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06.03.2013

12:56 Uhr

Browser-Streit

Microsoft muss mehr als halbe Milliarde Euro zahlen

Weil Microsoft im Betriebssystem Windows 7 nur den Internet Explorer als Browser angeboten hat, muss der Softwarekonzern nun eine saftige Strafe an die EU zahlen. Microsoft hatte gegen eine frühere Auflage verstoßen.

500 Millionen Bußgeld für Microsoft

Video: 500 Millionen Bußgeld für Microsoft

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BrüsselEine angebliche Panne kostet den Softwareriesen Microsoft Millionen: Wegen unfairer Geschäftspraktiken muss der Konzern 561 Millionen Euro Geldstrafe an die Europäische Union zahlen. Das entschied die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Microsoft habe versäumt, den Nutzern des Betriebssystems Windows 7 neben dem hauseigenen Internet Explorer verschiedene Browser von Konkurrenten für das Surfen im Internet anzubieten.

Nach Ansicht der EU-Kommission hat das US-Unternehmen mit dieser Praxis den Kunden die eigene Software aufgedrängt und die Hersteller anderer Programme blockiert. Der Konzern habe rund 15 Millionen Windows-Nutzern die Wahlfreiheit genommen - von Mai 2011 bis Juli 2012.

Wie Windows wurde, was es ist

Windows 1.0

Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

Windows 3.1

Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

Windows NT

Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

Windows 95

Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

Windows XP

2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt, die immer noch auf vielen Rechnern läuft. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

Windows 7

Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

Windows 8

Mit Windows 8 wollte sich Microsoft für den Wandel der Computer-Welt rüsten: Die neue Kacheloberfläche ist für Touchscreens ausgelegt und eignet sich damit auch für Tablet-Computer – äußerlich ähnelt das System damit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Microsoft stellte Windows 8 im Oktober 2012 vor. Gerade an der neuen Bedienung wurde jedoch schnell viel Kritik laut.

Windows 8.1

Ein Update für Windows 8 kam im Oktober 2013 auf den Markt. Das kostenlose Windows 8.1 soll die größten Kritikpunkte an dem Vorgänger ausräumen. So können Nutzer direkt auf den Desktop starten und so die Kacheloberfläche umgehen. Zudem kehrt der Startknopf zurück, wenn auch nicht das klassische Startmenü.

Seit Jahren gehen die Kartellwächter gegen Microsoft vor, weil der Konzern seine Softwareprodukte unrechtmäßig an sein Betriebssystem Windows koppelt. Das Unternehmen musste seit 2004 bereits mehrfach EU-Strafen zahlen. Insgesamt summieren sich diese inzwischen auf 2,2 Milliarden Euro.

Im jüngsten Fall hat der Konzern nach Ansicht der Wettbewerbshüter gegen eine zentrale Auflage aus einem früheren EU-Kartellverfahren von 2009 verstoßen. Damals hatte sich Microsoft verpflichtet, auf neuen Computern oder in neuen Windows-Paketen ein Auswahlfenster mit unterschiedlichen Browsern einzubauen. Die EU-Kommission wollte auf diese Weise verhindern, dass Microsoft seine marktbeherrschende Stellung im Bereich der PC-Betriebssysteme weiter ausnutzen konnte. Mit der Selbstverpflichtung war das US-Unternehmen zunächst einer Strafe entgangen.

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Doch der Softwarekonzern lieferte zwischen Mai 2011 und Juli 2012 die Softwareaktualisierung Service Pack 1 für Windows 7 ohne den Auswahlbildschirm für die freie Wahl des Web-Browsers aus. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte: „Die Nichteinhaltung ist ein schwerwiegender Verstoß, der mit entsprechenden Sanktionen belegt werden muss.“ Es sei das erste Mal, dass Brüssel wegen Verstoßes gegen eine solche Zusage erneut eine Strafe ausspreche. Dabei blieben die Kartellwächter aber weit unter der maximal möglichen Strafe von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes, im konkreten Fall also mehr als fünf Milliarden Euro.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

06.03.2013, 13:40 Uhr

Für Microsoft sind solche Geldstrafen P E A N U T S. Leichte Schmerzen verursachen erst Bußgelder in Milliardenhöhe. Mr. Ballmer hat für solche und andere vorhersehbaren Ausgaben eine MS-Portkasse, die stets gut gefüllt ist. Geradezu lächerlich, was die EU als Strafe verkündet. Wohl wissend, dass sich kein Riese davon beeindrucken lässt, wenn jemand am kleinen Zeh spielt.

gume

06.03.2013, 14:17 Uhr

Sicher sind die Strafen für MS peanuts. Unabhängig davon bin ich der Ansicht, dass die EU in diesem Punbkt anmaßend ist. Wer sich Windows kauft muss m.E. damit rechnen, dass dort auch Microsoft drin ist. Warum kann man den Laden verpflichten, auf die Wettbewerber hinzuweisen? Wer kein Explorer haben will kannihn entweder (teilweise) deinstallieren oder einfach nicht benutzen und dann ist gut. Hat doch jeder die Auswahl.
Wird VW auch verpflichtet, eine Benzinpumpe vom anderen Hersteller einzubauen? Ist das nicht auch ein Wettbewerbsverstoß?

Account gelöscht!

06.03.2013, 14:45 Uhr

Geldvermögen hin oder her; ich finde diese Geldbuße schwachsinnig.
Die EU verlangt manchmal Sachen, die an ein schwachsinniges Kind erinnern. Wenn ich Apple OS installiere ist da auch nur ein Safaribrowser drinne...

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