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05.07.2016

17:18 Uhr

Blackberry dünnt Modellpalette aus

Traditionsmodell „Classic“ fliegt aus dem Angebot

Der angeschlagene Smartphone-Hersteller Blackberry streicht ein weiteres Modell von seiner Angebotsliste: Mit dem „Classic“ fliegt ein Modell aus der Palette, das den Handy-Pionier einst erfolgreich machte.

Mit dem „Classic“ orientierte sich Blackberry an früheren Erfolgen – vor allem die Tastatur sorgt für Wiedererkennungswert bei Kunden, die die älteren Modelle schätzen. dpa

Modell „Classic“

Mit dem „Classic“ orientierte sich Blackberry an früheren Erfolgen – vor allem die Tastatur sorgt für Wiedererkennungswert bei Kunden, die die älteren Modelle schätzen.

WaterlooDer schwer unter Druck geratene Smartphone-Pionier Blackberry dünnt seine Modellpalette weiter aus. Das Tastatur-Modell „Classic“, das sich bei der Bedienung stark an alten Blackberry-Geräten orientierte, wird eingestellt. Das „Classic“ habe die durchschnittliche Lebenszeit eines Smartphones im heutigen Markt weit überschritten, schrieb Gerätechef Ralph Pini in einem Blogeintrag am Dienstag.

Vor gut zwei Jahren hatte Firmenchef John Chen noch groß auf das günstige Tastatur-Modell gehofft, um die Talfahrt von Blackberry im Smartphone-Markt aufzuhalten. Dafür setzte er damals unter anderem den Modell-Namen „Classic“ statt der geplanten Bezeichnung Q20 durch.

Doch Blackberry verlor nur noch weiter an Boden in dem Geschäft. Zuletzt war der Marktanteil auf lediglich 0,2 Prozent geschrumpft. Im vergangenen Geschäftsquartal setzte Blackberry noch 500.000 Smartphones zu einem Durchschnittspreis von 290 Dollar ab.

Der Blackberry-Chef hatte wiederholt gesagt, er werde aus dem Smartphone-Geschäft aussteigen, wenn es nicht gelingen sollte, mit den Geräten Geld zu verdienen. Bei Vorlage von Quartalszahlen vor knapp zwei Wochen bekräftigte Chen zugleich, er sei noch zuversichtlich, das dies zu schaffen sei. Der Konzern will im laufenden Jahr mindestens zwei neue Smartphones mit dem Google-System Android auf den Markt bringen. Schon sei einiger Zeit wird spekuliert, das hauseigene Betriebssystem Blackberry 10 dürfte eingestellt werden.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Von

dpa

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