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08.01.2008

19:22 Uhr

Bezahlfernsehen

Murdoch spielt nach

VonHans-Peter Siebenhaar

Rupert Murdoch glaubt an die Zukunft des Bezahlfernsehens in Deutschland. Das hat der Medienunternehmer mit seinem Einstieg bei Premiere bewiesen. Mit der Rückkehr von Murdoch wird sich nicht nur der Fernsehmarkt verändern – auch die Fußball-Bundesliga ist betroffen. Eine Analyse.

Premiere braucht die Bundesliga. Foto: ap Quelle: ap

Premiere braucht die Bundesliga. Foto: ap

DÜSSELDORF. Im malerischen Oldenburg startete Leo Kirch vor knapp zwei Jahrzehnten das erste Bezahlfernsehen in Deutschland. Der Medienunternehmer war davon überzeugt, dass werbefreies Fernsehen gegen eine monatliche Gebühr ein lukratives Geschäftsmodell ist. Niemand ahnte, dass ausgerechnet das Bezahlfernsehen 20 Jahre später der Auslöser für den Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch sein würde.

Für den Sargnagel im Jahr 2002 sorgte sein damaliger Partner Rupert Murdoch. Der australisch-amerikanische Medienmilliardär bestand darauf, für 1,7 Milliarden Euro seinen 22-prozentigen Anteil am Bezahlsender Premiere an Leo Kirch zu verkaufen. Doch der Münchener Filmhändler hatte das Geld nicht. Und Murdoch? Er hatte viel Geld mit Premiere versenkt.

Fünf Jahre nach dem Desaster sorgt der Tycoon aus New York für ein Nachspiel. Überraschend kauft Murdoch für 287 Mill. Euro knapp 15 Prozent der Anteile an Premiere. Damit ist der 76-Jährige wieder im Spiel. Auf seinen Gegenspieler Kirch wird er bald treffen. Denn der einstige Pleitier hat ab der Saison 2009/2010 die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga für sechs Spielzeiten erworben. Das Drei-Milliarden-Geschäft kann sich für Kirch nur auszahlen, wenn er die Live-Rechte an Premiere verkauft. Denn der Pay-TV-Konzern ist der Hauptfinancier der Liga und damit auch von Kirch 2.0. Noch im Frühjahr soll die Rechtevermarktung der Bundesliga starten.

Durch die Rückkehr von Murdoch hat sich die Verhandlungsposition von Premiere verbessert. Denn plötzlich hat das von Krisen geschüttelte Fernsehunternehmen aus dem tristen Unterföhring einen mächtigen Partner aus den USA im Rücken. Murdoch ist schließlich der weltweit größte Betreiber von Bezahlsendern.

Premiere braucht die Bundesliga, aber noch viel dringender braucht Kirch das viele Geld von Premiere, um seine Rückkehr auf dem deutschen Medienmarkt zu finanzieren. Murdoch kennt die Situation genau und wird daher Premiere drängen, in den Verhandlungen Hardball mit Kirch und seinem ruppigen Stellvertreter Dieter Hahn zu spielen.

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