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02.07.2012

09:51 Uhr

Blackberry-Hersteller RIM

Kanadas Aushängeschild im freien Fall

VonGerd Braune, Axel Postinett

Kanada trauert um seine „nationale Ikone“. Der Blackberry-Hersteller kämpft mit einem massiven Quartalsverlust und dem Absatz-Kollaps. Dass das Unternehmen noch die Wende schaffen kann, glaubt kaum noch jemand.

Mit den aktuellen Modellen hat RIM keine Chance mehr gegen Apples iPhone, Reuters

Mit den aktuellen Modellen hat RIM keine Chance mehr gegen Apples iPhone,

Ottawa/San FranciscoDie Angst geht um in Waterloo. Research in Motion und sein Blackberry waren für Kanada der Beweis, dass es mehr zu bieten hat als Wälder und solide Banken. Aber die „nationale Ikone“ befindet sich im freien Fall, die Kunden laufen weg, der Umsatz kollabiert, 33 Prozent der Arbeitsplätze werden gestrichen. Die Zweifel, dass RIM überleben könne, mehren sich. Stellungnahmen kanadischer Politiker klingen schon fast wie ein Nachruf. Bittere Erinnerungen an den kanadischen Telekom- und Internet-Ausrüsters Nortel aus Toronto werden wach, der 2009 eine der größten Insolvenzen der Telekom-Industrie hingelegt hatte.

„Offen gesagt, ich glaube es ist vorbei.“ Hedge-Fonds-Manager Vic Alboini hat nach der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen die Hoffnung praktisch aufgegeben. Für ihn ein schwerer Schlag, mit unter zehn Prozent ist seine Gruppe größter Einzelaktionär in RIM, und sein Investment schwindet dahin.

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Die Aktie von RIM, die im Juni 2008 bei 150 Dollar notiert hatte, verlor am Freitag fast 20 Prozent und schloss in New York mit 7,39 Dollar. Am Donnerstag war nach Börsenschluss ein Quartalsverlust nach Bilanzstandard GAAP von netto 518 Millionen Dollar bekanntgegeben worden, weit schlimmer als erwartet. Rund 5000 Mitarbeiter müssen gehen. Der Umsatz war im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar weggebrochen.

Wurden im Vorjahr noch 13,2 Millionen Blackberrys verkauft, waren es jetzt nur noch 7,8 Millionen und es gibt keine Hoffnung auf Besserung: Die schlimmste Nachricht, die CEO Thorsten Heins übermittelte, war die erneute Verzögerung beim Betriebssystem Blackberry 10, mit dem die Wende geschafft werden soll: Es wird nicht im Herbst, sondern erst Anfang 2013 auf den Markt kommen. Die technischen Probleme sind größer als erwartet, räumt Heins ein.

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Mit den aktuellen Modellen, da sind sich alle Marktbeobachter einig, hat RIM aber keine Chance mehr gegen Apples iPhone, von dem im Herbst eine neue Version erwartet wird, oder Geräte mit Googles Betriebssystem Android. Der Abwärtstrend wird also anhalten. Quartalszahlen und Verzögerung bei Blackberry 10 bezeichnen Analysten wie Kris Thompson von National Bank Financial als „nicht weniger als ein komplettes Desaster“.

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