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05.11.2015

18:36 Uhr

Bilanz zur Deutschen Telekom

So weit so gut

VonIna Karabasz

Die Telekom hat wieder gute Quartalszahlen vorlegt. Der Konzern wächst, nicht zuletzt wegen seiner US-Tochter. Jedoch braucht der Konzern auch eine Langfrist-Perspektive – und mehr Geschwindigkeit. Eine Analyse.

Telekom-Chef Timotheus Höttges braucht eine Langfrist-Strategie. dpa

Deutsche Telekom

Telekom-Chef Timotheus Höttges braucht eine Langfrist-Strategie.

Der Chef der Deutschen Telekom liebt klare, strukturierte Aussagen. Selbst wenn er auf Fragen antwortet oder bei spontanen Vorträgen nummeriert Timotheus Höttges seine Argumente gerne durch. An diesem Donnerstag etwa erklärt er bei seiner Rede zur Vorstellung der Bilanz des dritten Quartals, anhand von genau vier strategischen Stoßrichtungen wie der Konzern in der Umsetzung seiner Strategie vorangekommen sei, selbst wenn dies so nicht im Manuskript stand.

Diesem Wunsch nach Struktur Folge tragend, ist folgende Analyse der derzeitigen Lage der Deutschen Telekom auf vier Punkte fokussiert.

Erstens: Die Geschäftsentwicklung
Die Telekom hat wieder einmal gute Quartalszahlen vorgelegt – und das weiß man in Bonn auch. Der Konzern verdiente im dritten Quartal mit 809 Millionen Euro rund 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei fast allen wichtigsten Finanzkennzahlen sei man zweistellig gewachsen, erklärte Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt bei der Präsentation der Zahlen, außer beim Umsatz, der um 9,3 Prozent auf rund 17,1 Milliarden Euro anstieg. „Das muss uns erst mal einer nachmachen“, erklärte er stolz. Man sei auf klarem Kurs zur Jahresprognose. Auch das operative Geschäfts habe sich „sehr erfreulich“ entwickelt.

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Eine besondere Betonung legt Dannenfeldt dabei darauf, dass man trotz der um 15 Prozent gestiegenen Investitionen „genau auf Linie des vom Kapitalmarkt erwarteten Wachstums für den Free Cashflow in 2015 liege.“ Die Telekom hatte im Februar dieses Jahres angekündigt, dass diese Summe bis 2018 um durchschnittlich zehn Prozent im Jahr steigen soll. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres lag der Free Cashflow mit 3,5 Milliarden Euro 12,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Dabei investierte die Telekom im gleichen Zeitraum mit 7,8 Milliarden Euro 15,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

„Diese immensen Investitionen gehen nicht zu Lasten anderer Stakeholder“, erklärte Konzernchef Höttges. Man habe die Aktionärsvergütung klar im Blick. 50 Cent pro Aktie Dividende will die Telekom ihren Anteilseigner laut Ankündigung von Jahresbeginn zahlen - mindestens. Trotz dieser Beteuerung und obwohl die Telekom mit ihren Zahlen die Erwartungen der Analysten traf, fiel zwischenzeitlich der Wert der Aktie um fast drei Prozent, weil viele Aktionäre sich die Gewinne der vergangenen Wochen sichern wollten. Der Preis der Aktie war innerhalb der vergangenen vier Wochen um zwölf Prozent gestiegen. Zum Amtsantritt von Timotheus Höttges am 1. Januar 2014 war das Papier rund 12 Euro Wert, heute sind es knapp 17 Euro.

Der Augenmerk von Höttges und Dannenfeldt auf die Zufriedenheit der Anteilseigner sehen jedoch einige Branchenbeobachter mit Besorgnis. Der Mann an der Spitze hätte in den vergangenen 21 Monaten vor allem das Portfolio bereinigt und den Konzern konsolidiert, was gut und nötig gewesen sei, allerdings mangele es an größeren Investitionen in zukunftsträchtige Geschäftsmodelle. Zwar gebe es einige Ansätze, diese würden aber wahrscheinlich bei weitem nichtausreichen.

Zweitens: Die Infrastruktur

Es stehen weiter hohe Investitionen an. Zum einen will die Telekom bis 2018 ihr gesamtes Netz auf die All-IP-Technologie umstellen, alle Telefonate laufen dann digital über das Internetprototkoll. Diese Umstellung nehmen derzeit weltweit viele Telekommunikationsanbieter vor, wenn auch zum Teil mit weniger Zeitdruck, weil mit der neuen Technik neue Produkte schneller und einfach beim Kunden installiert werden können und die gesamte Infrastruktur kostengünstiger betrieben werden kann. Da die Telekom gleichzeitig auch alle ihre europäischen Töchter auf All-IP umstellt, können in Zukunft etwa Kunden in Griechenland einfach Serviceleistungen aus Bonn bekommen.

Derzeit hat die Telekom 37 Prozent der Anschlüsse umgestellt, alleine 860.000 in den vergangenen drei Monaten. Doch auch wenn dies beeindruckende Zahlen sind, noch sind die Bonner ein gutes Stück von ihrem Ziel entfernt. Es müssen etwa noch ein Großteil der Geschäftskunden auf die neue Technik umgestellt werden, dort ist der Prozess jedoch oftmals schwieriger, weil diese Kunden etwa auch Aufzüge oder Alarmanlagen über die Telefonanlage steuern. Konkurrent Vodafone buhlt bereits um diese Nutzer, in dem sie ihnen verspricht, sie nicht zwangsläufig bis 2018 umzustellen, während die Telekom ihren Kunden zur Not auch den Vertrag kündigt.

