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29.07.2011

09:55 Uhr

Biograf rechnet ab

Das Ende des Rupert Murdoch

VonKatharina Slodczyk

Der Biograf des Medienunternehmers ist davon überzeugt, dass Murdoch von den illegalen Recherchemethoden in seinem Reich gewusst hat - und rechnet gnadenlos mit ihm ab.

Rupert Murdoch in einer Limousine. Quelle: AFP

Rupert Murdoch in einer Limousine.

LondonEr setzt an, um eine Frage seiner Zuhörer zu beantworten. „Es wird sehr viele Untersuchungen geben, es wird herauskommen, dass …“ Doch dann unterbricht er sich, mitten im Satz – als ob er sich nicht traut, einen ungeheuerlichen Gedanken auszusprechen. Nach einer langen Pause folgt die Erklärung: „Ich suchte nach anderen Worten, um nicht sagen zu müssen: Es wird herauskommen, dass es sich um ein kriminelles Unternehmen handelt.“

Michael Wolff, amerikanischer Journalist und Biograf des australisch-amerikanischen Medienmoguls Rupert Murdoch, sitzt am Donnerstagabend in einem Hörsaal der London School of Economics (LSE) und gibt seine Sicht auf die Abhöraffäre zum Besten – den Skandal über illegale Recherchemethoden bei der inzwischen eingestellten Boulevard-Zeitung „News of the World“, der seit Anfang Juli den Murdoch-Konzern News Corp. in seinen Grundfesten erschüttert. Wolff, im Hauptberuf Kolumnist der „Vanity Fair“, hat vor vier Jahren als erster Biograf exklusiven Zugang zu Murdoch, seiner Familie und Top-Managern von News Corp. bekommen. Mehr als 50 Stunden hat er sie für sein 2008 erschienenes Buch „The Man who owns the news“ interviewt. Ein Jahr später ist das Buch auf Deutsch unter dem Titel „Der Medienmogul“ auf den Markt gekommen.

Die Enthüllungen über Journalisten der „News of the World“, die Handy-Mailboxen von Prominenten und Angehörigen von Mordopfer abgehört haben sollen, überraschen Wolff gar nicht. Und auch Rupert Murdoch dürften sie nicht überrascht haben, sagt der Biograf. „Murdoch wundert sich wahrscheinlich über all die Empörung darüber und fragt sich: Was dachten denn die Leser, woher all die Geschichten in der Zeitung wohl kamen?“

Für Michael Wolff steht fest: Murdoch muss von den Recherchepraktiken gewusst haben. Er sei ein Kontrollfreak, er telefoniere ständig mit den Chefredakteuren seiner Zeitungen. „Er ist besessen vom Zeitungsgeschäft, von Überschriften, meint selbst, die besten machen zu können.“ In der Öffentlichkeit hat der 80-Jährige bislang stets geleugnet, irgendwas von den illegalen Methoden bei „News of the World“ gewusst zu haben. Ohnehin habe diese Zeitung noch nicht einmal ein Prozent seines Konzernumsatzes ausgemacht, er habe sich nicht allzu sehr mit ihr beschäftigt.

Für Wolff ist das unglaubwürdig – genauso wie all die Beteuerungen hochrangiger News-Corp.-Manager und auch ehemaliger Topkräfte, von dem großen Lauschangriff bei „News of the World“ nichts geahnt zu haben. „Es gibt nur wenig Hierarchien innerhalb des Konzerns, was der eine weiß, weiß auch der andere.“ Und ohnehin würden sich alle nur an eine Regel halten: „Sie tun nur das, von dem sie denken, dass Rupert will, dass sie es tun. Selbstständiges Denken ist innerhalb dieses Konzerns absolute Mangelware.“

Kommentare (1)

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Steppenwolf

29.07.2011, 11:57 Uhr

Jegliches Vemögen einer kriminellen Firma (Ich selbst würde Mafia dazu sage) sollte eingezogen werden und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Das würde auch andere die mit ähnlichen Methoden arbeiten abschrecken.
In Ostafrika gibts genug Bedarf an Geld um Hungernde am Leben zu erhalten.

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