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21.12.2012

16:38 Uhr

Blackberry-Anbieter

RIM präsentiert dünnen Gewinn

Kundenschwund und hohe Verluste plagen den Blackberry-Erfinder schon seit längerem. Im nächsten Jahr soll dank Blackberry 10 alles anders werden. Immerhin fiel das jüngste Quartal gar nicht so schlimm aus wie befürchtet.

Ein Blackberry-Smartphone von Research in Motion (RIM). dpa

Ein Blackberry-Smartphone von Research in Motion (RIM).

WaterlooDer Blackberry-Anbieter RIM hat seine leidgeplagten Investoren mit einer geplanten Neuordnung der Service-Gebühren schockiert. Die Aktie sackte zum Handelsstart in New York am Freitag um rund 17 Prozent ab. Die Service-Erlöse machen rund ein Drittel des RIM-Geschäfts aus und die Anleger entnahmen der Ankündigung von Konzernchef Thorsten Heins, dass sie mit dem neuen Preismodell deutlich sinken könnten.

Zuvor hatte RIM im letzten Quartal vor dem Start seines großen Hoffnungsträgers – des neuen Betriebssystems Blackberry 10 – noch etwas bessere Zahlen als erwartet vorgelegt. Die Aktie ging danach nachbörslich zunächst nach oben, doch Heins' Ankündigung ließ sie schnell wieder ins Minus drehen.

RIM will die Service-Gebühren stärker staffeln: Kunden, die zusätzliche Dienste etwa für mehr Sicherheit nutzen, sollen sie weiter bezahlen. Von anderen dürfte weniger Geld kommen. Konkrete Beträge blieben bisher offen, ebenso wie die Frage, ob alle Kundengruppen von der Änderung betroffen sein werden. Bei den Anlegern schrillten dennoch die Alarmglocken. Im vergangenen Quartal brachten die Service-Erlöse 982 Millionen Dollar der gesamten Umsätze von 2,73 Milliarden Dollar. Heins betonte, dass er nicht mit einem absacken des Service-Geschäfts rechne.

Durch das am 1. Dezember abgeschlossene dritte Geschäftsquartal kam RIM noch mit einem blauen Auge. Unterm Strich gab es nach hohen Verlusten sogar einen dünnen Gewinn von neun Millionen Dollar. Er entstand allerdings nur, weil eine Steuergutschrift den operativen Verlust von 212 Millionen Dollar mehr als ausglich.

Android, Apple und die anderen

Android

Das Google-Betriebssystem ist in wenigen Jahren zur meistgenutzten Plattform im Smartphone-Markt aufgestiegen. 2013 lief nach Zahlen der Marktforscher von Gartner auf 78,4 Prozent aller Computer-Telefone Android. Das Erfolgsgeheimnis: Google bietet Android den Geräte-Herstellern kostenlos an und lässt sie die Software auch anpassen. Samsung, HTC, LG, Sony – die meisten Handy-Produzenten setzen auf die Google-Plattform. Der Internet-Konzern will dabei an Werbeeinnahmen verdienen. Allerdings steht Android auch im Visier besonders vieler Patentklagen. Zudem nutzen viele chinesische Hersteller das System, ohne die Google-Dienste einzubinden.

Apple iOS

Smartphones gab es auch schon bevor 2007 das iPhone vorgestellt wurde – doch erst mit dem Apple-Telefon mit seinem großen Bildschirm begann der wirkliche Siegeszug der Computertelefone. Apple hielt mit seiner iOS-Plattform zuletzt laut Gartner 15,6 Prozent am Smartphone-Markt, heimst jedoch einen beträchtlichen Teil der Gewinne ein, da die gesamte Kette von Geräteentwicklung bis hin zum App Store für passende Programme in der Hand des Konzerns liegt. Allerdings hat Samsung mit seiner breiten Produktpalette den Konzern aus Kalifornien inzwischen abgehängt.

Windows Phone

Microsoft würde sein mobiles Betriebssystem Windows Phone gern als dritte starke Kraft im Smartphone-Geschäft etablierten, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Bündnis mit dem einstigen Handy-Weltmarktführer Nokia soll es richten, die Finnen installieren die Software auf ihren Smartphones und wollen die Gerätesparte ganz an Microsoft verkaufen. 2013 stieg der Marktanteil von 2,5 auf 3,2 Prozent – damit ist zumindest Blackberry abgehängt.

Blackberry

Lange Zeit war Blackberry Managers Liebling – doch diese Zeiten sind vorbei. Die Verkaufszahlen sind 2013 abgestürzt, der Marktanteil ist auf 1,9 Prozent gefallen. Tendenz: weiter schrumpfend.

Sonstige Betriebssysteme

Für den Rest bleibt nicht viel übrig: Betriebssysteme wie das von Samsung entwickelte Tizen oder Firefox OS kamen 2013 zusammen auf nur 0,9 Prozent.

Der Umsatz übertraf sogar etwas die Erwartungen der Analysten. Verglichen mit dem Vorjahresquartal bedeutete das einen Einbruch von 47,2 Prozent. Gemessen am Vierteljahr direkt davor war das Minus mit 4,6 Prozent deutlich moderater.

Auch der Kunden-Abfluss war nicht so stark wie von einigen Marktbeobachtern befürchtet: Die Zahl der Blackberry-Kunden sank um eine Million auf 79 Millionen. Es war allerdings das erste Mal überhaupt, dass die Blackberry-Kundenbasis zurückging. RIM verkaufte im vergangenen Quartal Quartal rund 6,9 Millionen Blackberry-Smartphones und 255 000 Playbook-Tablets, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Research in Motion: RIM präsentiert neues Blackberry-System

Research in Motion

RIM präsentiert neues Blackberry-System

Mit der neuen Technologie will der strauchelnde kanadische Konzern die Wende schaffen.

Der aus Deutschland stammende Heins will im Februar das nächste Betriebssystem Blackberry 10 mit neuen Geräten auf den Markt bringen. Mit der mehrfach verzögerten Software verbindet RIM die Hoffnung, Anschluss an die erfolgreicheren Rivalen Samsung und Apple zu finden. Die neuen Smartphones würden derzeit von rund 150 Mobilfunk-Betreibern getestet, sagte Heins. RIM hofft, mit dem neuen System auch Unternehmen und Behörden als Kunden zu behalten, die zuletzt immer häufiger unter anderem zu Apples iPhones wechselten.

Die Blackberrys von RIM (Research In Motion) waren einst sehr populär, doch das kanadische Unternehmen ignorierte zu lange den Trend zu Touchscreens und war zu langsam bei der Weiterentwicklung der Software. Als Folge schmolzen die Marktanteile dahin. Zum Vergleich: Apple verkaufte auch im letzten Quartal vor dem Start des mit Spannung erwarteten iPhone 5 mehr als 26 Millionen seiner Smartphones, Samsung kommt auf mehr als 50 Millionen Computer-Handys pro Vierteljahr.

Nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres steht RIM mit 744 Millionen Dollar in den roten Zahlen im Vergleich zu einem Gewinn von 1,29 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz sackte um 41 Prozent auf knapp 8,4 Milliarden Dollar ab.

Von

dpa

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