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19.11.2015

07:33 Uhr

Börsengang von Square

Katerstimmung im Silicon Valley

VonBritta Weddeling

An der Wall Street fällt der Bezahldienst Square schon vor Handelsbeginn durch. Schlappe neun Dollar ist eine Aktie wert. Das Vertrauen der Anleger in die Rentabilität privater Tech-Start-ups schwindet.

Der Chef von Twitter und Square hat mit beiden Unternehmen Probleme. Reuters

Jack Dorsey

Der Chef von Twitter und Square hat mit beiden Unternehmen Probleme.

San FranciscoAls hätte der Mann nicht schon genug Probleme. Gerade erst war Jack Dorsey als Chef an die Spitze von Twitter zurückgekehrt. Das von ihm gegründete Unternehmen befindet sich nach Fehlentscheidungen im Management, dem verkrachten Börsengang und schwachem Wachstum tief in der Krise. Nun droht auch Square, seiner zweiten Firma, die Blamage.  

Die Wall Street bewertete den Bezahldienst mit neun Dollar pro Aktie wesentlich schlechter als erwartet. Der Preis lag deutlich unter den veranschlagten 11 bis 13 Dollar und weit entfernt von den 15,4 Dollar pro Aktie, mit dem Dorsey vergangenes Jahr um Investorengelder geworben hatte.  

Bezahlen mit dem Smartphone

In der Warteschleife

Das mobile Bezahlen mit dem Smartphone gilt als der nächste große Trend. Doch noch immer steckt das Verfahren zumindest in Europa weitgehend in der Warteschleife fest. Vielen Verbrauchern sind die Möglichkeiten noch gar nicht bekannt. Um das zu ändern, seien die Anbieter gefragt, meint der IT-Verband Bitkom. Und es müsse das Vertrauen in die Technologie gefördert werden.

Quelle: dpa

Wo kann ich mobil mit dem Smartphone bezahlen?

Dem Branchenverband Bitkom zufolge gibt es deutschlandweit 60.000 Akzeptanzstellen für das mobile Bezahlen mit dem Smartphone. Unter anderem Tankstellen setzen darauf, aber auch große Ladenketten rüsteten zuletzt deutlich auf. Auch Aldi Nord bietet nun in allen seinen 2400 Filialen bundesweit das mobile Bezahlen mit dem Handy an. Beim Discounter Netto können Kunden sogar über die Apple Watch bezahlen.

Welche Hürden gibt es noch?

Als einer der Flaschenhälse galt bislang, dass der Handel nur spärlich mit entsprechenden Terminals ausgerüstet war. Das soll sich jedoch bald ändern, da die Lesegeräte in großem Stil auswechselt werden. Laut Branchenverband Bitkom liegt auch eine Hürde darin, dass die Nutzer über die Möglichkeiten gar nicht ausreichend informiert seien.

Wie funktioniert mobiles Bezahlen?

Das Geld fließt vom Kunden-Smartphone bis zum Händler über viele verschiedene Wege. Anbieter der Transaktion sind Handelsketten, Telekom- und Internet-Unternehmen oder Hardwarehersteller wie Apple. In der Regel muss sich der Nutzer eine entsprechende App herunterladen. Manche Anbieter setzen auf den QR-Code, ein grafisches Quadrat, das ähnlich wie der Barcode funktioniert. Wer etwa an der Kinokasse mit Yapital bezahlen will, scannt mit dem Smartphone den QR-Code. Das Geld wird von einem vorher hinterlegten Guthaben abgebucht. Die meisten Angebote nutzen aber inzwischen den Nahfeldfunk NFC (Near Field Communication).

Wie läuft es mit NFC?

