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09.10.2013

16:43 Uhr

Buchbranche wird digital

Die nächste Revolution

VonChristof Kerkmann

E-Books krempeln die Buchbranche um: Dank Digitalisierung werden Kreative zu Kleinverlegern, Bücher zu Diskussionsforen. Doch die neuen Anbieter setzen auch die Preise unter Druck – und damit die etablierten Verlage.

E-Books holen auf

Der Buchmarkt wird digital

E-Books holen auf: Der Buchmarkt wird digital

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Düsseldorf„Lesen ist sexy“, wirbt der Dotbooks-Verlag auf der Frankfurter Buchmesse. Erotik verkauft sich, das weiß man spätestens seit dem Erfolg der „Shades of Grey“-Romane. Und so darf eine Domina ihre Fantasien für das Unternehmen aufschreiben und bei einer Lesung präsentieren. Wer sich eine Ausgabe der „Nylons“-Serie signieren lassen will, dürfte es aber schwierig haben: Dotbooks publiziert die Werke nur als E-Books. Papier ist nicht sexy.

„Wir haben uns bewusst gegen klassisches Publizieren entschieden“, sagt Sarah Mirschinka, die bei dem 2012 gegründeten Buch-Start-up Marketing und Vertrieb verantwortet. Das Unternehmen setzt auf den technischen Wandel. Das E-Book werde das Taschenbuch ablösen, meint Mirschinka – „wir haben die Ambition, ein Publikumsverlag mit breitem Programm zu werden“.

Sarah Mirschinka leitet bei Dotbooks Marketing und Vertrieb.

Sarah Mirschinka leitet bei Dotbooks Marketing und Vertrieb.

Dotbooks steht für einen Trend. Die Digitalisierung krempelt die Buchbranche um. Es sind die Kleinverleger und die Autoren selbst, die das Internet nutzen, um ihre Werke zu veröffentlichen. Jeder kann es wagen, manche werden gelesen, und mitunter wird aus dem Traum, ein berühmter Autor zu werden, sogar Wirklichkeit.

Die Erkenntnis der neuen Selbstverleger lautet: Es geht auch ohne teure Druckerpresse. Davon profitieren sie auf der einen Seite – und die ganz Großen der Branche auf der anderen: Der Internetriese Amazon und der Buchgigant Random House etwa, die die Netzautoren suchen und finden, und mit ihrer Reichweite Millionen von Kunden erreichen. Für viele mittelgroße Verlage dagegen wird die Luft dünn.

E-Books gelingt der Durchbruch

Zögerliche Deutsche

E-Books brauchten einige Jahre, um sich in Deutschland durchzusetzen. Nach Einschätzung des Unternehmensberaters Rüdiger Wischenbart brachte die Weihnachtszeit 2012 den nötigen Schub: „Inzwischen sorgen E-Books für erhebliche Einnahmen.“ In den USA gehört das digitale Buch schon länger zum Alltag.

Tablets und E-Reader

„Weil die Hardware vorhanden ist, setzt sich auch das E-Book immer stärker durch“, sagt Markus Kreher, Partner bei der Unternehmensberatung KPMG. Die kritische Masse an Lesegeräten sei erreicht. Das bestätigt eine aktuelle Prognose des Hightech-Verbands Bitkom: Demnach werden 2013 in Deutschland acht Millionen Tablet-Computer sowie gut 800.000 E-Reader verkauft. Dazu tragen auch die Verlage selbst bei, die beispielsweise den E-Reader Tolino zum Kampfpreis von 99 Euro anbieten.

PC vor Smartphone vor Tablet

Das beliebteste Lesegerät ist laut einer Umfrage des Hightech-Branchenverbandes Bitkom der PC: 77 Prozent der Nutzer lesen digitale Bücher an ihrem Computer. Überraschend häufig wird das Smartphone verwendet: 58 Prozent lesen auf dem kleinen Bildschirm. Erst danach folgen Tablet-Computer (21 Prozent) und E-Reader (18 Prozent).

Fesselspiele und Tribute

Zwei Buchreihen verhalfen E-Books zu einer großen Verbreitung: Die „Shades of Grey“-Trilogie mit ihren Fesselspielen sowie die „Tribute of Panem“-Serie, die auch in deutschen Kinos große Erfolge feierte. Generell seien Erotik, Fantasy und Science Fiction beliebte E-Book-Genres, sagt der Experte Rüdiger Wischenbart.

Kaum ein Verlag bleibt analog

Die meisten Verlage verzichten nicht mehr auf das E-Book: 84 Prozent bieten bereits elektronische Bücher an oder werden das bald tun, nur 16 Prozent planen weiter ohne. Mehr als die Hälfte aller neuen Titel (54 Prozent) gibt es auch in elektronischer Fassung, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels erhoben hat. „E-Books sind ein Wachstumsbereich, deswegen stürzen sich alle darauf“, sagt Rüdiger Wischenbart von der Universität Wien, der halbjährlich einen Report zur Entwicklung des Marktes veröffentlicht.

