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12.11.2013

18:00 Uhr

Berliner Start-up

6Wunderkinder locken Apple-Investor

VonChristof Kerkmann

ExklusivGroßer Erfolg für das Start-up 6Wunderkinder: Die Macher der Organisations-App Wunderlist erhalten als erstes deutsches Unternehmen eine Millionensumme vom bekannten Kapitalgeber Sequoia Capital. Doch es geht um mehr.

Organisations-Software Wunderlist: Die Gründer haben einen namhaften Unterstützer gefunden. 6Wunderkinder

Organisations-Software Wunderlist: Die Gründer haben einen namhaften Unterstützer gefunden.

BerlinDas Berliner Start-up 6Wunderkinder hat den renommierten Risikokapitalgeber Sequoia Capital als Partner gewonnen. Es erhält in einer neuen Finanzierungsrunde 19 Millionen Dollar – den Großteil der Summe bringt der US-Investor auf, der durch erfolgreiche Beteiligungen an einstigen Start-ups wie Apple, Google und YouTube bekannt geworden ist. Zudem zieht Sequoia-Capital-Vorstand Michael Moritz in den Verwaltungsrat ein, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. 6Wunderkinder entwickelt ein Programm zur Aufgabenverwaltung namens Wunderlist. Besonders bekannt ist die Smartphone-App.

Die Finanzierungsrunde diene der Expansion, vor allem in den USA, teilte das Unternehmen mit. „Das Geld nutzen wir vor allem fürs Personal, um die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen und das Produkt zu verbessern“, sagte 6Wunderkinder-Chef Christian Reber im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Außerdem bauen wir ein separates Team in den USA auf, wo Teile des Vertriebs sitzen werden.“ Dabei gehe es nicht um den klassischen Verkauf, sondern um die Beratung der Kunden. Die bisherigen Finanziers Atomico und Earlybird Ventures beteiligen sich mit einem kleinen Anteil an der Finanzierungsrunde. Damit ist das Unternehmen laut US-Medien 60 bis 65 Millionen Dollar wert.

6Wunderkinder, Millionen Nutzer

Gründer als Namensgeber

Die 6Wunderkinder-Gründer arbeiteten gemeinsam in einer Web-Agentur. Weil ihnen ein Programm zur Organisation der Arbeit fehlte, entwickelten sie selbst eines – der Vorgänger der heutigen Anwendung Wunderlist. Der Name des Start-ups 6Wunderkinder rührt daher, dass sich 2010 sechs Gründer in Berlin und Brandenburg zusammentaten. Treibende Kraft war Firmenchef Christian Reber, der auch die meisten Anteile hält.

Werkzeug für Arbeit und Alltag

Wunderlist ist ein Werkzeug, um Alltag und Arbeit zu organisieren. Nutzer legen Listen an, delegieren Aufgaben und haken Erledigtes ab. Die Basisversion ist kostenlos, die Team-Version kostet eine monatliche Gebühr.

Telekom als Geburtshelfer

Zu den Geburtshelfern der Firma zählen die Telekom-Tochter T-Venture sowie der High-Tech Gründerfonds – beide gehörten zu den frühen Investoren, haben sich aber inzwischen von ihren Anteilen getrennt.

Kapital vom Skype-Gründer

Bei der ersten großen Investment-Runde beteiligte sich Skype-Gründer Niklas Zennström am Start-up 6Wunderkinder: Er investierte im November 2011 über seine Firma Atomica 4,2 Millionen Dollar. Zennström hob die internationalen Wachstumsperspektiven hervor.

Auch Sequoia steigt ein

Im November 2013 stieg der berühmte Finanzier Sequoia Capital ein. In einer Finanzierungsrunde von 19 Millionen Dollar zahlte er den Großteil, die Altinvestoren Atomico und Early Bird unterstützten den US-Risikokapitalgeber mit einem geringen Anteil. „Wunderlist ist eine dieser süchtig machenden Apps, bei der man sich fragt, warum man sie nicht schon vorher entdeckt hat“, lobte Sequoia-Chef Michael Moritz. Sie passe zu Produktivitäts-Anwendungen wie Dropbox und Evernote, wo sich der Geldgeber bereits engagiert. Insgesamt hat 6Wunderkinder damit 30 Millionen Dollar Finanzierung erhalten.

60 Millionen Dollar wert?

US-Medien taxieren die Bewertung von 6Wunderkinder auf 60 bis 65 Millionen Dollar. Firmenchef Christian Reber will dazu keine Details nennen, dementiert die Zahl aber nicht.

Große Ambitionen

Die Gründer des Unternehmens haben große Ambitionen. „Unser Ziel ist, nach SAP mal wieder einen Technologiekonzern in Europa oder Deutschland aufzubauen“, sagte Firmenchef Christian Reber Ende 2011. „Unser Anspruch ist, global funktionierende Software zu entwickeln, aus Berlin heraus.“ Zwei Jahre später spricht er davon, dass die Anwendung Wunderlist die Marke von 100 Millionen Nutzern erreichen soll.

Büros in Berlin und Kalifornien

Der Hauptsitz ist in Berlin, hier entwickelt die Firma das Produkt. Mit einem Büro in Kalifornien will sie aber ihre Präsenz in den USA steigern, vornehmlich, um Firmenkunden zu beraten.

Reber hofft zudem, dass der Name Sequoia bei der Suche nach Personal hilft. So suche 6Wunderkinder einen erfahrenen Manager, der sich in den USA um Geschäftsentwicklung und Partnerschaften kümmert. Zudem erhofft er sich, vom Investor zu lernen: „Sequoia hat über Jahrzehnte in große Firmen investiert, sie können uns helfen unseren Horizont zu erweitern: Wie wird sich der Markt über zehn Jahre entwickeln? Wie bringt man ein Unternehmen an die Börse?“

Derzeit nutzen nach Unternehmensangaben mehr als sechs Millionen Menschen sowie 50.000 Geschäftskunden weltweit Wunderlist. Umsatz macht die Firma mit einer Version für professionelle Nutzer, für die Teams und Unternehmen eine monatliche Gebühr zahlen. Geschäftszahlen nennt das Unternehmen nicht, es könnte aber nach eigenen Angaben schwarze Zahlen schreiben, wenn es „auf die Wachstumsbremse treten“ würde.

6Wunderkinder hat einen der renommiertesten Kapitalgeber der Welt gewonnen. Sequoia Capital ist derzeit etwa auch beim Online-Speicher Dropbox und beim Notizdienst Evernote engagiert. Das Berliner Start-up ist das erste deutsche Unternehmen im Sequoia-Portfolio.

Das ausführliche Interview mit Christian Reber über 6Wunderkinder lesen Sie am Mittwochmorgen unter diesem Link auf Handelsblatt Online.

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