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31.05.2013

07:15 Uhr

Betriebssystem

Microsoft enthüllt Änderungen an Windows 8

VonNils Rüdel

Der amerikanische Software-Riese Microsoft hat die Neuerungen an seinem Betriebssystem Windows 8 vorgestellt. Wird das die verärgerten Fans des alten Designs besänftigen? Experten sind skeptisch.

New YorkEs war ein Eingeständnis, für das Microsoft viel Häme einstecken musste. Anfang Mai hatte der Softwarekonzern eingeräumt, dass das Prestigeprojekt Windows 8 bei vielen Kunden durchgefallen war. Sie kamen mit der völlig neu gestalteten Kachel-Oberfläche des Betriebssystems nicht klar – und Microsoft versprach, noch einmal nachzuarbeiten.

Am Donnerstag nun hat Microsoft-Manager Antoine Leblond im Firmenblog beschrieben, wie die überarbeitete Version von Windows 8 – nun Windows 8.1 genannt – bald aussehen wird. Eine der wichtigsten Neuerungen: Der Start-Knopf links unten am Bildschirmrand, 18 Jahre lang ein kaum wegzudenkendes Element, wird zurückkehren.

Es soll zwar kein Knopf mehr sein, sondern nur noch ein Windows-Logo. Dennoch liefert er dem Nutzer die gewohnte Orientierung: Hier komme ich überall hin und finde mich wieder zurecht. Künftig kann man über die Start-Funktion die gesamte Kachel-Optik abschalten und zum gewohnten Windows-Desktop zurückkehren.

Diese Neuerungen bietet Windows 8

Kachel-Design

Windows 8 sieht schon auf den ersten Blick anders aus: Microsoft übernimmt aus seinem mobilen Betriebssystem das Kachel-Design. Zu sehen sind nun rechteckige Flächen, in denen Nutzer zum Beispiel Programme sortieren können. Und in den sogenannten Live-Kacheln werden Inhalte in Echtzeit aktualisiert – ob der Wetterbericht aus dem Netz oder die Mitteilung über neu eingetroffene E-Mails. Die bekannte Taskleiste samt dem mit Windows 95 eingeführten Startknopf verschwindet dagegen. Einen Desktop gibt es allerdings immer noch, der über eine Kachel aufgerufen wird.

Bedienung per Fingerzeig

Microsoft hat Windows 8 für die Nutzung per Touchscreen angepasst. Anwender können mit den Fingern navigieren, wenn ihr Rechner einen berührungsempfindlichen Bildschirm hat, aber auch klassisch mit Maus und Tastatur. Dass beides in einem Gerät vereint sein kann, zeigen etliche neue Modelle, die Tablet-Computer und Notebook in einem sind.

Ein eigener App Store

Apple lässt grüßen: Microsoft hat für sein neues System den Windows Store eingerichtet. Über die Plattform können Entwickler Apps verbreiten, die für Touchscreens optimiert sind. Auch Spiele werden angeboten. Diese Anwendungen laufen auf allen Geräten, ob mit Windows 8 oder dem abgespeckten Windows RT für Geräte mit stromsparenden ARM-Prozessoren.

Cloud-Dienste

Schon beim Start wird es deutlich: Microsoft integriert seine Cloud-Angebote nahtlos in das neue Betriebssystem. Nutzer können sich künftig mit ihren Daten vom Online-Dienst Windows Live am Rechner einloggen. Damit haben sie direkten Zugriff beispielsweise auf den Online-Speicher Skydrive, außerdem lassen sich die persönlichen Einstellungen und der Browser-Verlauf zwischen verschiedenen Rechnern synchronisieren.

Vorinstallierter Virenscanner

Microsoft hat große Teile seines Software-Pakets Security Essentials in Windows 8 integriert. Der Wächter soll vor Viren und Trojanern schützen.

Neue Prozessoren

Mit Windows 8 unterstützt Microsoft erstmals nicht nur die traditionellen x86-Chips von Intel und AMD, die in PCs laufen: Die Software-Variante Windows RT läuft auch mit stromsparenden Prozessoren mit ARM-Architektur. Diese kommen in Tablet-Computern zum Einsatz, etwa dem iPad, künftig aber auch im Surface RT, den Microsoft selbst auf den Markt bringt. So kann das Unternehmen in einem wichtigen Segment Fuß fassen. Allerdings können Nutzer auf RT-Rechnern nicht mehr ihre klassische Windows-Software installieren, nur Apps aus dem Windows Store.