Umsatz legt deutlich zu

Die wachsende Popularität macht sich auch in den Bilanzen bemerkbar. Die Beratungsgesellschaft PWC prognostiziert, dass in diesem Jahr E-Books aus den Bereichen Belletristik sowie Kinder- und Jugendbuch für 286 Millionen Euro Umsatz sorgen, immerhin 6 Prozent des Gesamtmarktes. Im vergangenen Jahr lag der Erlös noch bei 144 Millionen Euro.

Deutlich niedrigere Preise

Ein Nebeneffekt des E-Book-Booms: Die Preise geraten unter Druck. Viele elektronische Titel werden für unter 10 Euro verkauft und kosten damit weniger als die meisten Taschenbücher. Diese Entwicklung dürfte vielen Verlagen nicht behagen.

Gesamtmarkt weiter unter Druck

Trotz des E-Book-Booms dürften die nächsten Jahre für viele Verlage schwer werden. 2011 und 2012 gingen die Buchverkäufe zurück, im ersten Halbjahr 2013 stiegen sie nur leicht. „Die Buchverlage werden in den nächsten Jahren mit E-Books nicht das kompensieren, was sie mit den klassischen Büchern verlieren“, sagt Markus Kreher von KPMG.

Ende des Wachstums?

In den USA – Vorreiter in Sachen E-Books – flacht der Boom allerdings ab. Der Marktanteil wächst noch, aber nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Jahren. Viele Leser bleiben doch lieber beim gedruckten Buch oder nutzen auf ihrem Tablet-Computer andere Medien.

Das E-Book stand in den vergangenen Jahren regelmäßig vor dem Durchbruch – jedoch nur in den Prognosen der Marktforscher. Doch im vergangenen Weihnachtsgeschäft verzeichneten die Verlage und Buchhändler tatsächlich ein spürbares Interesse.

„Weil die Hardware vorhanden ist, setzt sich auch das E-Book immer stärker durch“, sagt Markus Kreher, Partner beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG. Immer mehr Nutzer haben einen Tablet-Computer, auch E-Reader verkaufen sich passabel. Und das Angebot an Titeln wächst stetig: „E-Books sind ein Wachstumsbereich, deswegen stürzen sich alle darauf“, sagt Rüdiger Wischenbart von der Universität Wien, der halbjährlich einen Report zur Entwicklung des Marktes veröffentlicht.

Das eröffnet zahlreichen Kreativen eine Chance: Noch nie war es so einfach, ein Buch zu veröffentlichen, ob als E-Book oder doch gedruckt. Und dank des Booms im letzten Jahr war die potenzielle Leserschaft noch nie so groß.

Kommentare (8)

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09.10.2013, 16:50 Uhr

ich kann damit ehrlich gesagt nichts anfangen. ich starre schon in der uni genug auf bildschirme, da ist das gute alte buch sehr willkommen.

leser

09.10.2013, 17:27 Uhr

Ein E-Book ist wie eine Lese(r)krücke: Lesen obschon man empfängnisbereit und nix kapiert - weils leuchtet oder weniger, oder weils einfach nur 120 Euronen kostet und man nicht erst zu lesen braucht, wenn man es schon im Hosentäschlein tragen kann.

Das E-Book wird künftig als weiterer Schritt hin zu einer konzisen Analphabetisierung der Menschen betrachtet werden können - so traurig das bleibt - so praktisch es sein mag - so verblödend es wirkt.

Und so umsatzträchtig es künftig auch gehandelt werden mag: "ich bin doch nicht blöd"?

Doch, ja.

Account gelöscht!

09.10.2013, 18:14 Uhr

Der große Vorzug des Ebooks ist die Internationalität. Es ist überhaupt kein Problem, sich einen englischsprachigen Thriller oder auch ein Sachbuch vom Wohnzimmer aus herunterzuladen. So kann man sich informieren, bevor deutsche Verlage aus ihrem Dornröschenschlaf aufgewacht sind und das entsprechende Buch über den klassischen Buchhandel in Deutschland erhältlich ist.

Ich habe z.B. in letzter Zeit mehrere hochinteressante englischsprachige Bücher zu der heißen Diskussion um Kreationismus, Intelligent Desing und Kreationismus, die in den USA hohe Wellen schlägt, als Ebook gelesen, Bücher, die in Deutschland noch gar nicht zu haben waren.

Leider wird in Deutschland durch die Buchpreisbindung der breite Durchbruch des Ebooks noch verhindert. Die etablierten Verlage verfolgen offensichtlich auch bei leichter Unterhaltungsliteratur im Taschenbuchformat die Strategie, Bücher nur mit einem ganz geringen Preisabschlag als Ebook anzubieten. Ich sage voraus: Diese Strategie wird scheitern. Die Kräfte des Marktes werden stärker sein.

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