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08.07.2013

14:19 Uhr

Bezahlfernsehen

Lisicki weint, Sky frohlockt

VonChristof Kerkmann

Der Sieg auf dem Rasen von Wimbledon blieb Sabine Lisicki versagt. Für den Bezahlsender Sky war das Finale dennoch ein Quotenerfolg. Doch damit er endlich Gewinne schreibt, reichen Erfolge deutscher Sportler nicht aus.

Nicht ihr Tag: Sabine Lisicki unterlag im Wimbledon-Finale. Für den Bezahlsender Sky lohnte sich die Übertragung aber. ap

Nicht ihr Tag: Sabine Lisicki unterlag im Wimbledon-Finale. Für den Bezahlsender Sky lohnte sich die Übertragung aber.

DüsseldorfSabine Lisicki vergoss nach ihrer Niederlage auf dem Rasen von Wimbledon Tränen der Trauer – in der Zentrale von Sky Deutschland in München haben sie vermutlich trotzdem gefeiert. Das Frauenfinale des bekanntesten Tennisturniers der Welt, am Samstagnachmittag exklusiv bei dem Bezahlsender zu sehen, schalteten 590.000 Zuschauer live ein, die Kneipengucker nicht mitgerechnet.

Damit präsentierte sich Sky erneut als Arena für wichtige Sportereignisse. Rekordquoten erzielte der Sender schon im Mai bei zwei der Champions-League-Halbfinals, die nicht im Free-TV gezeigt wurden. Doch ob die Erfolge von Lisicki, Lahm und Co reichen, damit das Unternehmen dauerhaft aus den roten Zahlen kommt, ist unklar, denn der Wettbewerb um die zahlwilligen Zuschauer ist hart. Der Sender setzt dabei nicht nur auf Asse und Tore, sondern auch auf Kooperationen mit den Kabel- und Internetanbietern.

Fernsehen ließ sich in Deutschland lange schlecht verkaufen. Zu groß war das kostenlose Angebot. Erst langsam ändert sich das – 6,1 Millionen Abonnenten und einen Umsatz von 1,84 Milliarden Euro zählte der Verband der Privatsender VPRT 2012. Sky ist Marktführer, schreibt aber seit Jahren Verluste, im vergangenen Jahr 195 Millionen Euro.

Exklusive Inhalte sind das wichtigste Verkaufsargument. Lisickis Finale hilft dem Bezahlsender jedoch nur bedingt: „Tennis ist nicht entscheidend für Sky“, urteilt Stefan Wimmer, Analyst beim Bankhaus Metzler. Die große Boris- und Steffi-Ära ist lange vorbei, ein Spiel des Rekordmeisters Bayern München lockt an einem durchschnittlichen Samstagnachmittag auch 300.000 Abonnenten. Wichtig seien daher vor allem die Bundesliga-Rechte, die sich der Bezahlsender bis Mitte 2017 sichern konnte, sagt Wimmer.

Sky Deutschland

Lange Geschichte

Sky Deutschland hat einen vergleichsweise jungen Namen, dafür aber bereits eine lange Geschichte. Seit dem Start des einstigen Senders Premiere 1991 hat der von Medienmogul Leo Kirch aus der Taufe gehobene Kanal fast nur rote Zahlen geschrieben. Diese Verluste waren ein Grund für den Zusammenbruch der Kirch Gruppe 2002, den Premiere nur knapp überlebte.

Murdoch wieder dabei

Nach einem früheren Engagement stieg 2008 erneut der Medienmilliardär Rupert Murdoch ein. Der Name wurde in Sky Deutschland geändert, die Mannschaft neu aufgestellt. Seit 2010 führt Brian Sullivan das Unternehmen.

Rote Zahlen

Sky und dem Vorgänger Premiere gelang fast nie, schwarze Zahlen zu schreiben. 2013 soll der Konzern zumindest vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen Geld verdienen. Was für den Erfolg spricht: Die Firma kann die Abonnentenzahlen steigern.

