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26.08.2013

16:04 Uhr

Carlos Slim

Der reichste Mann der Welt verkauft E-Plus

VonMartin Dowideit, Christof Kerkmann

Wenn in Mexiko das Telefon klingelt, verdient Carlos Slim immer mit: Der Milliardär dominiert den Kommunikationsmarkt seines Landes. Auch in Deutschland mischt er mit – der Fusion von E-Plus und O2 gibt er seinen Segen.

Unternehmer und Milliardär: Carlos Slim mischt den europäischen Telekommunikationsmarkt auf. AP

Unternehmer und Milliardär: Carlos Slim mischt den europäischen Telekommunikationsmarkt auf.

DüsseldorfDen ersten Job hatte ihm sein Vater gegeben. Als Junge half Carlos Slim, indem er in Mexiko-Stadt durch die Läden der konkurrierenden Händler zog und dort die Preise notierte. Der Vater hielt so den Markt im Blick und der Sohn entwickelte ein Preisbewusstsein, das ihm während seiner Karriere zum reichsten Mann der Welt hilfreich wurde.

Das Slim'sche Preisempfinden bekam in den vergangenen Wochen Telefónica Deutschland zu spüren. Das Unternehmen will seine Mobilfunkmarke O2 mit dem Geschäft von E-Plus zusammenführen. Ein erstes Angebot prallte am Widerstand des 73-jährigen Slim ab. Denn der Mexikaner ist Großaktionär der E-Plus-Mutter, des niederländischen Telekom-Konzerns KPN. Bald will er sich dort sogar zum Alleineigner aufschwingen.

Slim äußerte sich öffentlich zwar nicht zu dem E-Plus-Verkauf, doch seine Emissäre im KPN-Aufsichtsrat hatten die Ablehnung der Offerte durch Slim übermittelt. Telefónica sah einen Abschluss der Transaktion gefährdet und versüßte die Offerte. E-Plus wird jetzt mit 8,55 Milliarden Euro bewertet, teilte die O2-Mutter am Montag mit. Das sind 11 Prozent mehr als beim ersten Angebot. Allein für Slims bisherigen KPN-Anteil bedeutet das einen Aufschlag von etlichen hundert Millionen Euro. Zumindest wenn die Kartellbehörden dem Deal zustimmen – mit dem Zusammenschluss entstünde in Deutschland eine neue Nummer 1.

Auch wenn er öffentlich bekundet, dass es für ihn keinen Lebensleistung sei, wirtschaftlichen Erfolg zu haben: Slim ist ein knallharter Geschäftsmann. Derzeit bereitet er die Europa-Offensive seines mexikanischen Mobilfunkunternehmen América Móvil vor, die den den hiesigen Markt umkrempeln könnte.

Die größten Mobilfunker der Welt

Platz 1

China Mobile

Umsatz: 92,3 Milliarden Euro
Mobilfunkverbindungen: 790,6 Millionen

Platz 2

Vodafone Group (Großbritannien)

Umsatz: 58,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 435,9 Millionen

Platz 5

América Móvil Group (Mexiko)

Umsatz: 35,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 266,9 Millionen

Platz 6

Telefónica Group (Spanien)

Umsatz: 42,0 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 249,4 Millionen

Platz 3

China Unicorn

Umsatz: 29,9 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 295,0 Millionen

Platz 6

Verizon Wireless (USA)

Mobilfunkverbindungen: 114,5 Millionen (+ 5 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 65 Milliarden Dollar (+ 7 Prozent)

Platz 7

VimpelCom Group (Niederlande)

Umsatz: 15,8 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 218,2 Millionen

Platz 8

Orange Group (Frankreich)

Umsatz: 22,4 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 184,6 Millionen

Platz 9

Bharti Airtel Group (Indien)

Mobilfunkverbindungen: 259,8 Millionen (+ 7 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 12,6 Milliarden Dollar (+ 6 Prozent)

Platz 10

AT&T Mobility (USA)

Mobilfunkverbindungen: 107,3 Millionen (+ 3 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 59,7 Milliarden Dollar (+ 4 Prozent)

Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom landet auf Platz 12 mit 111 Millionen Kunden und einem Mobilfunkumsatz in Höhe von 33,37 Milliarden Dollar (minus drei Prozent).

Slim hält derzeit 30 Prozent an KPN und will auch den Rest des niederländischen Konzerns übernehmen. Dafür bietet er sieben Milliarden Euro. Deswegen liegt ihm so viel daran, für die KPN-Tochter E-Plus möglichst viel herauszuschlagen. Gleichzeitig kämpfen seine Firma América Móvil und Telefónica in vielen Ländern Lateinamerikas um die Vorherrschaft – da dürfte dem Milliardär gelegen kommen, dass der Rivale für seine Aktivitäten in Europa mehr ausgeben muss. Slim selbst ist außerdem als Großaktionär an der Telekom Austria in Österreich beteiligt.

Den Großteils seines Vermögens, das vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ auf 73 Milliarden Dollar und dem Wirtschaftsdienst Bloomberg auf jüngst 65,6 Milliarden Dollar geschätzt wird, machte Slim im Telekommunikationssektor. Der entscheidende Schachzug war ihm 1990 bei der Privatisierung der staatlichen mexikanischen Telefongesellschaft Telmex gelungen. Er zahlte seinerzeit für das Unternehmen rund 1,8 Milliarden Dollar an den Staat. Nach der Meinung von Experten war Telmex ein Vielfaches wert. Slim weist den Vorwurf zurück.

Kommentare (4)

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orakel

26.08.2013, 17:43 Uhr

Carlos Slim hat Kapitalismus pur im Blut, er kann den Hals nicht voll kriegen. Eines Tages wird auch er als nackter Mann im Sarg liegen...

Account gelöscht!

26.08.2013, 18:49 Uhr

Das muss mir mal jemand erklären: da geht ein hoch verschuldetses Unternehmen aus dem Pleiteland Spanien, das derzeit von Schäuble KfW Kredite bekommt und von der EU finanziert wird (=auch duetsche Steuergelder)her udn kauft hier Unternehmen ein. Auszug aus der Presseerkläruneg: .. und 3,7 Milliarden Euro in Bar erhält ... Im zweiten Teil der Transaktion wird Telefónica, S.A. für einen Betrag von 1,3 Milliarden Euro.
Wie geht das?
Was spanisches Management bedeutet sieht man an der Alpine Bau = pleite, an Hochhausbauten ohne Aufzug u.v.m.
Wenn dieser Deal durchgeht, und ich habe keine Zweifel, daß das Kartellamt zustimmt, dann gehts bergab mit den Mitarbeitern, der Qualität (auch Schlechtes kann sich noch verschlechtern) und bergauf mit den Preisen.
Unglaublich was mit unseren Geldern geschieht, nur weil so vieles systemrelvant udn alternativlos ist.

gast

27.08.2013, 09:06 Uhr

Ich finde, das es keine tolle Entscheidung für einen knallharten Geschäftsmann war. Unter dem Strich, ist er mit seinem Investment in KPN immer noch in den Miesen. Und seine KPN ist nach dem Verkauf von E-Plus nur noch ein Schrottladen. Lediglich auf dem kleinen holländischen und belgischen Markt beschränkt. Seine Strategie ist ein ziemliches Rumgeeiere. Da steckt irgendwie keine langfristige Idee dahinter. Vielleicht ist es auch schon zu alt dafür.

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