Weitere Neuerungen: Windows 8.1, das bislang unter dem Codenamen „Blue“ lief, soll viel stärker als bisher personalisierbar sein. Mit dem Betriebssystem wird der Internet Explorer 11 geliefert, Dateien sollen direkt in der SkyDrive-Cloud – einem Datenspeicher im Internet – abgelegt werden können und jederzeit auf verschiedenen Geräten verfügbar sein. Zudem wurden die Suche über Bing und die Darstellung der Suchergebnisse optimiert.

„Es ist ein noch besseres Windows 8“, schreibt Leblond. Windows 8.1 werde die „nächste Generation von PCs, Tablets und einer ganzen Reihe von Geräten bedienen“.

Mit dem Update versucht Microsoft, die Begeisterung für seinen Software-Klassiker neu zu wecken. Der Konzern hatte seinen Kunden beim Start von Windows 8 im Oktober 2012 eine Menge zugemutet: Die neueste Generation des Betriebssystems hatte mit den Vorgängern kaum noch etwas gemein – die Optik mit den vielen bunten Kacheln war die Antwort auf die neue Nutzer-Logik von Smartphones und Tablets.

Die Verantwortlichen am Firmensitz in Redmond hatten den Aufstieg der Mobilgeräte lange verschlafen und mussten eine Software liefern, die sowohl in der mobilen Welt funktioniert als auch bei den guten alten PCs mit Tastatur und Maus. Das Windows-8-Design sollte diese Brücke sein.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

31.05.2013, 08:21 Uhr

Windows wird ja wohl heutzutage meist mit dem PC gekauft - daher sind Angaben wie "die Nachfrage ist ähnlich wie bei Windows7" ja wohl ziemlich bedeutungslos. Man hat ja praktisch keine Wahl, wenn man gerade einen neuen PC braucht (und dafür sorgt Microsoft ja möglicherweise auch selbst, indem die Software auf dem alten immer langsamer läuft - nur so ein Gedanke, keine Unterstellung).

Was ich bei der Entwicklung viel bedenklicher finde als das Kachel-Design ist, daß diese einschlägig vorbelastete Firma weiterhin versucht, immer mehr Kontrolle über den Computer, der NICHT ihnen, sondern dem Käufer gehört, zu übernehmen - in Fortführung der guten alten Tradition dieser Lizenzanwalts-Firma mit angeschlossener Softwareabteilung.

Für einen PrivatmannIn (da ist die weibliche Form enthalten!) macht es daher Sinn, mal darüber nachzudenken, ob er es nicht vielleicht mal mit (kostenloser!!!) Open Source Software versucht, zumindest ergänzend. Ich habe das mit meinen alten Computern gemacht, wo ich parallel zum vorhandenen Windows, Linux (Ubuntu 12.04, dh. die Langzeitversion) installiert habe (kommt schon mit sehr viel äußerst akzeptabler Anwendungssoftware with dem LibreOffice-Paket, Firefox,...eine kostenlose "Cloud" gibt es da übrigens auch, die ich aber ausdrücklich nicht nutze).

Die Installation ging problemlos, der alte Rechner ist extrem viel schneller (das heißt wieder menschenwürdig bedienbar) und vor allem habe ich wieder einigermaßen die Kontrolle darüber übernommen, was auf meinem Rechner geschieht und wer mit wem telefoniert. Inzwischen arbeite ich nur noch auf dieser Plattform und ich bin kein Computerguru - ein Betriebssystem ist für mich etwas, worum ich mich möglichst wenig kümmern will.

Sepp

31.05.2013, 09:09 Uhr

Jeder halbwegs Informierte wußte sehr bald, wie er die Kacheloberfläche aus Windows 8 verbannt und beim Start sofort zum Desktop kommt: mit der kostenlosen "Classic Shell". Man soll also bitte nicht so tun, als wären die Benutzer hilflos den Kacheln ausgeliefert. Da braucht's gar kein Windows 8.1. Und unter der Haube ist Windows 8 sowieso ein besseres System als Windows 7.

Computernutzer

31.05.2013, 09:24 Uhr

Die Kunden als willige Tester. Das sind wir von Microsoft doch so gewohnt. Windows 8 ist das moderne Windows 95.

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