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20.11.2014

16:06 Uhr

Buchkonzern

Weltbild will zur Sanierung Stellen abbauen

Harte Einschnitte bei der Buchhandelskette Weltbild: Einem Medienbericht zufolge soll nur ein Bruchteil der Mitarbeiter den Job behalten. Demnach könnte lediglich das Onlinegeschäft übrig bleiben.

Weltbild muss womöglich einen Großteil seiner Stellen abbauen. dpa

Weltbild muss womöglich einen Großteil seiner Stellen abbauen.

DüsseldorfDie Mitarbeiter von Weltbild müssen um ihre Jobs bangen. Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung des Geschäfts setzt der neue Weltbild-Eigentümer Droege International die Restrukturierung der angeschlagenen Buchhandelskette fort. „Die Geschäftsführung bedauert, dass in diesem Zusammenhang personelle Anpassungen notwendig sind“, sagte eine Droege-Sprecherin am Donnerstag. Diese sollten so „sozialverträglich wie möglich gestaltet werden“. Eine konkrete Zahl der betroffenen Stellen könne derzeit nicht genannt werden. Die Geschäftsführung wolle sich mit den Arbeitnehmervertretern zügig über einen Interessenausgleich und Sozialplan einigen.

Das „manager magazin“ berichtete vorab, von den zurzeit rund 2500 Mitarbeitern würden nur ein Bruchteil den Job behalten. Am Ende könnte lediglich das Onlinegeschäft der Buchhandelskette übrig bleiben. Das Kataloggeschäft und der Verkauf über Filialen seien dagegen gefährdet. Grund für die harten Einschnitte seien offenbar starke Abweichungen des Umsatzes gegenüber den Zahlen, die Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz beim Verkauf prognostiziert hatte. Im laufenden Geschäftsjahr würden die Erlöse um mindestens ein Fünftel niedriger ausfallen als in der vergangenen Periode, hieß es in dem Bericht.

Die größten deutschen Medienkonzerne (Umsatz 2013)

Platz 10 – Funke Mediengruppe

Umsatz: 1,2 Milliarden Euro*

Platz 9 – Verlagsgruppe Weltbild

Umsatz: 1,59 Milliarden Euro*

Platz 8 – Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Umsatz: 1,88 Milliarden Euro*

Platz 7 – ZDF

Umsatz: 2,01 Milliarden Euro

Platz 6 – Bauer Media Group

Umsatz: 2,4 Milliarden Euro

Platz 5 – Hubert Burda Media

Umsatz: 2,45 Milliarden Euro*

Platz 4 – ProSieben Sat.1

Umsatz: 2,61 Milliarden Euro

Platz 3 – Axel Springer

Umsatz: 2,8 Milliarden Euro

Platz 2 – ARD

Umsatz: 6,28 Milliarden Euro

Platz 1 – Bertelsmann

Umsatz: 16,36 Milliarden Euro

Quelle

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

*Für diese Konzerne lagen die Umsatzzahlen von 2013 bei der Publikation im Mai noch nicht vor. In diesen Fällen wurden die zuletzt veröffentlichten Umsatzzahlen als Grundlage genommen.

Zu den Umsatzzahlen nahm Droege keine Stellung. Die Sprecherin erklärte aber, dass Weltbild am Multi-Kanal-Geschäftsmodell festhalten wolle. „Die Vertriebswege Online-, Filial- und Kataloggeschäft sowie Social Media sind und bleiben wichtig und sollen eng verzahnt werden.“ Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte, abweichend von dem erstellten Konzept seien nach der Übergabe des operativen Geschäfts während der Sommermonate Marketing-Maßnahmen nicht umgesetzt worden. Deshalb liege der Umsatz unter den geplanten Zielen. Die strategische Führung liege nun beim Mehrheitsgesellschafter Droege, die operative Führung beim Weltbild-Management, das derzeit mit Droege ein eigenes Konzept erstelle.

Geiwitz hatte im Sommer dem Düsseldorfer Familienunternehmen den Zuschlag für Weltbild gegeben. Geiwitz, der selbst für die Gläubiger 40 Prozent am Unternehmen hält, wollte Weltbild in Deutschland als Rivalen des US-Versandhändlers Amazon profilieren und erwartete eine baldige Rückkehr in die schwarzen Zahlen. „Wir planen einen marginalen Verlust fürs nächste Geschäftsjahr. Vielleicht gelingt es uns auch, das komplett zu drehen“, hatte er angekündigt.

Die katholische Kirche hatte ihrem defizitären Buchkonzern Anfang des Jahres den Geldhahn zugedreht. Weltbild war im Besitz der deutschen Bistümer zu einer der Branchengrößen aufgestiegen. Doch die Augsburger mussten nach jahrelangen Verlusten einräumen, das Tempo des digitalen Wandels in der Branche unterschätzt zu haben.

Von

rtr

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