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06.01.2011

10:00 Uhr

CES in Las Vegas

Konsumelektronik-Branche bläst zur Jagd auf Apple

VonAxel Postinett

Bei der Messe für Konsumelektronik in Las Vegas präsentieren sich die Hersteller von PCs oder TV-Geräten in bester Laune. Die Verbraucher sind weltweit im Kaufrausch. Vor allem der Markt für Tablet-PCs verspricht riesiges Wachstum – und ruft Apple-Nacheiferer en masse auf den Plan.

Vorbereitungen am Intel Stand der CES 2011: Auf der ersten Leitmesse des Jahres sind die Erwartungen hoch. Reuters

Vorbereitungen am Intel Stand der CES 2011: Auf der ersten Leitmesse des Jahres sind die Erwartungen hoch.

LAS VEGAS. Krise? Welche Krise? Ab dem heutigen Donnerstag präsentiert die Konsumelektronikindustrie in der Glitzerwelt von Las Vegas ihre neuesten Produkte und die Businesstrends für das Jahr 2011.

Die Stimmung auf der CES, der ersten Leitmesse des Jahres, könnte kaum besser sein. Eine Flut neuer Tablet-Computer wird erwartet, die Apples Dominanz beim iPad beenden sollen, internetfähige TV-Geräte werden zum Massenmarkt, GPS-Chips und Sensoren aller Art, vom Luftdruckmesser bis zum Lagesensor, halten in den unmöglichsten Geräten Einzug und eröffnen völlig neue Anwendungen. Kleine Apps, Software aus dem Web für Fernseher, Auto oder Smartphone, machen es möglich. Smartphones etwa werden mit Hilfe von Luftdruckmessung die Höhe feststellen und damit die Navigation innerhalb von Gebäuden auf das Stockwerk genau ermöglichen.

Bis zu 80 neue Tablet-PCs

Und die Kunden kaufen. Der Konsumelektronik-Weltmarkt wird nach den Schätzungen des amerikanischen Branchenverbandes CEA (Consumer Electronics Association) 2011 um gut zehn Prozent auf ein Rekordvolumen von rund 964 Milliarden Dollar wachsen, nachdem er schon 2010 unerwartet stark um 13 Prozent auf 873 Milliarden Dollar zulegen konnte. "Ich persönlich glaube sogar, dass wir die Billionen-Grenze schaffen werden", zeigt sich Steve Koening, Chef-Analyst des Verbandes, in Las Vegas optimistisch.

Tablet-PCs werden dabei eine entscheidende Rolle spielen. Der unerwartete Erfolg von Apples iPad hat viele Nachahmer auf den Plan gerufen, bis zu 80 Tablet-Rechner werden in drei Tagen vorgestellt werden. Der Markt ist riesig - mit Wachstumsraten von 160 Prozent. Von Microsoft wird für diese Art der kleinen Flachcomputer mit Berührungsbildschirm ein eigenes Windows erwartet, das in Las Vegas angekündigt werden soll.

Woher kommt dieser Kaufrausch inmitten einer noch lange nicht ausgestandenen globalen Wirtschaftskrise? "Das ist der sichtbare Ausfluss eines fundamentalen Wandels in der Lebenseinstellung vieler Menschen", ist Charles Hartley, Analyst bei der Unternehmensberatung Accenture in New Jersey, überzeugt. Der elegante Internet-Fernseher, der modische Tablet-Computer, ein ausgefallenes Designer-Smartphone: Konsumelektronik sei zu einem wichtigen Teil ihres alltäglichen Lebensstils geworden. Das High-Tech-Spielzeug steht in der Werteskala heute gleichberechtigt neben Kleidung oder Auto, hat eine aktuelle weltweit durchgeführte Accenture-Studie festgestellt.

Außerdem werden Geräte heute schneller ausgetauscht. Ein technisch einwandfreies Smartphone oder ein funktionierender Tablet-PC kann schon nach einem Jahr völlig aus der Mode gekommen sein und durch ein neues Modell ersetzt werden. So wie Anzüge.

Gleichzeitig manifestiert der Aufschwung eine tektonische Verschiebung innerhalb der globalen Märkte: War Nordamerika 2007 umsatzmäßig mit 24 Prozent noch der mit Abstand größte Einzelmarkt der Branche, ist der Anteil heute auf 15 Prozent geschrumpft und damit gleichauf mit China. "China wird immer stärker", bestätigt Steve Koening. Fasst man die Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) zusammen, liegt deren Marktanteil heute mit über 37 Prozent fast gleichauf mit dem von Nordamerika und Westeuropa zusammen mit rund 39 Prozent. Accenture-Analyst Hartley: "Es ist ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, die Käufer in den Bric-Staaten suchen lieber Billigprodukte. Das Gegenteil ist der Fall. Die urbane Bevölkerung in den Bric-Staaten hat mit ihrem Hunger nach und ihrer Offenheit für neueste Technologie längst die gesättigten Märkte überholt." Gut 84 Prozent der befragten Inder hätten angegeben, sie wären bereit, für neueste Funktionen auch höhere Preise für ein Smartphone zu zahlen.

Die Lehren, die Hersteller und Handel aus diesen Veränderungen ziehen müssen, um den Lifestyle-Kampf zu gewinnen, liegen auf der Hand, sagt Hartley: Die Elektronikindustrie müsse sich in Zukunft stärker und schneller an die Veränderungen der Konsumgewohnheiten anpassen, vergleichbar mit jungen Modefirmen wie Zara oder H&M.

Alle Welt wartet auf das neue iPad

Trendsetter in dieser Hinsicht ist zweifellos mal wieder Apple. Obwohl die Firma aus Cupertino - wie es schon alte Tradition ist - gar nicht auf der CES vertreten ist, wird doch permanent über sie gesprochen. Während Firmen wie Asus, Lenovo oder MSI ihre Tablet-PCs zeigen, wartet alle Welt auf Apples iPad 2, das voraussichtlich in wenigen Wochen gezeigt wird. Daran werden sich alle messen lassen müssen.

Weniger populär, aber wichtig: Der Chip-Designer AMD präsentierte auf der Consumer-Electronics-Show Einzelheiten seiner neuen Chip-Familie "Fusion". Die Prozessoren basieren auf einer neuartigen Architektur, bei der neben der Recheneinheit (CPU) auch ein Grafikchip (GPU) auf einem einzigen Stück Silizium (dem sogenannten Die) aufgebracht ist.

Kommentare (2)

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felix schenk

06.01.2011, 12:59 Uhr

habe die CES bisher sehr intensiv verfolgt, inkl. der microsoft keynote.
wenn DAS der vielzitierte "großangriff auf apple" sein soll, kann sich steve jobs völlig entspannt zurücklehnen.

einzig das konzept von motorola war zumindest interessant.

knopfauge

06.01.2011, 16:32 Uhr

Dem kann ich nur zustimmen. ich finde auch nicht alles toll was Apple macht, aber das was Microsoft macht ist ja wohl so schlecht. Mir reicht schon der Anblick dieses hässlichen Slider PCs...

Auch wird mir beim Anblick der All in One PCs von anderen Anbietern schlecht. billig verarbeitet bis auf´s letzte. Nein, da ist es mir auch egal ob ich 200€ mehr bezahle.
Widerrum egal, und was ich nie machen würde, ist eine 1-jähriges Gerät. ich würde nie auf die idee kommen das dann gleich wieder auszutauschen. Aber das liegt wohl daran, dass ich nicht im Geld schwimme. Glücklich bin ich trotzdem!

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