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15.07.2017

10:07 Uhr

Berliner Vorzeige-Start-up

Soundcloud fällt aus allen Wolken

VonAlexander Demling

Die Musik-Plattform ist der Stolz der Berliner Start-up-Szene. Jetzt muss Gründer Alexander Ljung fast die Hälfte seiner Mitarbeiter entlassen, die Pleite droht. Ein Investor erklärt, was Soundcloud jetzt tun muss.

Das Start-Up aus Berlin hat finanzielle Probleme und muss Mitarbeiter entlassen. dpa

Soundcloud

Das Start-Up aus Berlin hat finanzielle Probleme und muss Mitarbeiter entlassen.

BerlinDass es kein angenehmes Interview für Alexander Ljung werden würde, war nach der ersten Frage klar. „Wie geht es dir, Alexander?“, fragte der Moderator Mike Butcher den Soundcloud-Chef auf der Bühne des Berliner Tech Open Air. „Du hast gerade halb Berlin rausgeschmissen.“ Die Dekoration der Bühne, Neonröhren in Kerzenleuchter-Form und die Konzertorgel des alten Funkhauses, schienen da nur allzu passend: Als würde hier eine der großen Start-up-Hoffnungen Deutschlands zu Grabe getragen.

Ljung, auch noch im schwarzen T-Shirt und schwarzer Hose gekleidet, musste sich aus Pietät auf die Friedhofsstimmung erst mal einlassen: „Schrecklich traurig“ sei er, dass er vor wenigen Tagen 173 seiner 420 Mitarbeiter entlassen musste.

Den Grund dafür legte Moderator Butcher gleich nach: „Ihr habt Probleme.“ 51 Millionen Euro Verlust im letzten veröffentlichten Jahr 2015, bei einem spärlichen Umsatz von 21 Millionen Euro. Konkurrent Spotify kam 2016 auf 2,6 Milliarden.

Schießen die Investoren kein Geld nach, könnte Soundcloud das Geld noch in diesem Jahr ausgehen, berichtet das Branchenmedium Techcrunch. Die Firma warf Techcrunch „ausgiebige Ungenauigkeiten“ in seinem Bericht vor, dementierte die Beschreibung seiner finanziellen Lage aber nicht.

Eine Pleite wäre ein schwerer Schlag für die Berliner Start-up-Szene. Die 2007 gegründete Audio-Plattform, auf der vor allem DJs und Independent-Künstler ihre Tracks teilen, ist eine der wenigen weltbekannten Firmen aus der Hauptstadt. Weil dort jeder sehr einfach Tracks hochladen kann, gleicht Soundcloud einer Oase, oft auch einem Urwald der Kreativität. „Alex und Eric haben etwas gebaut, was niemand sonst hat: Für Creators und DJs ist Soundcloud deren Facebook. Sie schauen jeden Morgen, wer ihre Tracks geliked hat, sie tauschen sich dort aus“, sagt Felix Petersen, einer der ersten Investoren in Soundcloud.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Und anders als etwa Rocket-Chef Oliver Samwer werden Ljung und sein Mitgründer Eric Wahlforss nicht nur respektiert, sondern geliebt. Im Interview erinnert Butcher, wie sich Ljung in den frühen Tagen wortlos auf eine Konferenzbühne stellte, sein Handy ans Mikro hielt und die Musik startete. „Das ist Soundcloud“, habe er dann gesagt und sei wieder gegangen. Keiner verkörperte die Coolness Berlins so wie die tief mit der kreativen Community verbandelten Soundcloud-Gründer.

Nun zeigt sich, dass das Unternehmen mit seiner Heimatstadt noch einiges mehr gemein hat: „Arm, aber sexy“ sind beide. Lange verdiente Soundcloud außer mit etwas Werbung gar kein Geld. Drei Jahre zog sich der Start von „Soundcloud Go“, einem mit Spotify vergleichbaren, 10 Euro pro Monat teuren Abo-Dienst hin, der neben den Millionen exklusiven Tracks auf der Plattform auch die Musik-Kataloge der großen Labels wie Universal oder Sony enthalten sollte.

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