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07.01.2015

17:12 Uhr

Bezahlsender

Sky Deutschland nähert sich Börsenabschied

Die deutsche Tochter des britischen Pay-TV-Konzern Sky könnte sich bald von der Börse verabschieden. Die Sendergruppe erhöhte ihre Aktienanteile auf 95 Prozent. Damit hält sie die Zügel nun selbst in der Hand.

Rupert Murdoch hat seine Bezahlsender in Deutschland, Großbritannien und Italien zum größten privaten Fernsehkonzern Europas gebündelt. dpa

Rupert Murdoch hat seine Bezahlsender in Deutschland, Großbritannien und Italien zum größten privaten Fernsehkonzern Europas gebündelt.

MünchenDer britische Pay-TV-Konzern Sky öffnet die Tür für den Börsenabschied seiner deutschen Tochter. Die Sendergruppe aus dem Reich des Medienmoguls Rupert Murdoch erhöhte ihren Anteil an Sky Deutschland durch weitere Aktienkäufe auf mehr als 95 Prozent, wie Sky am Mittwoch mitteilte. Damit darf der Konzern die Kleinaktionäre nach deutschem Recht gegen eine Zwangsabfindung hinausdrängen.

Obwohl sich die Briten dazu nicht äußerten, wird dieser Schritt an der Börse seit längerem erwartet. Die Sky-Deutschland-Aktie, die wegen des geringen Streubesitzes bereits Anfang Dezember aus dem Nebenwerteindex MDax geflogen war, notierte am Mittwoch kaum verändert bei 6,73 Euro. Die britischen Sky-Titel legten um ein Prozent auf 870 Pence zu.

Murdoch hat seine Bezahlsender in Deutschland, Großbritannien und Italien zum größten privaten Fernsehkonzern Europas gebündelt. Mit rund 20 Millionen Abonnenten und 14 Milliarden Euro Umsatz will er seine Macht beim Einkauf von Senderechten und beim Vertrieb ausspielen.

Das Imperium des Rupert Murdoch

Geerbtes Unternehmen

Rupert Murdoch kam 1931 in Australien zur Welt. Das Unternehmertum liegt in der Familie: Sein Vater kaufte sich in die Zeitungskette News Limited ein, Sohn Rupert erbte sie 1952 – und baute sie zu einem Medienimperium aus, zu dem heute neben den Zeitungen in aller Herren Länder auch der Buchverlag Harper Collins, Internetbeteiligungen, Fernsehsender und mit „20th Century Fox“ ein legendäres Hollywood-Studio gehören.

Von der „Sun“ bis zum „Wall Street Journal“

Begonnen hat alles mit der Zeitung „The News“ aus dem australischen Adelaide, die der damals Anfang 20-jährige Rupert von seinem Vater übernahm. Später verleibte sich Murdoch in Großbritannien die renommierte Londoner „Times“ ein, außerdem das Massenblatt „Sun“. Die britische Sonntagszeitung „News of the World“ stampfte Murdoch nach einem Abhörskandal kurzerhand ein. Im Jahr 2007 landete Murdoch einen seiner größten Coups, indem er den US-Konzern Dow Jones übernahm, den Herausgeber Wirtschaftsblatts „Wall Street Journal“.

Fox-Fernsehsender

Flaggschiff des Konglomerats sind die amerikanischen Fox-Fernsehsender, die wegen ihrer konservativen Ausrichtung berühmt-berüchtigt sind. Hier ist aber auch die Heimat der Kultsendung „Die Simpsons“. Die gelbe Zeichentrick-Familie mit Oberhaupt Homer und der guten Seele Marge nimmt in vielen Folgen den Sender und seinen Patriarchen selbst auf die Schippe.

Auch in Deutschland aktiv

Murdoch hält die Mehrheit am Bezahlsender Sky, dem früheren Premiere. Sein Sohn James ist seit 2016 wieder Vorsitzender des Aufsichtsrates beim britischen Mutterkonzern.

Schiffbruch mit MySpace

Murdoch erkannte früh die Chancen des Internet und traute sich als einer der ersten großen Verleger, Geld für Nachrichten im Netz zu verlangen. Mit einem anderen Projekt erlitt er indes Schiffbruch: Das einstmals größte Online-Netzwerk MySpace ist nach dem Siegeszug von Facebook heute nur noch ein Schatten seiner selbst.

Aufspaltung in zwei Bereiche

2013 spaltete Murdoch sein Imperium in zwei Reiche auf: die profitable Filmsparte 21st Century Fox und das schwächelnde Verlagsgeschäft News Corp.

Dafür verschob Murdoch im vergangenen Sommer den 57-prozentigen Sky-Deutschland-Anteil seiner US-Holding 21st Century Fox zu deren britischem Fernsehableger. Dieser kaufte anschließend weitere Anteile hinzu, legte den Namen BSkyB ab und tritt nun europaweit einheitlich unter der Marke Sky auf. Sky Italia gehörte bereits vorher komplett zu Murdochs Reich.

Von

rtr

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