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31.08.2015

12:41 Uhr

Bertelsmann

RTL-Mutter lebt gut von ihren Töchtern

Gute Zeiten in Gütersloh: Der Gewinn von Bertelsmann wächst kräftig. Die Geschäfte im TV- und Buchbereich laufen prächtig – das lässt den Medienkonzern von neuen Zielen träumen.

Die Geschäfte bei RTL laufen gut – der Mutterkonzern Bertelsmann profitiert. dpa

RTL-Tanzshow-Moderatoren Meis (l.) und Hartwich

Die Geschäfte bei RTL laufen gut – der Mutterkonzern Bertelsmann profitiert.

MünchenErfolgsformate wie die RTL-Sendung „Bauer sucht Frau“ oder US-Bestseller wie „The girl on the train“ lassen beim Medienkonzern Bertelsmann die Gewinne sprudeln. „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung der vergangenen Monate. Unser Umsatz ist so hoch wie seit 2007 nicht mehr, das operative Ergebnis ist das beste der Bertelsmann-Geschichte“, sagte Vorstandschef Thomas Rabe am Montag. In die Zukunft blickt er optimistisch: „Das Konzernergebnis wollen wir mittelfristig deutlich steigern in Richtung einer Milliarde Euro“, erklärte er.

Im ersten Halbjahr hatte der Medienkonzern aus Gütersloh den Überschuss binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 398 Millionen Euro erhöht. Der Umsatz kletterte leicht auf gut acht Milliarden Euro. Vor allem die Publikumsverlagsgruppe Penguin Random House, die Bücher von Beststellerautoren wie Dan Brown und Ken Follett herausgibt, habe den Umsatz kräftig gesteigert und von positiven Währungseffekten profitiert. Gut entwickelt habe sich auch das Digitalgeschäft der RTL Group, die Finanzdienstleistungen von Arvato sowie die Musikrechtetochter BMG. Zudem habe RTL von einer guten Werbekonjunktur und gefragten Reklamezeiten rund um das „Dschungelcamp“ profitiert. Lediglich die Zeitschriftentochter Gruner + Jahr, die unter anderem die Magazine „Stern“ und „Geo“ herausgibt, habe leicht sinkende Gewinne verkraften müssen.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Firmenchef Rabe zeigte sich offen, den Minderheitsanteil der britischen Pearson an dem gemeinsamen Verlagshaus Penguin Random House zu übernehmen. „Wir können uns vorstellen, im Lauf der Zeit unsere Beteiligung aufzustocken“, sagte er. Derzeit hält Bertelsmann 53 Prozent, der Rest gehört den Briten. Pearson zieht sich aus vielen Medienbeteiligungen zurück, darunter aus renommierten Wirtschaftstiteln wie die „Financial Times“ und der „Economist“. Ab Ende Oktober könne Pearson von seinem Partner eine Bewertung der Anteile an Penguin Random House verlangen, danach habe Bertelsmann ein Vorkaufsrecht. „Wir sind auf alles vorbereitet“, sagte Rabe.

Er kündigte zudem an, den Konzern im Bildungsbereich noch zu erweitern. An Teilbereichen von News Corp, das sich von seinem Bildungsportfolio trennen will, sei er aber nicht interessiert. Die Amerikaner hätten Angebote für Klein- und Schulkinder im Programm, während sich Bertelsmann vor allem auf akademische Titel konzentrieren wolle.

Der Manager ließ durchblicken, dass er über seinen aktuellen Vertrag hinaus weiter Vorstandschef bei Deutschlands größtem Medienkonzern bleiben will. Der Umbau von Bertelsmann brauche noch mehrere Jahre. „Und diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich keine halben Dinge mache“, sagte Rabe. Sein Mandat läuft noch bis Ende 2016. Im Laufe von 2015 werde noch das Amt des Finanzvorstands neu besetzt. Amtsinhaberin Judith Hermann hatte den Job im Januar nach weniger als zweieinhalb Jahren an den Nagel gehängt.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

31.08.2015, 10:21 Uhr

Bertelsmann hat starke Medienmacht, über alle Kanäle.

Oder anders gesagt: Bertelsmann macht Meinungen.


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