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07.01.2014

19:06 Uhr

Blackberry

Rückschritt nach vorne

Blackberry steht vor einem Neuanfang. Statt modernen Touchscreens und aufwändigen Programmen will der Smartphone-Hersteller bei seinen ehemaligen Stammkunden punkten – mit einer echten Tastatur.

BlackBerry Q10: Der Smartphone-Hersteller will wieder bei seiner alten Stammkundschaft punkten. ap

BlackBerry Q10: Der Smartphone-Hersteller will wieder bei seiner alten Stammkundschaft punkten.

Las VegasDer neue Blackberry-Chef John Chen will den angeschlagenen Smartphone-Pionier mit einem Fokus auf Firmenkunden, günstige Handys für Asien und vernetzte Technik retten. „Es wird schwierig, aber wir können es schaffen“, sagte Chen am Dienstag auf der Elektronik-Messe CES in Las Vegas. Es werde aber einige Zeit dauern: Chen rechnet, dass Blackberry erst 2016 wieder Gewinn schreiben wird.

Zuallererst wolle er sich auf die 80.000 Unternehmenskunden konzentrieren, sagte Chen. Zugleich solle im Rahmen der neuen Partnerschaft mit dem Auftragsfertiger Foxconn ein günstiges Telefon für Asien mit einem Preis von weniger als 200 Dollar entwickelt werden. Das Betriebssystem QNX, das die Basis der Blackberry-Software bildet, will Chen aggressiv in der Kommunikation zwischen vernetzten Geräten etablieren.

Doch der größte Schritt nach vorne könnte eine Rolle rückwärts sein: Zukünftige Modelle sollen wieder „überwiegend“ mit einer Tastatur statt eines Touchscreens ausgestattet sein. „Ich persönlich liebe Tastaturen“, sagte Chen auf der CES. Diese Neuausrichtung zielt auf die Blackberry-Kunden, die einst den frühen Erfolg des Smartphone-Pioniers anheizten: Diejenigen Nutzer, die echten Tastaturen bevorzugen, weil sie es leichter machen, viele Mails zu schreiben.

Der globale Smartphone-Markt

Gesamtmarkt

Von Juli bis September 2013 wurden nach Zahlen des Marktforschers Gartner weltweit etwa 456 Millionen Mobiltelefone verkauft, knapp 5,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon waren 250 Millionen Smartphones – damit verkauften die Hersteller mehr Handy-Computer (55 Prozent) als einfache Mobiltelefone.

Platz 5

Auf Rang fünf vorgeschoben hat sich der chinesische Hersteller Huawei. Im zweiten Quartal 2013 hatten den Rang noch der Konkurent ZTE belegt. Huawei verkaufte 11,7 Millionen Smartphones (Marktanteil 4,7 Prozent).

Platz 4

Der südkoreanische Hersteller LG Electronics verkaufte 12,1 Millionen Smartphones, der Markanteil liegt bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 18 Millionen Geräte (4,0 Prozent Marktanteil).

Platz 3

Lenovo ist bislang vor allem vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte von Juli bis September 2013 12,8 Millionen Smartphones (5,1 Prozent globaler Marktanteil).

Platz 2

Apple war im dritten Quartal 2013 mit etwas mehr als 30 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei, der Marktanteil bei Smartphones rutschte jedoch in Erwartung neuer Modelle von 14,3 Prozent im Vorjahreszeitraum auf rund 12,1 Prozent ab.

Platz 1

Nach Stückzahlen ist Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im dritten Quartal 2013 nach Schätzungen Gartners über 80 Millionen Computer-Handys. Damit kam nahezu jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung. Insgesamt setzte der Konzern 117 Millionen Handys ab und baute seinen Marktanteil damit von 22,7 Prozent im Vorjahr auf 25,7 Prozent aus.

Das erste Gemeinschaftsprodukt mit Foxconn wird zwar vermutlich eines mit Touchscreen sein, doch langfristig wird die Tastatur bei Blackberry das Sagen haben. Um zu zeigen, wie ernst es dem Unternehmen mit dem Neuanfang ist, hat es auch gleich die Konkurrenz verklagt. Der Hersteller des „Typo Keyboard“, einer Ansteck-Tastatur für das iPhone, wird bald Post von Chens Anwälten erhalten – das Zubehör ähnele zu stark den Blackberry-Produkten.

Blackberry hatte in den vergangenen Jahren massiv Marktanteile verloren und konnte auch mit neuen Smartphones bisher nicht mit Googles Android-Plattform und Apples iPhones mithalten. Im vergangenen Quartal hatten massive Abschreibungen und maue Verkäufe Blackberry einen Rekordverlust von 4,4 Milliarden Dollar eingebrockt. Durch die Produktions-Partnerschaft mit Foxconn werde es in Zukunft keine solchen Abschreibungen auf nicht abgesetzte Geräte mehr geben, betonte Chen.

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