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30.10.2014

00:58 Uhr

Big Data

IBM durchforstet Twitter-Daten

Daten-Goldgrube Twitter: IBM und der Kurznachrichtendienst machen gemeinsame Sache - Eine Analyse-Software durchforstet Tweets und soll Firmenkunden einen guten Überblick über ihren Ruf und ihre Aktivitäten verschaffen.

Täglich werden 500 Millionen Tweets gesendet. IBM und Twitter wollen es für Unternehmen leichter machen, an Informationen über sich und ihre Produkte heranzukommen. AFP

Täglich werden 500 Millionen Tweets gesendet. IBM und Twitter wollen es für Unternehmen leichter machen, an Informationen über sich und ihre Produkte heranzukommen.

Armonk/San FranciscoIBM und Twitter machen gemeinsame Sache bei der Datenauswertung. Das Computer-Urgestein wird die Informationsflut des Kurznachrichtendienstes künftig mit seiner Analyse-Software durchforsten, um Trends aufzuspüren, wie die Unternehmen am Mittwoch mitteilten.

In einem Blogbeitrag kündigte IBM an, den täglichen „Tsunami“ von etwa 500 Millionen Tweets anzuzapfen, um Firmenkunden wie Banken, Reiseanbietern oder Einzelhändlern einen schnellen Überblick über aktuelle öffentliche Debatten, Meinungen und Ideen liefern zu können. Eine wichtige Rolle soll dabei offenbar dem IBM-Supercomputer Watson zukommen, der wegen seiner starken Rechenkraft enorm große Datenmengen auswerten kann.

Twitter teilte in seinem Blog mit, die Allianz solle Unternehmen dabei helfen, sich ein besseres Bild über ihren Ruf und ihre Aktivitäten zu machen. Sie könnten zum Beispiel Fragen wie „Was mögen Kunden am meisten an unseren Produkten?“ in die Analyse-Software von IBM eingeben und Auskunft erhalten.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

IBM hat Probleme, sich vom klassischen IT-Unternehmen zum modernen Tech-Konzern zu wandeln. Die Geschäfte liefen zuletzt enttäuschend. Mitte Juli hatte das Unternehmen bereits eine Kooperation mit dem Smartphone-Riesen Apple beschlossen.

Gemeinsam sollen Apps zum Management von Geschäftsprozessen für iPhone und iPad entwickelt werden. IBM wird zudem speziell auf Apple-Geräte angepasste Cloud-Dienste anbieten und Firmenkunden iPhones und iPads verkaufen.

Auch bei Twitter lief es zuletzt nicht rund. Das Unternehmen enttäuschte Aktionäre zu Wochenbeginn mit einem weiteren hohen Quartalsverlust und einem mäßigen Wachstum der Nutzerzahlen im dritten Quartal.

Bei Twitter kann man bis zu 140 Zeichen lange Mitteilungen online veröffentlichen. Der Dienst hat sich zu einem vielgenutzten Verbreitungskanal für Nachrichten entwickelt, tut sich bisher allerdings schwer, Geld zu verdienen.

Von

dpa

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