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04.07.2013

15:37 Uhr

Bezahlfernsehen

Privatsender erwarten Boom des Pay-TV

Nach Jahren der Ablehnung hat sich Bezahlfernsehen in deutschen Wohnzimmern etabliert. Der Branchenverband sieht sich bereits als dritte Säule der Fernsehlandschaft. Hochprofitabel ist das Geschäft aber längst nicht.

Sky-Kamera bei einem Fußballspiel: Das Unternehmen schreibt in Deutschland bisher chronisch rote Zahlen. dpa

Sky-Kamera bei einem Fußballspiel: Das Unternehmen schreibt in Deutschland bisher chronisch rote Zahlen.

MünchenDie Deutschen haben ihre langjährige Abneigung gegen Pay-TV nach Einschätzung des Branchenverbands VPRT abgelegt. Mit prozentual zweistelligen wachsenden Umsätzen und Nutzerzahlen sei Abonnement-Fernsehen das wachstumsstärkste Segment im deutschen Fernsehmarkt, sagte Marktexperte Frank Giersberg vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) am Donnerstag in München. „Für die kommenden Jahre erwarten wir eine anhaltend dynamische Entwicklung.“ Nach zahlreichen Akzeptanzproblemen seit dem Start des ersten deutschen Bezahlsenders vor 25 Jahren habe sich das Wachstum stabilisiert.

Neben gebühren- und werbefinanzierten Sendern sieht der Verband Bezahlsender wie Sky Deutschland mittlerweile als dritte Säule der deutschen Fernsehbranche etabliert. Dennoch ist ihr Anteil noch vergleichsweise gering: Von einem auf 14 bis 15 Milliarden Euro geschätzten Marktvolumen sind bisher rund zwei Milliarden Euro Pay-TV-Erlöse. Der Löwenanteil entfällt nach Giersbergs Worten weiterhin auf Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender (4,5 Milliarden Euro) und auf Werbeeinnahmen (vier Milliarden). Der Rest stammt aus Geschäften wie Teleshopping, Produktion und Rechtehandel. Insgesamt ist der deutsche Fernsehmarkt weltweit der zweitgrößte nach den USA.

Die größten Medienkonzerne der Welt (nach Umsatz 2012)

Comcast/NBC, LLC

48,7 Milliarden Euro

Google

39,1 Milliarden Euro

Walt Disney

32,9 Milliarden Euro

News Corp.

26,2 Milliarden Euro

Time Warner

22,4 Milliarden Euro

Viacom/CBS Corp.

22,4 Milliarden Euro

Sony Entertainment

16,8 Milliarden Euro

Bertelsmann

16,1 Milliarden Euro

Vivendi

13,3 Milliarden Euro

Dish Network Corp.

11,1 Milliarden Euro

Rang 11 bis 20

Cox Enterprises 10,6 Milliarden Euro

Thomson Reuters 10 Milliarden Euro

Rogers Comm. 9,7 Milliarden Euro

Liberty Media Corp. 9,4 Milliarden Euro

Reed Elsevier 7,5 Milliarden Euro

Pearson 7,5 Milliarden Euro

Lagardère Media 7,4 Milliarden Euro

Nippon Hoso Kyokai 6,4 Milliarden Euro

ARD 6,3 Milliarden Euro

Bloomberg 6,2 Milliarden Euro

Quelle: Unternehmen

Der zum Medienkonzern Time Warner gehörende Anbieter Turner Broadcasting erwartet, dass sich der Anteil der deutschen Haushalte, die Pay-TV-Abos beziehen, mittelfristig auf mehr als 30 Prozent verdoppeln wird. Dazu trügen auch die im internationalen Vergleich niedrigen Preise und die hohe Kaufkraft der Deutschen bei, sagte Turner-Deutschland-Chef Hannes Heyelmann bei der VPRT-Veranstaltung. Der Konzern werde deshalb „weiterhin sehr viel“ in seine deutschen Bezahlsender wie CNN, Cartoon Network und Boomerang investieren. In anderen westlichen Ländern wie den USA und den Niederlanden sei fast jeder Haushalt Pay-TV-Kunde.

In der Hoffnung auf künftige Geschäfte nimmt mancher in der Branche weiter Anlaufverluste in Kauf. So schreibt der vom Großaktionär Rupert Murdoch gepäppelte Sender Sky Deutschland chronisch rote Zahlen und rechnet in diesem Jahr lediglich operativ mit einem Gewinn. Auch die im werbefinanzierten Geschäft starken Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 sind im Pay-TV aktiv.

Von

rtr

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