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28.03.2013

17:28 Uhr

Blackberry

Mit Optimismus gegen Samsung und Apple

VonChristof Kerkmann

Blackberry redet sich selber stark: Der kriselnde Smartphone-Hersteller will die abspenstigen Nutzer mit einem neuen Betriebssystem und neuen Geräten gewinnen. Die ersten Zahlen machen Hoffnung – mehr aber auch nicht.

Hoffnungsträger: Blackberry-Chef Thorsten Heins setzt alles auf den Erfolg der neuen Geräte. dpa

Hoffnungsträger: Blackberry-Chef Thorsten Heins setzt alles auf den Erfolg der neuen Geräte.

DüsseldorfZahlen und Worte wollten nicht recht zusammenpassen. Der kriselnde Smartphone-Hersteller Blackberry, früher als Research in Motion bekannt, verschaffte sich mit einem strikten Sparkurs zwar etwas Luft, doch die Verkäufe brachen im letzten Quartal ein. Trotzdem klang Firmenchef Thorsten Heins am Donnerstag bei der Vorstellung der Bilanz fast so, als sei das Unternehmen zu alter Stärke zurückgekehrt.

Das erste Smartphone mit dem neuen Betriebssystem? „Unsere Kunden lieben das Gerät.“ Die ersten Verkäufe? Stark. Und die Zukunft? „Unsere Vision ist, von einem Smartphone-Hersteller zu einem führenden Anbieter in Sachen mobile Computer zu werden“, sagte er. Kein Wort zu Übernahmegerüchten.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Heins' demonstrativer Optimismus kommt nicht von ungefähr. Blackberry hat vor einigen Wochen erste Geräte mit seinem neuen Betriebssystem vorgestellt. Jetzt brauchen die Kanadier positive Schlagzeilen, um die Marke wieder bekannt zu machen und die enttäuschten Nutzer wieder zu Fans. Ob der positive Ausblick begründet ist, muss das Unternehmen allerdings noch beweisen. Die ersten Quartalszahlen nach dem Start der Plattform machen Hoffnung – mehr aber auch nicht.

Von Dezember bis Ende Februar verkaufte der Hersteller sechs Millionen Geräte und damit deutlich weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Allerdings musste er sich auch noch weitgehend auf seine alten Modelle stützen – das neue Z10 kam erst im Februar und nur in einigen Ländern auf den Markt. Immerhin eine Million Smartphones der neuen Generation setzte der Hersteller ab. Weil sich die alten Geräte deutlich schlechter verkauften, brach der Umsatz jedoch um 44 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar ein. Ein Gewinn von 98 Millionen Dollar blieb nur dank eines strikten Sparkurses übrig.

Doch es ist noch deutlich zu früh, um aus den Verkaufszahlen einen nachhaltigen Trend abzulesen. Die ersten Erfolgsmeldungen aus Kanada und Großbritannien seien zwar ermutigend, sagte der Analyst Michael Morgan von ABI Research. Aber: „Ich glaube, dass ein Erfolg im US-Markt notwendig ist, damit das Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit der Blackberry-10-Plattform beweisen kann.“ Gerade hier sind die ersten Anzeichen allerdings nicht ermutigend. Goldman Sachs beobachtete laue Nachfrage und wenig Unterstützung vom Mobilfunker AT&T.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

28.03.2013, 17:44 Uhr

"Blackberry redet sich selber stark: Der kriselnde Smartphone-Hersteller will die abspenstigen Nutzer mit einem neuen Betriebssystem und neuen Geräten gewinnen."

Mehr bleibt ihm auch nicht übrig....RIP

Rohling

29.03.2013, 05:37 Uhr

Wurde das HB fuer diesen miesen Beitrag von Apple und Samsung gesponsert? Die iPhone Benutzer kleben am Trend, nicht an der Qualitaet! Das iPhone ist eine Katastrophe in Bezug auf Telefonie. Aber fuer die meisten Benutzer ist das iPhone nur eine Spielkonsole.

FMS

29.03.2013, 21:28 Uhr

An alle Zweifler ... Totgesagte leben länger!!! :-) BlackBerry war noch nie weg vom Fenster und wird auch nicht verschwinden! Weil ihr OS einfach gut ist und stabil läuft... das war schon immer so. Auch OS7 lief stabil... hatte nicht die Spielereien, die heute von einem Smartphone verlangt werden. Aber man konnte damit gut arbeiten! Das macht ein Smartphone aus, sonst sollte man sich eine Spielekonsole kaufen! :-) ... Aber glücklicherweise kann das das neue Z10 jetzt auch :-)

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