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14.02.2013

13:12 Uhr

Boom hält an

Smartphones verdrängen Einfach-Handys

VonChristof Kerkmann

Haben Sie schon eines? Smartphones werden in Deutschland immer beliebter. Auch das Geschäft mit mobilen Datendiensten boomt. Trotzdem sind die Netzbetreiber unzufrieden: Sie wettern gegen „überzogene Regulierung“.

In jeder Hand ein Smartphone: Die kleinen Computer werden in Deutschland immer beliebter. AFP

In jeder Hand ein Smartphone: Die kleinen Computer werden in Deutschland immer beliebter.

DüsseldorfSmartphones verdrängen einfache Handys fast vollständig aus dem deutschen Markt. In diesem Jahr erreichen sie nach einer Prognose des Technologie-Branchenverbandes Bitkom einen Marktanteil von 81 Prozent. Herkömmliche Mobiltelefone seien zum Nischenprodukt geworden, sagte Jens Schulte-Bockum, Deutschland-Chef von Vodafone und Präsidiumsmitglied des Bitkom, bei der Vorstellung der Zahlen am Donnerstag: „Mobile Technologie setzt sich auf breiter Front durch.“

Dank des Smartphone-Booms wächst der Markt kräftig. 2013 werden in Deutschland voraussichtlich 34,6 Millionen Mobiltelefone verkauft, ein Plus von 9,3 Prozent. Der Umsatz steigt der Prognose zufolge um ein Fünftel auf 9,2 Milliarden Euro, vor allem dank der hochwertigen Smartphones, die inzwischen 96 Prozent zu den Erlösen beisteuern. Die Zahlen stammen vom Bitkom-eigenen Marktforschungsinstitut Eito.

Die Nachfrage nach den leistungsfähigen Geräten halte den durchschnittlichen Preis fast konstant, sagte Schulte-Bockum – er sinke um nur 10 auf 315 Euro. Große Bildschirme mit hoher Auflösung seien ebenso gefragt wie leistungsstarke Prozessoren. Vor dem Durchbruch stehe der Turbo für die Datenübertragung, LTE: „Alle Top-Geräte seit dem Weihnachtsgeschäft sind LTE-fähig, dieser Trend wird sich 2013 fortsetzen.“

Die größten Handyhersteller

Markt im Wandel

Der Handy-Markt ist im Umbruch: Smartphones verdrängen einfache Mobiltelefone, Samsung gelingt es am besten, sich auf diesen Trend einzustellen. Dagegen kommt kein anderer an – weder Nokia, die einstige Nummer 1, noch Apple mit seinem iPhone.

Samsung

Samsung ist inzwischen mit deutlichem Abstand die Nummer 1: Der südkoreanische Hersteller verkaufte im dritten Quartal 2012 knapp 98 Millionen Geräte, wie der Marktforscher Gartner berichtet. Das entspricht einem Marktanteil von 22,9 Prozent. Auch im lukrativen Smartphone-Markt ist der Konzern gut aufgestellt, er setzte 55 Millionen Geräte ab.

Nokia

Der einstige Weltmarktführer Nokia lässt Federn. Im dritten Quartal 2012 verkaufte er nur noch 82 Millionen Handys (19,2 Prozent Marktanteil). Im Vorjahreszeitraum waren es noch mehr als 105 Millionen Geräte. Darunter waren laut Gartner aber nur 7,2 Millionen Smartphones, die deutlich mehr abwerfen als die Günstig-Handys.

Apple

Apple verkaufte im dritten Quartal 23,6 Millionen Smartphones, ein deutlicher Zuwachs von mehr als 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Handymarkt hält Apple 5,5 Prozent Marktanteil, im lukrativen Smartphone-Markt sogar 13,9 Prozent.

Research in Motion

Der Blackberry-Hersteller Research in Motion steckt ebenso wie Nokia tief in der Krise. Die Kanadier setzten im dritten Quartal 2012 rund 9 Millionen ihrer E-Mail-Maschinen ab, rund ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil bei den Handys ist auf 2,1 Prozent geschrumpft, bei den Smartphones sind es immerhin noch 5,3 Prozent.

