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13.09.2011

22:37 Uhr

Bücher im Internet

Amazon plant elektronische Leihbibliothek

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Internethändler Amazon arbeitet an einer digitalen Leihbibliothek. Bei den Buchverlagen stößt die Geschäftsidee auf Ablehnung. Sie fürchten Einbrüche beim Buchverkauf.

Amazons elektronisches Lesegerät Kindle bleibt am deutschen Markt hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem sehen Verleger eine digitale Leihbibliothek skeptisch. dapd

Amazons elektronisches Lesegerät Kindle bleibt am deutschen Markt hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem sehen Verleger eine digitale Leihbibliothek skeptisch.

DüsseldorfDer weltgrößte Internethändler Amazon plant eine elektronische Leihbibliothek. Das Online-Kaufhaus verhandelt derzeit mit amerikanischen Verlagen über den Verleih von elektronischen Büchern. Das berichtete das „Wall Street Journal“.

Amazon will die Verlage an den Leiheinnahmen beteiligen. Zu Beginn sollen nur ältere Bücher verliehen werden. Die Gespräche stehen offenbar noch am Anfang. Amazon wollte sich auf Anfrage gestern dazu nicht äußern.

In Deutschland stoßen die Pläne von Amazon allerdings auf wenig Gegenliebe. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sieht vor allem urheberrechtliche Probleme. „Der springende Punkt ist die Datensicherheit. Die Frage ist: Können Inhalte so geschützt werden, dass kein Missbrauch stattfindet?“, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, dem Handelsblatt.

Grundsätzlich begrüßt die Standesvertretung der Verlage und Buchhändler aber jede Form des digitalen Handels mit Büchern.

Marktexperten befürchten durch eine elektronische Leihbibliothek schwerwiegende Auswirkungen auf den Handel. „Für den Handel sind diese Pläne bedrohlich“, sagt Christian von Zittwitz, Verleger und Herausgeber des „Buchmarktes“. „Autoren und Verleger bekommen ihr Geld bei einer elektronischen Leihbibliothek. Aber der Handel schaut in die Röhre.“

Wie Insider berichten, herrscht beim Thema elektronisches Verleihen von Büchern in Deutschland seitens der Verlage eine große Zurückhaltung. Auch in den USA stößt Amazon bislang noch auf Ablehnung. Laut „Wall Street Journal“ hätten mehrere Verleger bereits abgewinkt und sich „nicht begeistert“ gezeigt. Die US-Buchverlage fürchten, dass sich der Wert des Buches durch das elektronische Verleihen mindert. Schon jetzt leidet der US-Buchhandel unter stark rückläufigen Umsätzen durch den Siegeszug des E-Books.

In Deutschland ist die Lage hingegen anders. Amazon hatte im April sein elektronisches Lesegerät Kindle eingeführt. Allerdings bleibt der Markterfolg hinter den Erwartungen zurück. „Von einem Siegeszug des Kindle kann hierzulande keine Rede sein“, sagt von Zittwitz. Der Kunde sei durch die vielen Lesegeräte verunsichert. Buchhandlungen seien durch die Billigangebote von elektronischen Lesegeräten in den Elektronik-Kaufhäusern genervt.

Amazon nennt bislang keine Absatzzahlen für Deutschland. Nach Firmenangaben werden allerdings bei Amazon weltweit mittlerweile mehr E-Books als gedruckte Bücher verkauft. In Deutschland aber spielt das E-Book bislang eine bescheidene Rolle.

Eine elektronische Leihbibliothek gibt es hierzulande bereits. Das Wiesbadener Unternehmen Divibib will das Geschäftsmodell öffentlicher Bibliotheken in die digitale Welt transportieren. Divibib ist eine Tochter der Reutlinger Ekz Bibliotheksservice GmbH.

Kommentare (1)

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roy.orbison

14.09.2011, 09:13 Uhr

Also ich finde die Onleihe gut. Die Verlage und Autoren können ja an den Verleihlizenzen verdienen. So ist das eben, die Zeiten ändern sich. Aber gelesen wird eben immer noch, das ist doch das Tröstliche

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