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17.12.2015

03:23 Uhr

Brasilien

Richter ordnen WhatsApp-Blockade an

Die Brasilianer lieben WhatsApp - weil das Unternehmen aber in einem Strafverfahren nicht kooperiert haben soll, droht nun eine Auszeit. Die Justiz hat eine WhatsApp-Blockade angeordnet.

Zwangspause in Brasilien? Wenn es nach der Justiz des Landes geht, soll der Dienst für 48 Stunden gesperrt werden. dpa

WhatsApp

Zwangspause in Brasilien? Wenn es nach der Justiz des Landes geht, soll der Dienst für 48 Stunden gesperrt werden.

Rio de JaneiroDer in Brasilien von Millionen Menschen genutzte Nachrichtendienst WhatsApp soll in dem Land von Donnerstag an für 48 Stunden blockiert werden. Ein Gericht in São Bernardo do Campo (Bundesstaat São Paulo) habe alle Telefongesellschaften dazu aufgefordert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Agência Brasil am Mittwochabend. Hintergrund sei ein Strafverfahren, in dem der Anbieter nicht kooperiert habe. Die Sperre sollte ab Mitternacht in Brasilien gelten. Worum es in dem strittigen Strafverfahren geht, war zunächst unklar.

Ob die Verfügung tatsächlich umgesetzt wird, war zunächst offen. Im Februar war eine von einem Richter angeordnete landesweite Blockade von einer Berufungsinstanz zurückgewiesen worden. Damals ging es um die Herausgabe von Daten an die Polizei im Zusammenhang mit einem Pädophilie-Fall.

In Medienberichten hieß es nun, WhatsApp habe auf einen Gerichtsbeschluss vom 23. Juli nicht reagiert. Am 7. August sei im Falle der Nichtkooperation die Blockade angedroht worden. Da keine Reaktion erfolgt sei, habe die Staatsanwaltschaft die bisher beispiellose Sperrung für 48 Stunden im fünftgrößten Land der Welt verfügt.

Was an WhatsApp Kopfschmerzen bereitet

Laxer Umgang mit Datenschutz

WhatsApp überträgt die Kontakte im Adressbuch auf seine Server in den USA – in Zeiten mächtiger Geheimdienste kein angenehmer Gedanke. Hinzu kommt: Durch die Offenlegung der Handynummern erfahren andere Leute, dass man die App nutzt – zumindest, wenn sie diese auch installiert haben und im Adressbuch stehen.

Zweifel an der Verschlüsselung

Lange wurden die WhatsApp-Nachrichten unverschlüsselt übertragen. Auch an der inzwischen eingesetzten Verschlüsselungstechnologie hegen Experten Zweifel.

Sicherheitsbedenken

Schon mehrfach stand Whatsapp wegen des laxen Umgangs mit Sicherheitsfragen in der Kritik – das betrifft nicht nur die Verschlüsselung. So konnten eine Zeit lang Whatsapp-Nutzerkonten relativ leicht gekapert werden. Nach Einschätzung einer Sicherheitsfirma kann auch der Bezahlprozess ausspioniert werden.

Soziale Kontrolle

Für jeden App-Nutzer ist einsehbar, wann die Kontakte das letzte Mal den Dienst genutzt haben. Es kommt vor, dass darüber Mütter kontrollieren, ob ihre Babysitter zu Hause noch wach sind – denn die verdaddeln die Zeit oft genug mit WhatsApp. Die App ermöglicht also eine gewisse soziale Kontrolle.

Undurchsichtige Firma

Über die Firma WhatsApp ist wenig bekannt, die Macher meiden die Öffentlichkeit weitgehend. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen. Auch der Anfang 2014 angekündigte Verkauf an Facebook stößt auf Skepsis – das Soziale Netzwerk gilt nicht wenigen als Datenkrake.

Brasilien gilt als eines der Länder mit den weltweit meisten Nutzern des Dienstes. Schätzungen gehen von über 35 Millionen aus. Über den Dienst können unter anderem kostenlos Nachrichten, Fotos, Videos und Sprachmitteilungen versendet werden.

WhatsApp hat damit die kostenpflichtige SMS-Kurznachricht weitgehend ersetzt. Weltweit sollen rund 900 Millionen Menschen WhatsApp nutzen. Facebook hatte den Dienst 2014 für rund 22 Milliarden Dollar gekauft. Als Grund für den Verkauf nannten die Gründer, dass der Dienst mit dem Umzug auf die Facebook-Infrastruktur stabiler laufen werde.

Von

dpa

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