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06.02.2016

10:16 Uhr

Bundesliga bei Sky

Die zwei Verlierer des Fußball-Pokers

Wie werden Sky und die Fans darauf reagieren? Live-Spiele der Fußball-Bundesliga könnten von der Saison 2017/18 an nicht mehr bei nur einem Pay-TV-Anbieter zu sehen sein. Millionen Fußballfans bräuchten dann zwei Abos.

Bisher brauchen Fußball-Fans nur ein Bezahlfernseh-Abo, wenn sie alle Spiele der Bundesliga live sehen wollen. Das wird sich künftig ändern. dpa

Sky

Bisher brauchen Fußball-Fans nur ein Bezahlfernseh-Abo, wenn sie alle Spiele der Bundesliga live sehen wollen. Das wird sich künftig ändern.

FrankfurtDer Aufschrei von Millionen Fußball-Fans ist nur eine Frage der Zeit: Von Mitte 2017 an brauchen sie aller Voraussicht nach zwei Bezahlfernseh-Abos, wenn sie weiter alle Spiele der Bundesliga live sehen wollen. Denn wenn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in den nächsten Wochen die Übertragungsrechte für die TV-Rechte ausschreibt, darf sie nicht mehr allein Sky den Zuschlag für das Pay-TV geben.

Das Bundeskartellamt und die DFL sind sich nach Angaben mehrerer mit den Verhandlungen vertrauter Personen darin einig, dass die Pay-TV-Rechte nicht mehr nur an einen Bieter vergeben werden sollen („No-Single-Buyer“). Das ist für die Zuschauer, die künftig wohl mehr zahlen müssen, eine schlechte Nachricht. Auch Sky muss tiefer in die Tasche greifen - für weniger Spiele.

TV-Rechte: Was Fernsehsender für den Fußball zahlen

Bundesliga I

In der Bundesliga fließt Geld an die Klubs seit 1965. Am Anfang waren es mit umgerechnet gut 330.000 Euro, doch dieser Betrag erhöhte sich Schritt für Schritt. Einen richtig großen Sprung machte Bundesliga aber erst Ende der achtziger Jahr mit einem Volumen von mehr als 20 Millionen Euro.

Bundesliga II

In den neunziger Jahren wurde die Marke von 100 Millionen Euro pro Saison gerissen. In den folgenden Jahren vervierfachte sich der Betrag bis 2013 auf mehr als 400 Millionen Euro.

Bundesliga III

Aktuell sind folgende Erlöse für die 1. und 2. Bundesliga vereinbart, wie auf der Internetseite Fußball und Geld nachzulesen ist:
2014/2015: 642 Millionen (1. Bundesliga: 513,6 / 2. Bundesliga: 123,4)
2015/2016: 663 Millionen (1. Bundesliga: 531 / 2. Bundesliga: 132)
2016/2017: 673 Millionen (1. Bundesliga: 539 / 2. Bundesliga: 134)

Bundesliga IV

Ein neuer Vertrag muss also vorerst nicht ausgehandelt werden. Allerdings kursiert bereits die Erwartung, dass die Einnahmen aus TV-Rechten spätestens 2017 die Milliardengrenze erreichen.

Premier League

Vorbild dafür ist die englische Premier League, die bereits über die Milliardengrenze gesprungen ist. Mehr noch: Ab 2016 steigen dort die TV-Einnahmen auf mehr als zwei Milliarden Euro pro Saison - allein aus dem Inland.

Serie A

In Italien wurde ein Vertrag für den Zeitraum 2015 bis 2018 geschlossen. Die Serie A erhält danach 943 Millionen Euro. Das sind 114 Millionen mehr als im Zeitraum von 2011 bis 2014.

Ligue 1

Der französische Profifußball hat einen neuen Vertrag ab 2016 geschlossen. Danach kassiert die Liga pro Saison 748,5 Millionen Euro – also deutlich weniger als in Italien und vor allem England.

Primera Division

Anders ist die Situation in Spanien. Dort vermarktet sich nicht die Liga, sondern es verkaufen die Klubs ihre TV-Rechte einzeln. Deshalb schaffen beliebte Vereine wie Madrid und FC Barcelona seit Jahren hohe Millionenbeträge, während die meisten anderen deutlich weniger erlösen.

Fifa

Schon 2011 hat die Fifa für die von ihr veranstalteten Weltmeisterschaften TV-Rechte vergeben. Dies betraf den Zeitraum 2015 bis 2022. Es ging dabei um einen von 1,85 Milliarden US-Dollar.

Die Liveübertragung der Bundesliga-Partien ist das stärkste Verkaufsargument für die Pay-TV-Plattform. Nur dank ihr konnte der Medienmogul Rupert Murdoch die Zahl der Abonnenten in Deutschland auf 4,5 Millionen steigern und nach jahrelangen Verlusten Gewinne schreiben.

DFL-Chef Christian Seifert setzt darauf, dass Murdoch den langen Atem behält, mit dem er den deutschen Sky-Ableger zum Erfolg führen will. Vorbild ist der britische Schwestersender, der satte Gewinne abwirft - weil die Zuschauer akzeptiert haben, dass Live-Fußball viel Geld kostet.

Seifert hat sich zum Ziel gesetzt, die Einnahmen aus der TV-Rechte-Verwertung von 2017 an auf mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr zu erhöhen, um den finanziellen Abstand zur englischen Premier League zu verkürzen.

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