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04.03.2006

10:16 Uhr

Betriebsrat

IG Metall gibt bei SAP nicht auf

5632 SAP-Beschäftigte stimmten am Donnerstag über die Einrichtung eines Betriebsrats beim Softwareriesen ab, 90 Prozent von ihnen votierten dagegen. Die IG Metall steckt jedoch nicht auf: Die Gewerkschaft erwägt nun, die Arbeitnehmervertretung vom Arbeitsgericht bestellen zu lassen.

SAP-Zentrale in Walldorf. Foto: dpa dpa

SAP-Zentrale in Walldorf. Foto: dpa

HB WALLDORF. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Gewerkschaftskreise, will die IG Metall am Montag eine Entscheidung fällen. Wegen des eindeutigen Votums der SAP-Beschäftigten in der Walldorfer Zentrale sowie im benachbarten St. Leon Rot gibt es weiter keinen Wahlvorstand, der eine Betriebsratswahl organisieren würde. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz kann das Arbeitsgericht auf Antrag von drei Mitarbeitern oder einer im Betrieb vertretenen Gewerkschaft einen Wahlvorstand - auch aus externen Gewerkschaftern - bestimmen.

Auf der für SAP eingerichteten Internetseite der IG Metall hieß es am Freitag: „Wir werden jeden aus der SAP-Belegschaft dabei unterstützen, der die Installierung eines Wahlvorstands befürwortet.“ In Walldorf und St. Leon-Rot arbeiten rund 9000 Menschen, ein Betriebsrat hätte damit 37 Mitglieder, von denen mindestens zwölf von der Arbeit freigestellt sind.

SAP ist das größte deutsche Unternehmen ohne Betriebsrat. Die Wahl war von der IG Metall initiiert worden, die wie die Gewerkschaft Verdi seit Jahren vergeblich versucht, bei SAP einen Fuß in die Tür zu bekommen. Ein Versuch, einen Betriebsrat zu gründen, war vor drei Jahren am mangelnden Interesse der Belegschaft gescheitert. Als Interessensvertretung der weltweit 36 000 SAP-Mitarbeiter sehen sich die acht Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, die seit dem Gang an die Börse 1988 regelmäßig von den Beschäftigten gewählt werden. Das informelle Gremium trifft sich mindestens einmal pro Woche, seine Mitglieder sind aber nur teilweise von der Arbeit freigestellt. Ihren Einfluss sichert seit 2003 ein Vertrag mit dem Vorstand.

SAP-Mitgründer Dietmar Hopp hatte sich vehement gegen einen Betriebsrat für Walldorf ausgesprochen. Ein großer Einfluss der Gewerkschaften - etwa auf die flexiblen Arbeitszeiten - könne die Kleinstadt in Nordbaden als Standort der Zentrale gefährden, warnte er.

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