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25.07.2014

08:55 Uhr

Bezahlfernsehen

Angebot für Sky-Übernahme steht

Rupert Murdochs Fernsehkonzern 21st Century Fox verkauft seinen Anteil am deutschen Bezahlsender Sky. Käufer ist BSkyB, bei der Murdoch Großaktionär ist. Für ausstehende Aktionäre gibt es ein Übernahmeangebot.

Sky-Logo auf einem Bildschirm: Der Fernsehsender wird an einen anderen Murdoch-Konzern angedockt. dpa

Sky-Logo auf einem Bildschirm: Der Fernsehsender wird an einen anderen Murdoch-Konzern angedockt.

MünchenDer britische Bezahlfernsehsender BSkyB will sein Schwesterunternehmen Sky Deutschland übernehmen. BSkyB teilte am Freitag mit, der bisherigen Mehrheitsaktionärin 21st Century Fox ihren Anteil für 2,9 Milliarden Pfund (etwa 3,65 Milliarden Euro) abkaufen zu wollen. Den übrigen Aktionären bieten die Briten 6,75 Euro je Aktie und damit kaum mehr als das Papier zuletzt an der Börse kostete. BSkyB hatte immer betont, keinen großen Aufschlag zahlen zu wollen. Die Sky-Aktien hatten am Donnerstag bei einem Kurs von 6,66 Euro geschlossen.

Derzeit hält Murdoch über Fox 39 Prozent an BSkyB. Neben dem deutschen Pay-TV-Geschäft von Fox sollen die Briten für rund zwei Milliarden Pfund (2,6 Milliarden Euro) auch die Anteile des Murdoch Imperiums an Sky Italia übernehmen. Sky Deutschland ist zwar der kleinste, aber am schnellsten wachsende der drei Sender.

Mit der Übernahme will Murdoch einen europäischen Pay-TV-Riesen schmieden, der dann europaweit rund 20 Millionen Abonnenten hätte. Im Pay-TV-Geschäft hängen die europäischen Sender derzeit noch hinterher. Während in den USA 90 Prozent aller Zuschauer ein Pay-TV-Abo bezahlen, sind es in Europa gerade einmal 40 Prozent.

Das Imperium des Rupert Murdoch

Geerbtes Unternehmen

Rupert Murdoch kam 1931 in Australien zur Welt. Das Unternehmertum liegt in der Familie: Sein Vater kaufte sich in die Zeitungskette News Limited ein, Sohn Rupert erbte sie 1952 – und baute sie zu einem Medienimperium aus, zu dem heute neben den Zeitungen in aller Herren Länder auch der Buchverlag Harper Collins, Internetbeteiligungen, Fernsehsender und mit „20th Century Fox“ ein legendäres Hollywood-Studio gehören.

Von der „Sun“ bis zum „Wall Street Journal“

Begonnen hat alles mit der Zeitung „The News“ aus dem australischen Adelaide, die der damals Anfang 20-jährige Rupert von seinem Vater übernahm. Später verleibte sich Murdoch in Großbritannien die renommierte Londoner „Times“ ein, außerdem das Massenblatt „Sun“. Die britische Sonntagszeitung „News of the World“ stampfte Murdoch nach einem Abhörskandal kurzerhand ein. Im Jahr 2007 landete Murdoch einen seiner größten Coups, indem er den US-Konzern Dow Jones übernahm, den Herausgeber Wirtschaftsblatts „Wall Street Journal“.

Fox-Fernsehsender

Flaggschiff des Konglomerats sind die amerikanischen Fox-Fernsehsender, die wegen ihrer konservativen Ausrichtung berühmt-berüchtigt sind. Hier ist aber auch die Heimat der Kultsendung „Die Simpsons“. Die gelbe Zeichentrick-Familie mit Oberhaupt Homer und der guten Seele Marge nimmt in vielen Folgen den Sender und seinen Patriarchen selbst auf die Schippe.

Auch in Deutschland aktiv

Murdoch hält die Mehrheit am Bezahlsender Sky, dem früheren Premiere. Sein Sohn James ist seit 2016 wieder Vorsitzender des Aufsichtsrates beim britischen Mutterkonzern.

Schiffbruch mit MySpace

Murdoch erkannte früh die Chancen des Internet und traute sich als einer der ersten großen Verleger, Geld für Nachrichten im Netz zu verlangen. Mit einem anderen Projekt erlitt er indes Schiffbruch: Das einstmals größte Online-Netzwerk MySpace ist nach dem Siegeszug von Facebook heute nur noch ein Schatten seiner selbst.

Aufspaltung in zwei Bereiche

2013 spaltete Murdoch sein Imperium in zwei Reiche auf: die profitable Filmsparte 21st Century Fox und das schwächelnde Verlagsgeschäft News Corp.

BSkyB war zuletzt unter Druck geraten, weil Konkurrent British Telekom (BT) eigene Sportkanäle im Internet frei zugänglich machte. Mit der Übernahme von Virgin Media drängt zudem auch Murdoch-Gegenspieler John Malone mit seinem Unternehmen Liberty Global auf den Markt. Gemeinsam könnten Murdochs Sender nun bei der Vergabe von Sportrechten und Filmlizenzen offensiver auftreten.

Und der Verkauf hat für Murdoch noch einen weiteren Vorteil: Mit dem Geld aus dem Verkauf könnte der Medienzar ein weiteres Übernahmeangebot für Time Warner vorbereiten. Eine erste Offerte von 80 Milliarden Dollar (59 Milliarden Euro) hatte Time Warner Mitte Juli ausgeschlagen. Mehr 85 Dollar pro Aktie müsste Murdoch bezahlen, um das US-Medienhaus zu übernehmen, zu dem auch CNN, HBO und die Warner Bros. Studios gehören. Eine Größenordnung, die wohl das Ranking von Fox negativ beeinflusst hätte - würden die Verkäufe in Europa nicht neues Geld in die Kassen spülen.

Murdoch und sein Sohn James, der von 2003 bis 2007 an der Spitze von BSkyB stand, sollen schon seit Jahren darüber nachdenken, die europäischen Aktivitäten zu bündeln. Ein Angebot zur Komplettübernahme von BSkyB im Jahr 2011 wurde durch einen Abhörskandal in Murdochs Zeitungsreich überschattet. Die Boulevardzeitung „News of the World“, Teil von Murdochs News Corp. hatte damals zugeben müssen, mehrere Mitglieder des Königshaus und führende Politiker in Großbritannien abgehört zu haben.

Im vergangenen Jahr wurde das Imperium von Murdoch darum gespalten in Fox und News Corp, wobei die Murdoch-Familie an beiden Unternehmen weiterhin große Anteile hält.

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