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24.02.2016

16:38 Uhr

Blackberry

Die neue Beraterkarriere

VonChristof Kerkmann

Es geht auch ohne Tasten: Blackberry gründet eine Beratungsgesellschaft. Sie soll Kunden dabei helfen, sich gegen Cyberattacken zu schützen – auch wenn sie keine Geräte des kanadischen Konzerns nutzen.

Die Vergangenheit, aber nicht die Zukunft: Blackberry setzt inzwischen auf Software statt Hardware. Reuters

Blackberry-Chef John Chen

Die Vergangenheit, aber nicht die Zukunft: Blackberry setzt inzwischen auf Software statt Hardware.

Blackberry ist dafür bekannt, die Handys mit dem Beerenlogo gründlich abzusichern. Doch weil sie trotzdem kaum noch jemand kaufen will, macht der kanadische Konzern aus der Not eine Tugend – und vermarktet sein Wissen über IT-Sicherheit in einer neuen Sparte: Unter dem Namen Professional Cybersecurity Services berät er Firmen und überprüft deren Systeme auf Schwachstellen. „Immer mehr Kunden fragen danach“, sagt Vorstand Marty Beard am Mittwoch auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona. „Das ist eine große Chance für uns.“

Blackberry als Berater: Der Schritt ist Teil einer großen Neuausrichtung. Das Unternehmen konzentriert sich seit dem Amtsantritt von Vorstandschef John Chen auf Software, etwa zur Verwaltung und Absicherung von mobilen Geräten aller Hersteller oder Autos. Die Hardwareherstellung, mit der Blackberry bekannt geworden ist, ist nur noch eines von vier Geschäftsfeldern und steht auf dem Prüfstand: Wenn sie nicht profitabel arbeite, müsse man über einen Ausstieg nachdenken, sagte Chen im vergangenen Herbst. Mindestens fünf Millionen Geräte pro Jahr müsse die Firma verkaufen.

In der neuen Beratungssparte geht die britische Firma Encription Limited auf, die Blackberry für eine nicht bezifferte Summe übernommen hat. Zu ihrer Expertise zählen Penetrationstests, bei denen Hacker mit simulierten Angriffen IT-Systeme auf Schwachstellen überprüfen. Dabei sei sie auf Autos und das Internet der Dinge – also vernetzte Gegenstände – fokussiert. In der neuen Einheit arbeiten mehr als 60 Mitarbeiter.

Die neue Beratungssparte soll Kunden helfen, Bedrohungen zu erkennen, Abwehrstrategien zu entwickeln und Schutzsysteme zu installieren. Zu den finanziellen Erwartungen äußerten sich die Manager nicht, weil die Vorlage der Quartalszahlen kurz bevorsteht. Experten taxieren den Markt für die Beratung in Sachen IT-Sicherheit auf 16,5 Milliarden Dollar pro Jahr.

Hoffnungen setzt Blackberry außerdem auf das Internet der Dinge, also vernetzte Gegenstände – vor allem das Auto rückt der kanadische Konzern dabei in den Mittelpunkt. „Die Zahl der vernetzten Geräte explodiert“, sagte Beard. Die Firmen benötigten Software zur sicheren Verwaltung der Hardware. „Wir nutzen unser Erbe in Sachen Sicherheit“, sagte Beard. Es handelt sich allerdings um ein Feld, in dem die Konkurrenz groß ist, auch Firmen wie VM Ware bieten solche Systeme an.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Neue Geräte stellte das Unternehmen nicht vor. Auf der CES im Januar hatte es angekündigt, in diesem Jahr zwei Produkte auf den Markt zu bringen, beide mit dem Betriebssystem Android.

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