Schwieriger Markt

Pay-TV hat sich in Deutschland deutlich schlechter entwickelt als anderswo – nicht zuletzt wegen des umfangreichen Gratisangebotes im Fernsehen. Immerhin verzeichnet die Branche seit 2010 deutliche Zuwächse. 2012 machte sie nach Angaben des Privatfernsehen-Verbandes VPRT 1,8 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland, die Zahl der Abonnenten stieg auf 6,1 Millionen.

Immer mehr Sender

Das Wachstum der Branche hat auch mit dem großen Angebot zu tun. 89 Bezahlprogramme gibt es nach Zahlen des VPRT inzwischen, 57 Kanäle strahlen Bilder in HD-Auflösung aus.

Kronschatz Fußball

Die Übertragungsrechte der Fußballbundesliga sind so etwas wie der Kronschatz von Sky Deutschland. Für den Bezahlsender ist Fußball ein wichtiges Verkaufsargument – und dafür ist der seit Jahren in den roten Zahlen steckende Konzern auch bereit, tief in die Tasche zu greifen. 2012 sicherte sich Sender-Chef Brian Sullivan bis 2017 die Rechte für knapp 2 Milliarden Euro.

Handball-WM

Sky zeigt die wichtigsten der 88-WM-Spiele verschlüsselt für seine knapp vier Millionen Kunden, darunter die deutschen Partien. Es ist das erste Mal, dass in Deutschland Handball-Spiele solcher Bedeutung ausschließlich im Bezahlfernsehen übertragen werden.

Handball-Zuschauer

Den Einzug der deutschen Handballer in Viertelfinale schauten 370.000 Zuschauer. Das sei „ein sehr, sehr guter Wert für einen Nachmittag“, sagte Sky-Sprecher Dirk Grosse.

Allerdings muss Sky für die Premiumware Fußball massiv investieren – für das Pay-TV-Paket sowie die Übertragungsrechte fürs Internet (IPTV) zahlt das Unternehmen 486 Millionen Euro pro Saison, fast doppelt so viel wie bislang. Ein Dilemma für alle Pay-TV-Anbieter, die Exklusivität vermarkten: „Wenn ein Sport Erfolg hat, werden die Rechteinhaber bei neuen Verhandlungen gestärkt“, sagt Wimmer. Jüngstes Beispiel: Nach dem großen Erfolg von Lisicki wollen ARD und ZDF wieder Wimbledon zeigen – und treiben so den Preis für die Exklusivrechte wahrscheinlich in die Höhe.

Um die Ausgaben wieder reinzuholen, muss Sky mehr Abonnenten gewinnen. Doch der Wettbewerb ist enorm hart. Zum einen ist das kostenlose Fernsehprogramm in Deutschland – trotz aller Klagen über das Niveau – so vielfältig wie in kaum einem anderen Land. Und weil immer mehr Deutsche bereit sind, für Inhalte zu zahlen, drängen etliche Unternehmen mit Bezahlangeboten auf den Markt – von der Vivendi-Tochter Watchever bis zu den Kabelnetzbetreibern. Der Medienökonom Peter Winzer von Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden spricht daher von „Hypercompetition“ – er erwartet große Rivalität um Senderechte und Kampfpreise.

Kommentare (2)

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btw

08.07.2013, 14:55 Uhr

sky is halt eben was Besseres und Besserseher haben zeitgleich mit de flotte bine losheulen dürfen, was sie ja auch gemacht hatten.
Was für ein Event aber auch.

(...)
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Tom

08.07.2013, 17:15 Uhr

Totalausfall ARD & ZDF. Dort wird seit Jahren ausgepägt eine Monokultur in Sachen Sport gepflegt: Fussball,Fussball,Fussball. Für hunderte!!! Millionen Euro. Ich gehe davon aus, das ARD-Sportkoordinator Balkausky bereits fristlos gekündigt wurde.

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