Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.02.2006

08:48 Uhr

Berlinale-Auftakt

Jahrmarkt und Eitelkeiten

VonHans-Peter Siebenhaar

Der rote Teppich, die Prominenten und die mehr als 390 Filme, die auf der 56. Berlinale gezeigt werden, erfreuen die Cineasten. Doch auf dem Filmfest werden die Geschäfte mit den Senderechten immer wichtiger.

Begehrte Trophäen in Berlin Foto: dpa

Begehrte Trophäen in Berlin Foto: dpa

HB BERLIN. Mit Palmen wie in Cannes kann Berlin bei seinen Filmfestspielen nicht dienen. „Wenn die Stadt am hässlichsten ist, lädt die Berlinale ein“, bekennt ein Mitarbeiter der 56. Internationalen Filmfestspiele augenzwinkernd. Tatsächlich hängt über der Hauptstadt ein bleierner Himmel. Die düsteren Wetterperspektiven schrecken die Besucher jedoch nicht. Die Berlinale eilt von Rekord zu Rekord. 150 000 Cineasten werden 360 Filme bestaunen. Am Donnerstagabend eröffnet das britisch-kanadische Beziehungsdrama „Snow Cake“ das Festival. Regisseur Marc Evans erzählt in seinem Beitrag von einer außergewöhnlichen Freundschaft eines durch einen Unfall traumatisierten Mannes und einer autistischen Frau. Insgesamt treten im Wettbewerb um die Silbernen und Goldenen Bären 19 Filme an. Der deutsche Film ist diesmal so stark vertreten wie nie zuvor: Vier deutsche Streifen kämpfen um die begehrten Trophäen.

Als Favorit im Quartett gilt die Verfilmung „Elementarteilchen“ des Romans von Michel Houellebecq mit Moritz Bleibtreu, Franka Potente und Martina Gedeck in den Hauptrollen. Regisseur Matthias Glasner erzählt in dem Triebtäter-Drama „Der freie Wille“ vom Kampf eines ehemaligen Häftlings – gespielt von Jürgen Vogel – um ein normales Leben. Hans-Christian Schmids Wettbewerbsbeitrag „Requiem“ widmet sich dem Exorzismus, und Valeska Grisebach erzählt in „Sehnsucht“die Tragödie eines privaten Paares.

Die Berlinale ist traditionell eine der wichtigsten Werbeveranstaltungen für den anspruchsvollen Film. Doch längst sind die Filmfestspiele mehr als eine perfekt inszenierte Reklameshow für das anspruchsvolle Kino. Das Festival entwickelt sich zunehmend zum Marktplatz der Filmbranche. In diesem Jahr strömen 18 000 Fachbesucher, darunter fast 3 800 Journalisten, aus mehr als 100 Ländern in die deutsche Hauptstadt. Ein neuer Rekord.

Dreh- und Angelpunkt des Geschäfts ist der European Film-Market. Die Rechtemesse platzt in diesem Jahr aus allen Nähten. Vom beengten Debis-Gebäude am Potsdamer Platz zieht der Filmmarkt in den nahe gelegenen Martin-Gropius-Bau. In dem Neo-Renaissance-Gebäude aus dem 19. Jahrhundert werden sich diesmal so viele Händler treffen wie nie zuvor: 254 Firmen aus 43 Ländern sind dort präsent – ein Plus von mehr als 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darunter sind große Namen wie die Bavaria Film, der amerikanische Filmproduzent Weinstein oder der französische Fernsehkonzern TF 1. „Die Bedeutung der Berlinale für den internationalen Rechtehandel ist deutlich gestiegen, nachdem die Konkurrenzveranstaltung American Film-Market auf November verschoben wurde“, sagt Rechtehändler Bernd Schlötterer von der Tele-München-Gruppe (RTL 2, Tele 5, Concorde, Cinemaxx). Die Firma des Münchener Medienunternehmers Herbert Kloiber ist auf der Berlinale mit sieben Filmen präsent, darunter die französische Produktion „Geheime Staatsaffären“ von Altmeister Claude Chabrol.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×