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30.09.2011

15:23 Uhr

Blackberry-Hersteller RIM

Untergang befeuert

Der kanadische Blackberry-Hersteller RIM müht sich seit Monaten vergebens ab, seine Absatzzahlen wieder auf Kurs zu bringen. Mit dem neuen Amazon-Tablet Kindle Fire kommt alles noch schlimmer.

RIM-Chef Mike Lazaridis hält den Tablet-PC Playbook in der Hand. dapd

RIM-Chef Mike Lazaridis hält den Tablet-PC Playbook in der Hand.

San Francisco/Waterloo/DüsseldorfWeiter hätten Anspruch und Wirklichkeit kaum auseinander liegen können. „Wir sind weltweit sehr erfolgreich“, ließ der Vorstandschef des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM), Mike Lazardis im Frühjahr dieses Jahres verlauten. „Wir sind ein Produkt mit Kultcharakter“. 

Der Blackberry, ein Kultprodukt? Das war einmal, die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Während es der Konkurrenz offenbar gelingt, in Konsumenten die Vorstellung zu wecken, Besitzer von iPhones oder iPads sind nicht nur beruflich erfolgreich, sondern gleichzeitig auch kreativ und vielseitig interessiert, gelten die Produkte aus dem Hause RIM als die Effizienzmaschinen trister Zahlenjongleure. Schwarzbrot also.

Wer den Markt der Smartphones regiert

Apple

Platz 1: Mit einem Marktanteil von 18,4 Prozent führte Apple im zweiten Quartal des Jahres den Smartphone-Markt an. Insgesamt 20, 34 Millionen Smartphones lieferte der Hersteller in diesem Zeitraum an den weltweiten Handel. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von über neun Prozent. Verglichen mit dem Vorjahr konnte Apple damit sogar eine Steigerung von über 140 Prozent erzielen.

Samsung

Platz 2: Direkt hinter Apple reiht sich der südkoreanische Rivale Samsung mit einem Marktanteil von 17,8 Prozent ein. Insgesamt 19,6 Millionen Smartphones brachten die Koreaner im zweiten Quartal in den weltweiten Handel. Damit hat sich der Hersteller selbst übertroffen: Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von fast 56 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist das sogar eine 600-prozentige Steigerung.

Nokia

Platz 3: Mit einem Marktanteil von 15,1 Prozent hat es Nokia trotz der Verluste bei den Smartphones im zweiten Quartal noch unter die drei Besten geschafft. 16,7 Millionen Modelle lieferte der Hersteller aus - das sind 31 Prozent weniger als noch im ersten Quartal.

RIM

Platz 4: Ebenfalls Verluste machte RIM im zweiten Quartal des Jahres. Mit 13,2 Millionen ausgelieferten Smartphones erreichte der Hersteller einen Marktanteil von 12 Prozent, musste im Vergleich zum Quartal zuvor aber einen Rückgang von fast 11 Prozent in Kauf nehmen.

HTC

Platz 5: Der Marktanteil der HTC-Smartphones lag im zweiten Quartal bei 10,8 Prozent. Insgesamt fast 12 Millionen Modelle brachte der Hersteller in den Handel und steigerte damit sein Ergebnis aus dem Quartal zuvor um fast 25 Prozent.

Motorola

Platz 6: Motorola-Smartphones erreichten im zweiten Quartal einen Marktanteil von 4 Prozent. 4,4 Millionen Modelle brachte der Hersteller in diesem Zeitraum in den weltweiten Handel und steigerte sein Ergebnis aus dem ersten Quartal damit um mehr als sieben Prozent.

Sharp

Platz 7: Der japanische Elektronikkonzern Sharp hat mit 1,48 Millionen ausgelieferten Smartphones im zweiten Quartal einen Marktanteil von 6,8 Prozent erreicht. Im Vergleich zum ersten Quartal konnte der Konzern sein Ergebnis um 1,3 Prozent steigern.

Andere

Unter ferner liefen: Alle anderen, weniger nennenswerten Hersteller machten im zweiten Quartal mit rund 22,7 Millionen ausgelieferten Smartphones zusammengenommen einen Marktanteil von 20,6 Prozent aus. Im Vergleich zum Quartal zuvor entspricht das einer Steigerung von fast 31 Prozent. Betrachtet man den gesamten Markt, so wurden im zweiten Quartal weltweit über 1,1 Milliarden Smartphones der verschiedenen Hersteller ausgeliefert. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von 7,5 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist es sogar eine Steigerung um rund 82 Prozent.

Ein Ruf, der die Verkaufszahlen einbrechen lässt. In atemberaubendem Tempo verdrängt Apples iPhone in aller Welt den Blackberry aus den Sakkotaschen der Manager. Obwohl der Smartphone-Markt rasant wächst, fällt der einstige Pionier immer weiter zurück. Im Quartal Juni bis August lieferte RIM 1,5 Millionen Geräte weniger aus als im Vorjahreszeitraum – und Apple verkaufte mit 20,3 Millionen iPhones fast das Doppelte. Das Marktforschungsunternehmen IDC rechnet bislang damit, dass der Marktanteil von Blackberrys weiter fällt von in diesem Jahr noch 14,2 Prozent auf 13,4 Prozent im Jahr 2015.

Ein Feuerwerk neuer Modelle soll den Untergang stoppen. Anfang August überraschte RIM mit gleich fünf neuen Smartphone-Modellen. Bei den Geräten setzt der Hersteller auf die beliebten Touchscreen-Displays. Auch zwei neue Modelle der Klassikerbaureihe Bold werden mit berührungsempfindlichen Bildschirmen ausgestattet, sie behalten aber gleichzeitig ihre bekannte physische Tastatur. Hinzu kommen drei neue Torch-Modelle, zweimal mit reinem Touchscreen-Display, einmal zusätzlich mit ausschiebbarer Tastatur.

Allerdings werden auch die jetzt vorgestellten Geräte von dem in die Jahre gekommenen Blackberry-Betriebssystem angetrieben. RIM verspricht aber Detailverbesserungen wie ein schnelleres Surfen im Web. Spätere Modellgenerationen sollen einmal vom leistungsfähigeren Betriebssystem QNX angetrieben werden.
Die neuen Blackberrys sind seit kurzem im Handel. Damit besitzt RIM gegenüber Apple einen Zeitvorteil: Das iPhone 5 wird erst ab Mitte Oktober verkauft. Zumindest zwei der neuen RIM-Geräte verfügen wie das iPhone über ein Gehäuse aus gebürstetem Edelstahl. Ob damit der Einstieg in den Massenmarkt gelingt, ist allerdings fraglich.

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