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23.07.2013

04:40 Uhr

Börsenabgang

Michael Dell erhöht Druck auf Anleger

VonPetrina Engelke

Mit Hilfe eines Investors will Michael Dell sein Unternehmen von der Börse nehmen. Darüber sollen die Anleger am Mittwoch abstimmen. Die Wahler dürfte knapp für Dell werden. Doch der Unternehmer hat eine Idee.

Firmengründer Michael Dell lässt nichts unversucht, um Anleger von seinem Angebot zu überzeugen. ap

Firmengründer Michael Dell lässt nichts unversucht, um Anleger von seinem Angebot zu überzeugen.

New YorkAm Mittwoch sollen Dell-Anleger über die Zukunft des Unternehmens entscheiden. Zuvor bekommen sie einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge womöglich einen Anruf aus dem Lager des Unternehmensgründers Michael Dell. Er möchte den angeschlagenen Computer- und Druckerhersteller von der Börse nehmen und dann ohne den Druck der Finanzmärkte sanieren.

Doch dafür muss er die Investoren überzeugen. Zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake bietet ihnen Michael Dell 24,4 Milliarden Dollar (18,6 Milliarden Euro) dafür, dass er wieder die Macht in dem Unternehmen bekommt, das er gründete. Zu wenig, finden einige. Rund 22 Prozent des Unternehmens liegen in den Händen von Anlegern, die öffentlich bekundet haben, gegen Dells Vorschlag zu stimmen.

Monatelang hatte Dell versucht, Investoren von den Vorteilen des Deals zu überzeugen. Doch Großinvestoren wie Carl Icahn sträubten sich hartnäckig. Deshalb wurde die Abstimmung, die eigentlich bereits in der vergangenen Woche stattfinden sollte, zunächst vertagt.

Die Geschichte von Dell

Firmengründung

Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.

Erster Computer

1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.

Börsengang

Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.

Erstes Laptop

Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.

Vertrieb übers Internet

Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.

Die Nummer 1

Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.

Der Gründer tritt ab und kehrt zurück

2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.

Der Konsument im Fokus

Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.

Vorstoß ins Service-Geschäft

Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.

Das „Wall Street Journal“ berichtete nun unter Berufung auf informierte Kreise, dass sich Michael Dell in der Zwischenzeit persönlich mit Großanlegern getroffen hat. Zudem habe eine Firma, die auf Stimmrechtsübertragungen spezialisiert ist, im Auftrag der Dell-Spitze bei Einzelanlegern angerufen, die Dell-Papiere in ihrem Portfolio haben.

Hintergrund für diese Kleinarbeit ist unter anderem die Art und Weise, wie die Wahl bei der Hauptversammlung vor sich geht: Nicht abgegebene Stimmen zählen automatisch als „nein“. Dem „Wall Street Journal“ zufolge lag bei der Wahl am letzten Donnerstag für mehr als 20 Prozent der stimmberechtigten Dell-Anteile kein Votum vor.

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