Dabei wird das Smartphone dicht an das Terminal gehalten. Die Transaktion kann auch über die Eingabe einer PIN-Nummer abgesichert werden. Unter anderem der Kreditkartenanbieter Mastercard etwa setzt auf NFC. Die Technologie wird von den meisten aktuellen Smartphones unterstützt, inzwischen auch von den iPhones von Apple. Deren Bezahlfunktion Apple Pay gibt es zwar vorerst nur in den USA, doch Branchenexperten erwarten, dass der Dienst auch in Europa das mobile Bezahlen deutlich in Schwung bringen wird.

Welche Risiken gibt es?

Werden Zahlungen mit persönlichen Daten mobil verschickt, könnten Kriminelle theoretisch an mehreren Stellen den Datenstrom abgreifen. Der Standard NFC gilt aber als besonders sicher, da er zum Beispiel nur über eine sehr geringe Entfernung vom Smartphone zum Terminal funkt. Dabei werden die Daten verschlüsselt. Bei Apple Pay etwa wird zudem der Fingerabdruck des iPhone-Nutzers für die Absicherung genutzt. Sollte das Smartphone geklaut werden, kann auch der Dieb nicht auf das Konto zugreifen. Kreditkartenanbieter sichern die Transaktionen zusätzlich mit einem Verfahren namens Tokenisierung. Die Daten werden damit so verschlüsselt, dass nur die Bank ihren Kunden identifizieren kann.

Dorsey wird die Doppelbelastung als Chef zweier kriselnder Unternehmen zum Verhängnis. Das chaotische Twitter hatte eine halbe Schulklasse an Top-Führungskräften verbrannt und sich anders als Konkurrent Facebook zu lange dagegen gewehrt, ein tragfähiges Geschäftsmodell mit Werbung aufzubauen. Wie Twitter leidet auch Square an schwachem Wachstum und Gewinn.

Der Börsengang von Square galt stets als Test dafür, wie lange Anleger dazu bereit sind, die hohen Bewertungen privat gehaltener Tech-Firmen noch mitzutragen. Die magere Ausbeute von Square zeigt ziemlich eindrücklich: nicht mehr lange. 

Diversity-Debatte in der Tech-Industrie: Weiß, männlich, Silicon Valley

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„Dieser Deal ist repräsentativ für Unternehmen, die nun die Gunst der Investoren verlieren“, kommentierte der Portfolio-Manager Jeremy Abelson von Irving Investors die Square-Bewertung im „Wall Street Journal“. Die Euphorie angesichts der „Einhörner“, wie die um die 140 mit über einer Milliarde bewerteten Tech-Startups im Valley genannt werden, scheint inzwischen mehr als gedämpft. Nach Monaten der Euphorie leidet Silicon Valley an einem ersten Kater.  

Bisher hatten Finanziers phantastische Gelder in Startups wie den Fahrdienst Uber, das Wohnportal Airbnb oder Dropbox, den Anbieter für digitalen Stauraum, gesteckt, die zwar stark wachsen, aber keine Einblicke in ihre Finanzen gewähren oder gar ein tragfähiges Geschäftsmodell präsentieren. Das geht solange gut, wie Anleger und Markt den wohlklingenden Ankündigungen der Firmen-Chefs vertrauen.  

Inzwischen aber warnen selbst Branchenangehörige vor einer Überhitzung des Marktes. Microsoft-Chef Satya Nadella prognostizierte Ende Oktober, nur zehn Prozent der derzeitigen „Einhörner“ werde überleben. „Das Schöne an der Überfinanzierung ist, dass viele Ideen sprießen“, sagte Nadella der Agentur Bloomberg. „Aber es wird zu einer Korrektur, zu einem Platzen, kommen.“

Vielleicht wird sich künftig im Valley aber auch schlicht die Haltung durchsetzen, dass Phantasie-Bewertungen grundsätzlich keine gute Idee sind. „Einhörner“– diese Fabelwesen gibt es überhaupt nicht – außer in der Popkultur. Und selbst dort ist „Das letzte Einhorn“ eben schon dem Namen nach vom Aussterben bedroht. 

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