und DVDs her; Mohn Media druckt Zeitschriften und Kataloge. „Wir werden nicht zulassen, dass einige Wenige den guten Ruf Aller beschädigen“, heißt es in einer Reaktion von Arvato. Die Bertelsmann-Tochter kündigte eine enge Kooperation mit den Ermittlungsbehörden an, selbst wenn die Zusammenarbeit „schmerzhafte Einschnitte“ für Arvato bringen sollte.

Die jetzige Korruptionsaffäre ist nicht der erste Fall bei Arvato. Bereits Ende 2005 verurteilte das Bielefelder Landgericht einen ehemaligen Arvato-Mitarbeiter wegen Untreue in 39 Fällen zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe. Der Sonopress-Mitarbeiter hat über mehrere Jahre eine Summe von 771 000 Euro vom Konto seines Arbeitsgebers abgezweigt. „Es kommt bei 43 000 Mitarbeitern immer wieder vor, dass wir Probleme vor Ort haben“, sagte ein Arvato-Sprecher. Die Aufregung bei Arvato in Gütersloh ist derzeit groß. „Als geschädigte Unternehmen haben Sonopress und Mohn Media sowie die Arvato AG ein existenzielles Interesse an der vollen Aufklärung der Verdachtsmomente“, heißt es in einer Stellungnahme. Im Raum Westfalen ist der Druck- und Mediendienstleister mit rund 8700 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber.

Für Arvato-Chef Hartmut Ostrowski kommt die neue Korruptionsaffäre höchst ungelegen. Der gebürtige Bielefelder, der bei der Bertelsmann-Patriarchenfamilie Mohn in hohem Ansehen steht, gilt als Favorit für den Chefsessel bei Bertelsmann. Gunter Thielen verlässt im August nächsten Jahres die Kommandobrücke von Europas größtem Medienkonzern. Arvato gilt bei Bertelsmann als Musterschüler. 2005 erzielte Arvato ein Rekordergebnis. Der Umsatz legte um 609 Mill. Euro auf knapp 4,36 Mrd. Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuer (Ebit) wuchs auf 431 Mill. Euro.

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