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02.09.2013

18:19 Uhr

Briten rollen den Markt auf

Was macht Vodafone mit 100 Milliarden?

VonChristof Kerkmann, Jörg Hackhausen

Vodafone hat ein Luxusproblem: Der Verkauf von Verizon Wireless bringt 100 Milliarden Euro ein. Der Konzern hätte genug Geld, um den europäischen Markt aufzumischen. Doch die Aktionäre fordern bereits ihren Anteil.

Was tun mit dem vielen Geld? Das Vodafone-Management muss die 100-Milliarden-Euro-Frage beantworten.

Was tun mit dem vielen Geld? Das Vodafone-Management muss die 100-Milliarden-Euro-Frage beantworten.

DüsseldorfEs ist einer der größten Deals aller Zeiten – und stellt Vodafone vor ein Problem, das viele Unternehmen gerne hätten: Was tun mit Einnahmen von 130 Milliarden Dollar, umgerechnet fast 100 Milliarden Euro? Diese Summe erhält der britische Telekommunikationskonzern durch den Verkauf seine Beteiligung am US-Mobilfunker Verizon Wireless an den bisherigen Partner Verizon. Der Deal wurde am Montagabend bestätigt, damit verabschiedet sich Vodafone aus Nordamerika.

Die genaue Antwort auf die 100-Milliarden-Frage steht jedoch noch aus. „Das Management steht vor der schwierigen Aufgaben, eine Balance zu finden“, sagt Steven Hartley, Analyst beim britischen Marktforscher Ovum, im Gespräch mit Handelsblatt Online. „So albern es klingt: Auch diese Summe hält nicht für immer.“ Denn Vodafone muss sich für den rasanten Wandel der Telekommunikationsbranche rüsten, gleichzeitig aber die Schulden reduzieren, um die Bonität nicht zu gefährden. Und auch die Aktionäre wollen nicht zu kurz kommen. In der Hoffnung auf milliardenschwere Geschenke stiegen die Aktien des britischen Mobilfunkers innerhalb von drei Handelstagen um 14 Prozent. Mit 215,75 Pence waren sie so teuer wie zuletzt Ende April 2001.

Die größten Mobilfunker der Welt

Platz 1

China Mobile

Umsatz: 92,3 Milliarden Euro
Mobilfunkverbindungen: 790,6 Millionen

Platz 2

Vodafone Group (Großbritannien)

Umsatz: 58,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 435,9 Millionen

Platz 5

América Móvil Group (Mexiko)

Umsatz: 35,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 266,9 Millionen

Platz 6

Telefónica Group (Spanien)

Umsatz: 42,0 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 249,4 Millionen

Platz 3

China Unicorn

Umsatz: 29,9 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 295,0 Millionen

Platz 6

Verizon Wireless (USA)

Mobilfunkverbindungen: 114,5 Millionen (+ 5 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 65 Milliarden Dollar (+ 7 Prozent)

Platz 7

VimpelCom Group (Niederlande)

Umsatz: 15,8 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 218,2 Millionen

Platz 8

Orange Group (Frankreich)

Umsatz: 22,4 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 184,6 Millionen

Platz 9

Bharti Airtel Group (Indien)

Mobilfunkverbindungen: 259,8 Millionen (+ 7 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 12,6 Milliarden Dollar (+ 6 Prozent)

Platz 10

AT&T Mobility (USA)

Mobilfunkverbindungen: 107,3 Millionen (+ 3 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 59,7 Milliarden Dollar (+ 4 Prozent)

Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom landet auf Platz 12 mit 111 Millionen Kunden und einem Mobilfunkumsatz in Höhe von 33,37 Milliarden Dollar (minus drei Prozent).

Schulden tilgen für die Bonität

Der Mobilfunkriese will sich schon seit längerem von seiner US-Beteiligung trennen. Doch dass er jetzt endlich zur Tat schreitet, kommt nicht von ungefähr: „Der Antrieb zum Verkauf rührt auch daher, dass Vodafone größere Schulden angehäuft hat“, sagt Ronald Klingebiel von der Warwick Business School in Großbritannien gegenüber Handelsblatt Online.

Für Kabel Deutschland bietet der britische Konzern 7,7 Milliarden Euro, bereits im vergangenen Jahr schluckte er den britischen Festnetz-Anbieter Cable & Wireless Worldwide für umgerechnet knapp 1,3 Milliarden Euro. Ende Juni hatte Vodafone (inklusive der Beteiligungen) knapp 30 Milliarden Euro Schulden. Banker hatten deswegen die Befürchtung geäußert, dass die Ratingagenturen ihn herunterstufen könnten. Sollte der Konzern einen Teil der Milliardensumme zur Tilgung nutzen, dürfte diese Gefahr vorerst gebannt sein.

Dividenden und Aktienrückkäufe

Doch damit geben sich manche Börsianer nicht zufrieden, sie hoffen auf einen großen Zahltag. Die Barmittel ermöglichten eine Sonderdividende sowie weitere Aktienrückkäufe, schrieb Analyst Markus Glockenmeier von der National Bank in einer Studie.

Nach Ansicht eines Großinvestors dürften die meisten Vodafone-Aktionäre den Großteil der Verkaufserlöse für sich beanspruchen. „Wir wollen so viel Geld wie möglich zurückhaben“, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters. Es sei einleuchtend, dass Vodafone nach dem US-Ausstieg in die verbleibenden Geschäfte investieren müsse. Doch sei bereits absehbar, dass viele Anteilseigner erst die Ausschüttung einstreichen und dann ihre Aktien auf den Markt werfen werden.

Das wäre der üblich Reflex von Investoren, die auf schnelles Geld aus sind. Daneben gibt es aber noch die langfristig orientierten Anleger. „Das Worst-Case-Szenario wäre, wenn Vodafone das Geld nehmen und alles an die Aktionäre zurückgeben würde. Übrig bliebe dann ein merkwürdiges Unternehmen, das nicht vorankommt“, sagt ein Fondsmanager, der für einen der größten Vodafone-Aktionäre spricht. Der Abschied aus den USA ergebe nur Sinn, wenn letztlich danach etwas Sinnvolles gemacht werde.

Kommentare (4)

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02.09.2013, 16:55 Uhr


Nach Rücksprache mit Draghi als Nebenerwebs-Vermögensberater steht ersten Gerüchten zufolge eine Investition in ESM Anleihen an.

zadrave

02.09.2013, 17:05 Uhr

und täglich grüßt das Murmeltier ;-)

Account gelöscht!

02.09.2013, 19:52 Uhr

Spendet das Geld der SPD. Die braucht es am nötigsten.

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