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27.09.2012

13:42 Uhr

Blackberry-Hersteller

RIM-Manager rocken im Web-Video

VonTina Halberschmidt

Mit einem Video, in dem drei hochrangige Manager eine Rockband mimen, möchte sich Blackberry-Hersteller RIM bei seinen Entwicklern bedanken und Optimismus versprühen. Im Netz kommt der Clip aber nicht überall gut an.

DüsseldorfGuck mal, wer da singt: In einem eigens produzierten Video, das vor wenigen Tagen bei YouTube hochgeladen wurde, zeigen sich Christopher Smith, Martyn Mallick und Alec Saunders, alle drei Vorstandsmitglieder des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM), von einer ziemlich überraschenden Seite: Smith, Mallick und Saunders, ihres Zeichens Vizepräsident Anwenderplattformen beziehungsweise Vizepräsident für Globale Zusammenarbeit und Weiterentwicklung und Vizepräsident der Entwicklungsabteilung präsentieren sich nämlich als waschechte Boy-Band.

Mit E-Gitarre, Keyboard und Mikro ausgestattet, spielen und covern sie den 80er-Jahre-Song „Keep on loving you” von „REO Speedwagon“. Stilecht in und vor einem alten Hangar, mit grellem Bühnenlicht und einem Hauch von Rockstar-Coolness im Gesicht.

Alec Saunders im Jahre 2010 bei der „Blackberry 10 Jam World Tour“. dapd

Alec Saunders im Jahre 2010 bei der „Blackberry 10 Jam World Tour“.

Für das Video, das während der Developer-Konferenz „Blackberry Jam Americas“ vorgestellt wurde und ein Dankeschön an alle Entwickler sein soll, wurden die Lyrics extra umgedichtet. Man mache gerade schwere Zeiten durch, aber der Launch des Blackberrys 10 stehe kurz bevor, auch wenn sich viele fragen würden, wann das neue Phone endlich auf den Markt komme, heißt es da sinngemäß. („We’ve all seen these are challenging times, baby. Cuz we’re in transition. (…) So don’t be misled, the launch is just ahead. We’ll have Blackberry 10 (...) and though I know you’re all wondering „when?” it won’t be forever.”)

Tatsächlich hatte RIM den Verkaufsstart für das Blackberry 10 von Ende 2012 auf Anfang 2013 verschieben müssen. Und nicht nur das: Der kanadische Konzern ist in den vergangenen Jahren insgesamt arg ins Straucheln geraten. Konkurrenten wie Apple, Samsung oder Nokia machen RIM das Leben so schwer, dass im Juni dieses Jahres sogar massive Stellenstreichungen angekündigt wurden.

Das professionell produzierte Hochglanz-Video mit Playback-Charme soll da wohl als kleines, aber kreatives und selbstironisches Lebenszeichen verstanden werden, Selbstbewusstsein demonstrieren und Optimismus versprühen.

Android, Apple und die anderen

Android

Das Google-Betriebssystem ist in wenigen Jahren zur meistgenutzten Plattform im Smartphone-Markt aufgestiegen. 2013 lief nach Zahlen der Marktforscher von Gartner auf 78,4 Prozent aller Computer-Telefone Android. Das Erfolgsgeheimnis: Google bietet Android den Geräte-Herstellern kostenlos an und lässt sie die Software auch anpassen. Samsung, HTC, LG, Sony – die meisten Handy-Produzenten setzen auf die Google-Plattform. Der Internet-Konzern will dabei an Werbeeinnahmen verdienen. Allerdings steht Android auch im Visier besonders vieler Patentklagen. Zudem nutzen viele chinesische Hersteller das System, ohne die Google-Dienste einzubinden.

Apple iOS

Smartphones gab es auch schon bevor 2007 das iPhone vorgestellt wurde – doch erst mit dem Apple-Telefon mit seinem großen Bildschirm begann der wirkliche Siegeszug der Computertelefone. Apple hielt mit seiner iOS-Plattform zuletzt laut Gartner 15,6 Prozent am Smartphone-Markt, heimst jedoch einen beträchtlichen Teil der Gewinne ein, da die gesamte Kette von Geräteentwicklung bis hin zum App Store für passende Programme in der Hand des Konzerns liegt. Allerdings hat Samsung mit seiner breiten Produktpalette den Konzern aus Kalifornien inzwischen abgehängt.

Windows Phone

Microsoft würde sein mobiles Betriebssystem Windows Phone gern als dritte starke Kraft im Smartphone-Geschäft etablierten, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Bündnis mit dem einstigen Handy-Weltmarktführer Nokia soll es richten, die Finnen installieren die Software auf ihren Smartphones und wollen die Gerätesparte ganz an Microsoft verkaufen. 2013 stieg der Marktanteil von 2,5 auf 3,2 Prozent – damit ist zumindest Blackberry abgehängt.

Blackberry

Lange Zeit war Blackberry Managers Liebling – doch diese Zeiten sind vorbei. Die Verkaufszahlen sind 2013 abgestürzt, der Marktanteil ist auf 1,9 Prozent gefallen. Tendenz: weiter schrumpfend.

Sonstige Betriebssysteme

Für den Rest bleibt nicht viel übrig: Betriebssysteme wie das von Samsung entwickelte Tizen oder Firefox OS kamen 2013 zusammen auf nur 0,9 Prozent.

Doch im Netz kommt der ungewöhnliche Auftritt der drei RIM-Führungskräfte bei den meisten nicht gut an. Der Clip stelle jeden noch so pathetischen und peinlichen Beitrag „selbst von Microsoft“ in den Schatten, kommentiert ein Nutzer bei YouTube. Das Video sei einfach nur traurig und mache deutlich, in welcher verzweifelten Situation man sich befinde. Ein anderer erklärt, nach diesem Song würde er sein Blackberry wegwerfen, wenn er eines besäße. Ein weiterer bemerkt ironisch, Smith, Mallick und Saunders seien bessere Musiker als Firmenchefs.

RIM selbst jedenfalls versucht derzeit nicht nur via YouTube, die eigenen Entwickler bei der Stange zu halten. Im hauseigenen Developer-Blog werden gerade die treusten Entwickler mit Foto und Namen vorgestellt, auf dem Twitter-Entwickler-Account nach der persönlichen Motivation der RIM-Developer gefragt. Und „Frontmann“ Alec Saunders zwischerte unlängst: „I believe in Blackberry 10 because RIM believes in developers!“

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