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11.01.2005

07:58 Uhr

Beschlüsse über Software-Patente und über die Zukunft großer Projekte mit freier Software stehen an

2005 wird entscheidendes Jahr für Linux

VonJens Koenen

2005 wird sich zeigen, ob ob das zuletzt starke Wachstum beim „freien“ Betriebssystem Linux Bestand haben wird.

FRANKFURT/M. Für die „Freie Software“ (Open Source) – das sind Computerprogramme ohne Zugangshindernisse wie etwa Lizenzgebühren – ist 2005 ein Schicksalsjahr. Nicht nur die Entscheidung über die Patentierbarkeit von Software steht auf der Agenda. Auch dürfte sich zeigen, ob das zuletzt starke Wachstum beim „freien“ Betriebssystem Linux Bestand haben wird.

Niemals zuvor stand der Pinguin „Tux“ – das Logo für das Betriebssystem Linux ist zum Symbol für „freie Software“ geworden – so im Rampenlicht wie 2004. „Linux ist nicht länger ein Nischen-Phänomen“, urteilen die Marktforscher von IDC in einer aktuellen Studie. Sie erwarten, dass der Umsatz mit Linux für Netzwerkrechner(Server) und PCs im Jahr 2008 über 35 Mrd. Dollar erreichen wird. Hinzu kommt das Geschäft mit den Anwendungen, dessen Umsatz im gleichen Zeitraum 14 Mrd. Dollar erreichen soll.

Zwar dominiert Microsoft mit seinem Betriebssystem Windows weiter den Markt. Die Analysten der Gartner Group beziffern den weltweiten Marktanteil von Windows im PC-Bereich auf rund 96 Prozent. Dennoch müssen sich die IT-Anbieter nach Ansicht von IDC in den kommenden Monaten auf ein sich veränderndes Kräfteverhältnis einstellen. „Linux ist mittlerweile Mainstream. Wettbewerber und Firmen im IT-Umfeld müssen sich daran anpassen“, schreiben die IT-Experten. Doch erst die kommenden zwölf Monate werden zeigen zeigen, welche „Open- Source“-Vorhaben sinnvoll sind.

Denn ein Umstieg ist nicht ohne Risiko. Viele Firmen und Institutionen unterschätzen den Aufwand. Das zeigt das LiMux-Projekt der Stadtverwaltung München. Sein Ziel ist es, 14 000 Schreibtisch-Rechner von Windows auf Linux umzustellen. Nachdem die Verwaltung finanzielle Risiken durch ungeklärte Patentklagen sah, drohte das Projekt im Sommer kurzfristig zu kippen. Dann aber kamen Experten zu dem Schluss, dass diese Risiken von „Open Source“ nicht größer sind als bei traditionellen Programmen.

Dennoch zeigt das Beispiel München, dass in vielen Fällen die „Open-Source“-Projekten nur unzureichend durchkalkuliert sind. Das beklagt auch Andrea Di Maio von Gartner: „Die öffentliche Hand, die eine Migration zu Open- Source erwägt, sollte sich genau anschauen, was in München gemacht wird“, mahnt Di Maio.

Dennoch ist Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europa (FSFE) von der Notwendigkeit „freier Software“ überzeugt. „Die Kosten sind nicht entscheidend. Es geht um viel mehr, nämlich die Freiheit in der Informationsgesellschaft“, sagt der Präsident der FSFE, die sich ausschließlich über Spenden finanziert. „Der freie Zugang zu Software ist erforderlich, damit Europa in einem von amerikanischen Unternehmen dominierten Markt Wettbewerbsfähigkeit beweisen kann.“

Hinzu kommt nach seiner Ansicht die gesellschaftliche und sozialpolitische Bedeutung von „Open Source“. In Brasilien hätten die Behörden von Sao Paulo hundert so genannter „Telecentros“ eingerichtet, kostenlose Internetcafes, damit die Bewohner der ärmeren Viertel den Anschluss nicht völlig verlieren. „Diese Center sind nur deshalb möglich, weil sie freie Software einsetzen“, sagt Greve. Ein anderes Beispiel sei der Amida Simputer, ein Billig-Taschencomputer für die Landbevölkerung Indiens. „Solche Projekte zeigen, wie wichtig der freie Zugang zur Informationstechnik ist“, argumentiert Greve.

Gerade deshalb will die FSFE im neuen Jahr weiter massiv gegen die geplante EU-Richtlinie zur „Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen“ zu Felde ziehen. Die Abstimmung über die Richtlinie musste kurz vor dem Jahresende wegen des Einspruchs Polens gestoppt werden. Nun soll das EU-Parlament in diesem Jahr über Software-Patente befinden und damit nicht zuletzt auch über die Zukunft „freier Software“ in Europa.

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