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15.08.2014

11:26 Uhr

Bücher und das Internet

Amazon will im Autorenstreit nicht nachgeben

VonHans-Peter Siebenhaar, Lisa Hegemann

ExklusivDer Onlinebuchhändler Amazon pocht im Streit mit der Verlagsgruppe Bonnier auf höhere Margen. Mehr als 500 deutschsprachige Autoren schließen sich bereits dem Protest gegen den US-Internetkonzern an.

Getty Images

Amazon gibt im Streit mit Verlagen und Autoren um eine Erhöhung der Rabatte bei Ebooks nicht nach. Zielscheibe der Kritik ist die Verlagsgruppe Bonnier mit ihren deutschen Verlagen Piper, Ullstein, Carlsen und Thienemann, die sich ebenso wie die französische Verlagsgruppe Hachette gegen höhere Margen für Amazon wehrt. „Bonnier bietet uns die Mehrheit seiner Titel zu Konditionen an, die es für uns wesentlich teurer machen, eine digitale Ausgabe als die gedruckte Ausgabe desselben Titels einzukaufen. Dies ist eine nicht nachvollziehbare Entscheidung“, teilte eine Sprecherin des weltgrößten Online-Buchhändlers auf Anfrage des Handelsblatt am Freitag mit.

Noch verhandelt Amazon mit Bonnier über eine Lösung des Streits. „Wir arbeiten intensiv mit Bonnier daran, Vereinbarungen zu schließen, die mehr im Einklang mit branchentypischen Konditionen in Deutschland sind“, hieß es bei Amazon am Freitag. Nach dem Willen des börsennotierten Internetkonzerns sollten E-Books von den Verlagen den Händlern wie Amazon billiger angeboten. Amazon wirft Bonnier vor, mit seinen Konditionen „deutlich“ von denen anderer führender Verlagshäuser abzuweichen.

Streit mit Bonnier und Hachette: Wie Amazon Autoren bedrängt

Streit mit Bonnier und Hachette

Wie Amazon Autoren bedrängt

Der Online-Versandhändler nutzt seine Macht immer stärker aus – nicht nur gegen Walt Disney. Auch deutsche Autoren fürchten eine Amazon-Diktatur. Dabei geht es längst nicht mehr nur um den Preis.

Der massive Protest gegen Amazon im deutschsprachigen Raum wächst unterdessen weiter. Mittlerweile haben sich schon 555 deutschsprachige Autoren den Protest gegen eine Einschüchterung durch Amazon unterschrieben. Darunter sind neben der österreichischen Literaturnobelpreisträger Elfriede Jelinek auch zahlreiche Erfolgsautoren wie Juli Zeh und Ferdinand von Schirach. Der offene Brief der Autoren ist nun auch auf der Webseite www.fairer-buchmarkt.de erschienen.

Die Unterstützung der Autoren für Bonnier im Kampf gegen Amazon ist groß. „Wir ersehen in unserem Engagement nicht nur eine Solidaritätsbekundung für die betroffenen Schriftsteller, sondern fürchten, dass wenn die Bonnier-Verlagsgruppe fällt, sich dies auch auf andere Verlage - große und kleinere - auswirken wird“, sagte Tobias Kiwitt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes junger Autoren und Autorinnen am Freitag. Amazon beabsichtige, an E-Book-Verkäufen künftig 40 bis 50 Prozent zu verdienen und übe im Kampf um Gewinnmargen mit „abenteuerlichen Methoden“ Druck aus.

Kommentare (4)

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Sergio Puntila

15.08.2014, 11:48 Uhr

Vorschlag zur Güte:
Jeff Bezos schreibt die von Amazon vertriebenen Books/Reader alle selbst und wirft seinen Nickname-Generator dafür an.

Wenn Amazon schon so nah am Publikumsgeschmack dran ist, soll Amazon das doch selbst machen.

Für Sockenpuppenspielchen sollten sich Autoren zu schade sein.
Und der Amazon Kunde kann mit seinem Kindle-Leseverhalten Romanverläufe bestimmen: das ist Service nahest am Publikumsgeschmack.

Und dann ist auch Platz endlich für die vielen Geschichtchen mit denen sich treue Amazon-Kunden endlich auch unsterblich machen können: mit eignenen E-Books, statt mit langweiligen Produktbewertungen.

Herr Markus Korherr

15.08.2014, 12:56 Uhr

Ich habe mein Einkaufsverhalten bei Amazon schon geändert. Jetzt sind auch die Leser gefordert.

Herr Nehal Devanowitch

15.08.2014, 14:38 Uhr

Ich finde das Kaufverhalten der Kunden wirklich seltsam. Selbst bei uns in der Firma kauft die kleinste Sekretärin bei Amazon Waren ein die nachweislich woanders billiger zu bekommen sind. Wir als Hersteller vertreiben bei und durch Amazon und schlagen den, nicht zu verachtenden Aufschlag von Amazon von 15% bis 20% direkt auf den Artikel auf und trotzdem kaufen die Kunden 300% mehr bei Amazon als direkt in der selbigen Anzeige beim Hersteller.
Hinzu kommt noch die manipulierten Suchergebnisse von Amazon und konsorten. Ich kann nicht verstehen dass der Käufer nur oberflächlich die Situation betrachtet und nicht tiefer schürft. Ich denke nicht dass dies eine Sache des Geldes ist sondern eine Frage der Faulheit.

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