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11.02.2016

18:20 Uhr

Berlinale

Wenn die Filmbranche mit der Staatsministerin fremdelt

VonKai-Hinrich Renner

Am ersten Tag der Berlinale sind Film- und Fernsehproduzenten in Feierlaune – vernachlässigen dabei trotzdem die Lobbyarbeit in eigener Sache nicht. Sie ringen mit Politikern vor allem um eine Sache: mehr Fördergeld.

Regelmäßiger Gast auf der Berlinale: Kulturstaatsministerin Monika Grütters (r.). Hier bei der Eröffnungsgala 2015 mit der französischen Schauspielerin Juliette Binoche (m.) und der katalanischen Regisseurin Isabel Coixet. dpa

Berlinale

Regelmäßiger Gast auf der Berlinale: Kulturstaatsministerin Monika Grütters (r.). Hier bei der Eröffnungsgala 2015 mit der französischen Schauspielerin Juliette Binoche (m.) und der katalanischen Regisseurin Isabel Coixet.

BerlinEs war ihr Tag. Eingerahmt von der Schauspielerin Iris Berben und Alexander Thies, dem Vorsitzenden des Branchenverbandes Produzentenallianz, stand Kulturstaatsministerin Monika Grütters hinter dem Rednerpult und sagte: „Mutige Filme brauchen nicht nur mutige Filmemacher, sondern auch mutige Filmförderer und mutige Filmförderentscheidungen.“ Die anwesenden Film- und Fernsehproduzenten wussten, dass die Ministerin sich da gerade kräftig selbst lobte. Dennoch spendeten sie kräftig Applaus.

Am Eröffnungstag der Berlinale ist der von der Produzentenallianz ausgerichtete Deutsche Produzententag der erste Höhepunkt. Dass Grütters diesmal umjubelter Ehrengast der Veranstaltung war, wäre vor Jahresfrist kaum vorstellbar gewesen. Damals fremdelte die Branche noch mit der Staatsministerin. Sie hatte auf Druck von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) um zehn Millionen Euro gekürzt. Den Produzenten, die Grütters‘ Vorgänger, dem bekennenden Cineasten Bernd Neumann, nachtrauerten, galt sie als durchsetzungsschwach.

Die größten Kino-Hits 2015

Platz 10 - 595,3 Mio. Dollar

"Der Marsianer – Rettet Mark Watney"

Besetzung: Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara

Studio: 21st Century Fox

Weltweite Umsätze 2015. Quelle: Box Office Mojo

Platz 9 - 637,5 Mio. Dollar

"Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2"

Besetzung: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth

Studio: Lionsgate

Platz 8 - 682,3 Mio. Dollar

"Mission: Impossible – Rogue Nation"

Besetzung: Tom Cruise, Jeremy Renner, Rebecca Ferguson

Studio: Paramount

Platz 7 - 856,1 Mio. Dollar

"Alles steht Kopf"

Animationsfilm

Studio: Buena Vista

Platz 6 - 865 Mio. Dollar

"James Bond 007: Spectre"

Besetzung: Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux

Studio: Sony

Platz 5 - 1,16 Mrd. Dollar

"Minions"

Animationsfilm

Studio: Universal

Platz 4 - 1,41 Mrd. Dollar

"Avengers: Age of Ultron"

Besetzung: Robert Downey jr., Chris Hemsworth, Scarlett Johannsson

Studio: Buena Vista

Platz 3 - 1,52 Mrd. Dollar

"Fast & Furious 7"

Besetzung: Vin Diesel, Paul Walker, Michelle Rodriguez

Studio: Universal

Platz 2 - 1,58 Mrd. Dollar

"Star Wars: Das Erwachen der Macht"

Besetzung: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac

Studio: Buena Vista

Platz 1 - 1,67 Mrd. Dollar

"Jurassic World"

Besetzung: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D'Onofrio

Studio: Universal

Das war ein Irrtum. Die Christdemokratin erwies sich als Glücksfall für den deutschen Film. Sie erhöhte die kulturelle Filmförderung nicht nur von 13 auf 28 Millionen Euro. Die Pragmatikerin zapfte auch den DFFF-Etat für 2016 an, weil die Mittel des Vorjahres – wie erwartet – schnell erschöpft waren, weshalb mehrere Großproduktionen zu scheitern drohten. Schließlich hat sie noch eine Novelle des Filmförderungsgesetzes auf den Weg gebracht, die ganz im Sinne der Produzenten ist. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel legte zudem noch im Dezember den German Motion Picture Fund auf, der mit zehn Millionen Euro ausgestattet ist und die Innovationskraft der deutschen Filmwirtschaft stärken soll.

Gemessen an den Wohltaten, die ihr die Politik in den vergangen zwölf Monaten hat angedeihen lassen, ist die Produzentenallianz wohl einer der erfolgreichsten deutschen Lobbyverbände. Die Interessenvertretung agierte nicht nur geschickt auf dem politischen Parkett. Mit der ARD handelte sie erst kürzlich ein Eckpunktepapier aus, das den Produzenten deutlich verbesserte Konditionen und mehr Rechte an ihren Filmen garantiert und das Erste 50 Millionen Euro pro Jahr kosten wird. Dafür ließ sich Verbandschef Thies zu Beginn des Produzententages gebührend feiern. Das Eckpunktepapier sei ein „Meilenstein“, eine „Zäsur“ jubelte Thies. „Wir haben endlich Augenhöhe erreicht.“ Die ARD-Vorsitzende Karola Wille trug die wichtigsten Punkte der Vereinbarung vor. Im vergangenen Jahr hatte sie sich an gleicher Stelle noch die Wünsche der Produzenten anhören müssen.

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