Sonstige

Der Handymarkt ist schwer umkämpft, Traditionsunternehmen wie Aufsteiger buhlen um die Gunst der Käufer. Der chinesische Hersteller ZTE verkaufte im dritten Quartal 16,7 Millionen Geräte (3,9 Prozent Marktanteil), Huawei 12 Millionen Handys (2,8 Prozent). LG wurde 14 Millionen Geräte los (3,3 Prozent), die Google-Tochter Motorola 8,6 Millionen (2 Prozent), dicht gefolgt von HTC mit 8,4 Millionen.

Für die Netzbetreiber wird das mobile Internet zum Geschäft der Zukunft. Der Umsatz mit Sprachdiensten wird der Prognose zufolge in diesem Jahr erneut sinken und liegt nach einem Minus von 7 Prozent noch bei 11,9 Milliarden Euro. Dagegen erwartet der Bitkom bei den mobilen Datendiensten ein Plus von 10 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. „Schon nächstes Jahr dürften die Umsätze 50:50 zwischen Sprach-und Datendiensten verteilt sein“, sagte Schulte-Bockum.

Einen schnelleren Ausbau des leistungsfähigen LTE-Netzes verhindere jedoch die Bundesnetzagentur, kritisierte der Bitkom. Die Behörde bearbeite die Anträge für neue LTE-Sendestationen mangels Personal nur mit erheblicher Verzögerung, 7000 müssten derzeit abgearbeitet werden. „Wir appellieren an die Politik, diese Prozesse zu beschleunigen“, sagte Schulte-Bockum.

Er forderte zudem Erleichterungen für die Branche. Durch die „überzogene Regulierung seitens der EU“ würden der Mobilfunk-Branche hunderte von Millionen Euro entzogen, die für den Netzausbau notwendig seien. „Wir sind regulatorisch in einen Irrweg reingelaufen“, sagte der Vodafone-Manager.

Die größten Mobilfunker in Deutschland

Ein großer Markt

In Deutschland gibt es mehr als 113 Millionen Handyanschlüsse. Welche Marktanteile die Anbieter haben, hat das Statistikportal Statista auf Grundlage von Erhebungen der Marktforschungsinstitute Enigma, Ipsos, Ifak und Marplan ermittelt (Stand: Ende 2012).

T-Mobile

Jeder fünfte Handynutzer geht mit T-Mobile ins Netz (20,9 Prozent). Bei den Vertragskunden hält die Telekom-Tochter sogar einen Marktanteil von 24,3 Prozent.

Vodafone

Der britische Konzern kommt in Deutschland ebenfalls auf einen Marktanteil von 20,9 Prozent. Allerdings hat das Unternehmen weniger Vertragskunden als der Rivale aus Bonn (22,4 Prozent Marktanteil).

O2

Die Tochter des spanischen Telefónica-Konzerns – seit kurzem an der Börse notiert – ist in Deutschland die Nummer drei, sie hat einen Marktanteil von 13,5 Prozent.

E-Plus

Jeder zehnte Handynutzer (9,5 Prozent) ist Kunde bei E-Plus, einer Tochter des niederländischen KPN-Konzerns.

Aldi Talk

Der Discounter Aldi betreibt kein eigenes Netz, hat aber eine beachtliche Kundenbasis. 8,5 Prozent der Kunden telefonieren mit SIM-Karten des Einzelhändlers.

Base

Base ist die Billigmarke von E-Plus. 5,5 Prozent der Handynutzer telefonieren damit.

Sonstige

Jeweils weniger als 5 Prozent Marktanteil haben 1&1 (3,3 Prozent), Mobilcom-Debitel (2,8 Prozent), Tchibo (1,8 Prozent) und die Telekom-Marke Congstar (1,7 Prozent).

Die Politik müsse bestimmte auslaufende Lizenzen verlängern, um „nachhaltige Investitionsreize“ zu setzen. Das gelte für den GSM-Standard wie auch für UMTS. Ein ideales Szenario sei, diese sowie freiwerdende TV-Frequenzen in einem Paket zu versteigern – mit einer „gesamtheitlichen Betrachtung“ könnten eine künstliche Knappheit und damit „unangemessen hohe Frequenzkosten vermieden werden“.

Kommentare (1)

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Coza

14.02.2013, 17:49 Uhr

In meiner Region gibt es nicht einmal ein funktionierendes Handynetz, da reden die schon von Smarphones und LTE.

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