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22.04.2011

12:55 Uhr

Blackstone

Das Leiden mit dem Telekom-Investment

VonWolfgang Reuter

Nicht nur viele Privatanleger hadern mit ihrem Einstieg bei der Deutschen Telekom. Auch der Finanzinvestor Blackstone konnte sich nie richtig durchsetzen.

Am Anfang war der Jubel groß: Es sei ein "guter Tag für die Telekom und ein guter Tag für ihre vielen Aktionäre", erklärte der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zum Einstieg des US-Finanzinvestors Blackstone bei der Deutschen Telekom. Analysten feierten die Nachricht, der Kurs legte in froher Erwartung rosiger Zeiten zeitweise um knapp fünf Prozent zu. Blackstone werde, so die Einschätzung, langfristig den Unternehmenswert steigern.

Ein bisschen erinnerte der Beginn der Partnerschaft an einen Kultfilm aus den 70er-Jahren. Hier der dynamische Investor, symbolisiert durch den 18-jährigen Harold - und dort, als Bild für den ehrwürdigen Staatskonzern, die 79-jährige Maude. "Harold und Maude" - das ist die Geschichte einer kurzen, ungewöhnlichen Beziehung, in deren Verlauf die beiden Liebenden zunächst aufblühen.

Ebenso ein Aufblühen hatte sich der Bund als größter Anteilseigner, vertreten durch die damalige Bundesregierung, auch für die Telekom erhofft. Die Regierung hatte Blackstone nach dem jähen Absturz der Volksaktie von über 100 auf rund 14 Euro ganz bewusst als "Agent des Wechsels" angeworben. Gewissermaßen als Heuschrecke mit Mission sollte Blackstone mithelfen, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen.

Der Zauber des Anfangs, das Aufblühen währte nicht lange. Heute, fünf Jahre später, überwiegt die Ernüchterung. Die T-Aktie ist auf etwa elf Euro gesunken. Blackstone ist unzufrieden und wartet auf einen günstigen Zeitpunkt für den Ausstieg.
Einerseits ist das eine gute Nachricht - auch weil sie nicht ins Klischee passt: Der deutsche Konzern trotzt den rauen Sitten eines Finanzinvestors, der nur die Wertsteigerung für die Aktionäre, den "Shareholder-Value" im Blick hat. Und der sich um die Interessen aller anderen Beteiligten, insbesondere um die der Mitarbeiter oder der Kunden, wenig schert.

Andererseits aber ist das Scheitern in jeder Beziehung eine vertane Chance. Blackstone konnte sich mit seinen strategischen Vorschlägen nicht durchsetzen. Sonst wäre T-Mobile, die seit 2009 kriselnde Telekom-Tochter in den USA, schon 2007 an die Börse gebracht worden, und der Konzern hätte sich nicht auf sein teures Abenteuer in Griechenland eingelassen. Beide Projekte kosten viel Geld und binden Managementkapazitäten. Deshalb stehen sie einer Erneuerung des Konzerns im Weg.
Warum ist das Engagement nicht gutgegangen? Der Finanzinvestor hat sich und seine Möglichkeiten wohl überschätzt - denn mit 4,5 Prozent und einem Sitz im Aufsichtsrat lässt sich ein Konzern nicht umkrempeln. Und die Telekom war wohl zu wenig bereit, sich auf neue Ideen einzulassen.

Die Trennung des ungewöhnlichen Paares ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Blackstone wird sich dann nach einer neuen, gewinnträchtigeren Anlage umgucken. Die Telekom aber muss allein zusehen, wie sie angesichts branchenfremder Konkurrenz von Google, Facebook & Co. sowie ständig sinkender Preise klarkommt. Erst kürzlich hat der Konzern deshalb seine Strategie geändert: Renditeschwache Aktivitäten stößt er nun konsequent ab.

Bleibt die Frage, ob sich der Konzern auf diese Weise gesundschrumpft oder letztlich zu Tode saniert. Einige Branchenexperten erwarten jedenfalls, dass sich die Telekom ständig verkleinert, ohne neue, zukunftsträchtige Geschäfte zu entwickeln - und irgendwann zerschlagen wird.

Im letzteren Fall gebe es eine weitere, sehr traurige Parallele zu Maude: Sie nimmt sich am Schluss das Leben.

Der Autor leitet das Unternehmensressort.

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