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09.03.2016

12:13 Uhr

Bosch und die Cloud

Das Gehirn für das Internet der Dinge

Bosch startet einen eigenen Cloud-Dienst. Der Zulieferer will damit zu einem Komplett-Anbieter für Vernetzung werden. Bei den ersten Projekten geht es um vernetzte Parkplätze – und intelligente Spargelfelder.

Minutengenau sollen freie Parkplätze angezeigt werden. AFP; Files; Francois Guillot

Bosch-Chef Denner

Minutengenau sollen freie Parkplätze angezeigt werden.

BerlinBosch tritt im Zukunftsgeschäft mit der Vernetzung des Alltags mit einem eigenen Cloud-Dienst gegen die Konkurrenz an. Der Service sei „das letzte Puzzleteil in unserer Softwarekompetenz“, erklärte Konzernchef Volkmar Denner am Mittwoch in Berlin.

Damit werde Bosch zu einem Komplett-Anbieter für Vernetzung und das sogenannte Internet der Dinge. Erster Standort der Bosch-Cloud sei Deutschland. Sie bestehe aus technischer Infrastruktur und Softwareangeboten.

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In einem Pilotprojekt sollen in Stuttgart Parkplätze vernetzt werden. Damit würden dann auf einer Karte minutengenau freie Plätze angezeigt, erklärte Bosch. Lkw-Fahrer sollen sich über die Cloud Stellplätze auf Raststätten reservieren können. In einem weiteren Projekt sollen Sensoren auf Spargelfeldern die Temperatur melden, damit Bauern die günstigsten Bedingungen gewährleisten können.

Bosch hat das Potenzial der digitalen Revolution schon deshalb früh erkannt, weil der Konzern nicht nur Zündkerzen, Kühlschränke und Elektrowerkzeuge herstellt, sondern auch Halbleiter und Sensoren. Der neue Service bringt den Konzern auch stärker in Wettbewerb zu Dienste-Anbietern wie IBM, SAP oder Amazon.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Die Stuttgarter sind bei der Entstehung von Daten mit dabei. Zudem hat Bosch Firmen übernommen und daraus ein eigenes Softwarehaus gegründet, das sich mit Hunderten Entwicklern mit den Algorithmen der vernetzten Industrie beschäftigt.

Und damit nicht genug: Bosch zählt zu den Pionieren bei Robotern, die Hand in Hand mit Menschen arbeiten können. Das ist die neue Generation „Automatischer Produktionsassistenten“ (Apas). Ein solcher Roboter spürt etwa dank einer speziellen Sensorhaut, wann sich jemand nähert, und bremst sanft ab.

Von

dpa

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