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27.01.2009

09:11 Uhr

Bilanz

Siemens gibt den Krisen-Supermann

Ist das der Rest vom Schützenfest? Siemens hat trotz Rezession glänzende Zahlen hingelegt. Aber das Gewinnziel wackelt. Dieses Quartal könnte das letzte gute für Siemens gewesen sein. Auch wenn der Mischkonzern entschlossen und kraftvoll durchs Jahr kommen will, weiß Konzernchef Löscher, dass die Krise auch an Siemens nicht spurlos vorbeigehen wird.

Der Schriftzug von Siemens an der Fassade des Siemens-Forums in München. Foto: dpa Quelle: dpa

Der Schriftzug von Siemens an der Fassade des Siemens-Forums in München. Foto: dpa

ax/HB MÜNCHEN. Ein wenig Stolz ist Peter Löscher schon. Zu früher Stunde gibt der Siemens-Chef in den Katakomben des Münchener Olympiastadions eine kleine Pressekonferenz. Mit kreuzgeradem Rücken wie immer steht der Österreicher im Scheinwerferlicht, im gesetzten blauen Anzug mit orangefarbener Krawatte. Hochkonzentriert ist Löscher, die Anspannung kann er nicht ganz verbergen. Gleich will er den Aktionären auf der Hauptversammlung die neuesten Quartalszahlen erläutern.

Nach einem überraschend großen Gewinnsprung will Siemens auch im Krisenjahr 2009 weiter zulegen. Das operative Ergebnis der drei Sektoren werde auf acht bis 8,5 Mrd. Euro steigen, bekräftigt Löscher, räumt aber ein, dies sei angesichts der weltweiten Rezession "noch ambitionierter" geworden. Der Umsatz soll weiter doppelt so schnell zulegen wie die Weltwirtschaft - beziehungsweise halb so stark schrumpfen. "Siemens geht mit Selbstvertrauen, Kraft und Entschlossenheit durch das Jahr 2009."

Angesichts der Schmiergeldaffäre und der Diskussion um Aufsichtsrats-Gehälter könnten die Zahlen für gute Stimmung sorgen. Ganz ausgezeichnet sei man ins neue Geschäftsjahr gestartet, sagt Löscher vor den Journalisten. Siemens wolle als "Gewinner aus der Krise" hervorgehen. Das ist heutzutage eine vielgenutzte Floskel. Löscher aber stellt für das laufende Jahr ein operatives Rekordergebnis in Aussicht. Siemens wolle sich nicht den Chor all derer einstimmen, die mit düsteren Äußerungen die Stimmung weiter in den Keller ziehen.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2008/2009 von Oktober bis Ende Dezember steigert Siemens den operativen Gewinn um ein Fünftel auf gut zwei Mrd. Euro. Damit übertrifft der Konzern deutlich die Analystenerwartungen, die im Schnitt 1,8 Mrd. Euro betragen hatten. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 1,2 Mrd. Euro; im Vorjahresquartal waren es noch 6,5 Milliarden, allerdings war damals ein Sondereffekt von 5,4 Mrd. aus dem Verkauf von VDO enthalten. Von Oktober bis Ende Dezember 2008 wuchs der Umsatz um sieben Prozent auf 19,6 Mrd. Euro. Durch sein langfristig angelegtes Projektgeschäft profitierte Siemens den Angaben zufolge vom hohen Auftragszugang der vergangenen zwei Jahre.

Keine Frage, für den Optimismus ist an diesem Tag Löscher zuständig. Etwas zurückhaltender gibt sich Joe Kaeser, der neben ihm steht. Das konjunkturelle Umfeld werde düsterer, räumt der Finanzchef ein. Noch sieht er zwar keine Alarmglocken schrillen. Der Auftragseingang sei noch immer höher als der Umsatz, eine gesunde Entwicklung. Und doch macht er erste Andeutungen von "zusätzlichen Gegenmaßnahmen", die irgendwann notwendig werden könnten. Den Abbau von mehr als 17 000 Stellen hatte Siemens bereits im vergangenen Jahr angekündigt, nicht ausgeschlossen, dass es noch mehr werden. Noch aber wankt Siemens nicht. Er und Kaeser seien sich einig, betont Löscher. Die Ziele seien ambitionierter geworden, der Konzern halte aber fürs erste an seinen ehrgeizigen Prognosen fest.

Beim Auftragseingang zeigt sich allerdings die nachlassende Konjunktur: Er schrumpfte um acht Prozent auf 22,2 Mrd. Euro. Löscher sagte, damit habe Siemens besser abgeschnitten als die meisten Wettbewerber. Die Aufträge gingen in allen Regionen der Welt und in den meisten Divisionen zurück. Im Industriesektor, der mit Abstand größten der drei Sparten, brachen die Ordereingänge um elf Prozent ein. Bei bestehenden Aufträgen habe es keine wesentlichen Stornierungen gegeben, betonte Siemens. Löscher sprach von einem "guten Start" ins Geschäftsjahr.

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