Gleichzeitig baut die Deutsche Telekom sowohl ihr mobiles Breitband, als auch das Festnetz aus. Laut Konzernchef Höttges erreichen Sie mit ihrem besonders schnellen LTE-Netz mittlerweile 87 Prozent der Bevölkerung. Für die gute Netzqualität räumen die Bonner immer wieder Preise ein. Das ist eines der wichtigsten Themen für den Vorstandsvorsitzenden: „Wir differenzieren uns über die Netzqualität“, sagte er.

Bezahlen mit dem Smartphone

In der Warteschleife

Das mobile Bezahlen mit dem Smartphone gilt als der nächste große Trend. Doch noch immer steckt das Verfahren zumindest in Europa weitgehend in der Warteschleife fest. Vielen Verbrauchern sind die Möglichkeiten noch gar nicht bekannt. Um das zu ändern, seien die Anbieter gefragt, meint der IT-Verband Bitkom. Und es müsse das Vertrauen in die Technologie gefördert werden.

Quelle: dpa

Wo kann ich mobil mit dem Smartphone bezahlen?

Dem Branchenverband Bitkom zufolge gibt es deutschlandweit 60.000 Akzeptanzstellen für das mobile Bezahlen mit dem Smartphone. Unter anderem Tankstellen setzen darauf, aber auch große Ladenketten rüsteten zuletzt deutlich auf. Auch Aldi Nord bietet nun in allen seinen 2400 Filialen bundesweit das mobile Bezahlen mit dem Handy an. Beim Discounter Netto können Kunden sogar über die Apple Watch bezahlen.

Welche Hürden gibt es noch?

Als einer der Flaschenhälse galt bislang, dass der Handel nur spärlich mit entsprechenden Terminals ausgerüstet war. Das soll sich jedoch bald ändern, da die Lesegeräte in großem Stil auswechselt werden. Laut Branchenverband Bitkom liegt auch eine Hürde darin, dass die Nutzer über die Möglichkeiten gar nicht ausreichend informiert seien.

Wie funktioniert mobiles Bezahlen?

Das Geld fließt vom Kunden-Smartphone bis zum Händler über viele verschiedene Wege. Anbieter der Transaktion sind Handelsketten, Telekom- und Internet-Unternehmen oder Hardwarehersteller wie Apple. In der Regel muss sich der Nutzer eine entsprechende App herunterladen. Manche Anbieter setzen auf den QR-Code, ein grafisches Quadrat, das ähnlich wie der Barcode funktioniert. Wer etwa an der Kinokasse mit Yapital bezahlen will, scannt mit dem Smartphone den QR-Code. Das Geld wird von einem vorher hinterlegten Guthaben abgebucht. Die meisten Angebote nutzen aber inzwischen den Nahfeldfunk NFC (Near Field Communication).

Wie läuft es mit NFC?

Dabei wird das Smartphone dicht an das Terminal gehalten. Die Transaktion kann auch über die Eingabe einer PIN-Nummer abgesichert werden. Unter anderem der Kreditkartenanbieter Mastercard etwa setzt auf NFC. Die Technologie wird von den meisten aktuellen Smartphones unterstützt, inzwischen auch von den iPhones von Apple. Deren Bezahlfunktion Apple Pay gibt es zwar vorerst nur in den USA, doch Branchenexperten erwarten, dass der Dienst auch in Europa das mobile Bezahlen deutlich in Schwung bringen wird.

Welche Risiken gibt es?

Werden Zahlungen mit persönlichen Daten mobil verschickt, könnten Kriminelle theoretisch an mehreren Stellen den Datenstrom abgreifen. Der Standard NFC gilt aber als besonders sicher, da er zum Beispiel nur über eine sehr geringe Entfernung vom Smartphone zum Terminal funkt. Dabei werden die Daten verschlüsselt. Bei Apple Pay etwa wird zudem der Fingerabdruck des iPhone-Nutzers für die Absicherung genutzt. Sollte das Smartphone geklaut werden, kann auch der Dieb nicht auf das Konto zugreifen. Kreditkartenanbieter sichern die Transaktionen zusätzlich mit einem Verfahren namens Tokenisierung. Die Daten werden damit so verschlüsselt, dass nur die Bank ihren Kunden identifizieren kann.

Im Festnetz gilt es für die Deutsche Telekom jedoch noch einige Kämpfe zu gewinnen. Auf der einen Seite machen die Kabelanbieter den Bonnern zunehmend Marktanteile streitig. Sie können über ihre Netze hohe Downloadraten anbieten, mit denen die Telekom über ihr in großen Teilen noch vorhandenes Kupferkabelnetz nur schwer mithalten kann.

Deswegen setzt sie auf unter anderem auf eine Technik (Vectoring), die darüber höhere Bandbreiten ermöglicht. Diese kann aber immer nur ein Anbieter pro Schaltkasten einsetzen. Im Frühjahr hatte die Telekom bei der Bundesnetzagentur darum beantragt, gewisse Bereiche exklusiv ausbauen zu dürfen. Dafür hat sie eine Investitionssumme von einer Milliarde Euro zugesichert, sollte die Behörde ihren Antrag positiv bescheiden. Doch darum ist ein großer Streit entbrannt.

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