Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2009

12:13 Uhr

Branche in der Krise

Experten: Qimonda-Pleite entspannt Lage am Speicherchip-Markt

Das Angebot an DRAM-Chips werde dadurch "höchstwahrscheinlich" um zehn Prozent schrumpfen, wenn die anderen Hersteller bei ihren Kürzungsplänen blieben, erklärten die Experten von DRAMeXchange, dem führenden Preisforscher für elektronische Bauteile, am Montag.

HB HELSINKI/ MÜNCHEN. 1-Gigabit-Chips, wie sie in vielen PCs zum Einsatz kommen, könnten damit wieder 1,20 bis 1,50 Dollar kosten. Damit würde der Preis wieder die Kosten der Hersteller decken, die in dieser Größenordnung liegen. Zurzeit kosten diese sogenannten DDR-2-Chips weniger als einen Dollar.

Die Branche befindet sich seit mehr als einem Jahr in ihrer schlimmsten Krise. Der Umsatz mit DRAMs ist 2008 nach Angaben von iSuppli um fast 20 Prozent auf 25,2 Mrd. Dollar gesunken, für das laufende Jahr wird ein Rückgang um weitere vier Prozent erwartet. Alle großen Hersteller schreiben Verluste, weil viel zu viele Speicherchips hergestellt werden. Nach langem Siechtum hatte die Infineon-Tochter Qimonda am Freitag Insolvenz angemeldet, nachdem sie zeitweise mehr Verlust als Umsatz erwirtschaftet hatte. Der weltweit größte Speicherchip-Hersteller Samsung Electronics schrieb unlängst zum ersten Mal überhaupt einen Quartalsverlust.

"Die Insolvenz von Qimonda bedeutet, dass die Auslieferungen von DRAMs in Bit im laufenden Jahr weltweit um weniger als 30 Prozent zunehmen werden", erklärte iSuppli-Chefanalyst Nam Hyung Kim. Bisher hatte das Marktforschungsunternehmen mit 35 Prozent gerechnet. "Das wird das Wachstum des Angebots drosseln, zu einer Stabilisierung der Preise und zu einer Linderung des durch das Überangebot verursachten Abschwungs beitragen", sagte Kim.

Vor allem bei Server- und Grafikchips sei mit Entspannung zu rechnen. Bei Grafikchips habe Qimonda im dritten Quartal 2008 einen Weltmarktanteil von 26 Prozent gehabt, bei Server-Chips einen von 15 bis 20 Prozent.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Betrieb beim Speicherchip-Hersteller Qimonda trotz Insolvenz aufrechterhalten wird. "Die Produktion läuft weiter", sagte ein Unternehmenssprecher am Montag. Er wollte sich aber nicht dazu äußern, bis wann die Arbeit gesichert ist. Erst einmal müsse sich Insolvenzverwalter Michael Jaffe ein Bild von der Lage machen. Spätestens in drei Monaten will dieser ein Konzept für das Unternehmen vorlegen.

Qimonda hatte am Freitag Insolvenz anmelden müssen, weil die Speicherchip-Preise seit mehr als einem Jahr im Keller sind und ein staatliches Hilfspaket letztlich an Detailfragen gescheitert war. Am Montag werden nun die Mitarbeiter in der Münchener Zentrale über den Stand der Dinge informiert, am Dienstag dann die Beschäftigten im Dresdner Werk. In Deutschland arbeiten 4 600 Menschen für die Infineon-Tochter, weltweit sind es rund 12 000 Mitarbeiter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×