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11.04.2006

18:16 Uhr

Chancen für neuen Titel umstritten

Springer startet in Polen Pendant zur „Welt kompakt“

Der „Bild“-Herausgeber Axel Springer wagt sich mit einer zweiten Tageszeitung auf den heiß umkämpften polnischen Zeitungsmarkt.

HB BERLIN. Die als Qualitätszeitung konzipierte „Dziennik“ (polnisch für Tageszeitung) erscheint am 18. April im gleichen Kleinformat wie die „Welt kompakt“, wie der Berliner Konzern am Dienstag in Berlin mitteilte. Springer startet am Mittwoch eine landesweite Werbekampagne für das 1,50 Zloty (knapp 40 Cent) teure Blatt und erwartet mittelfristig eine Auflage von 150 000 Exemplaren. „Der Titel richtet sich an eine junge und gebildete Leserschaft, die sich gleichermaßen für polnische, europäische und internationale Themen interessiert“, erläuterte der Verlag.

Chefredakteur ist laut Mitteilung Robert Krasowski. Der 40-Jährige sei bisher leitend in der Redaktion des Boulevardblattes „Fakt“ tätig gewesen, das Springer im Oktober 2003 in Polen eingeführt hatte. Das Blatt habe bereits ein Jahr nach Einführung die Gewinnzone erreicht und sei heute mit eine verkauften Auflage von 520 000 Exemplaren die meistverkaufte Tageszeitung in Polen.

Der Verlag, der in Polen auch mehrere Magazine herausgibt, erwirtschaftet einen wachsenden Anteil seiner Umsätze und seines Gewinns im Ausland, wozu „Fakt“ maßgeblich beiträgt. Nach dem am Widerstand der Kartellbehörden gescheiterten Einstieg bei der Fernsehgruppe ProSiebenSat.1 hatte der Konzern neue Zeitungsgründungen in Aussicht gestellt. Neben Osteuropa Ländern hat der Konzern auch Frankreich und Spanien im Blick.

Kenner der Zeitungsbranche in Polen sind sich uneins über die Chancen des neuen Titels. Springers wichtigster Konkurrent auf dem polnischen Markt, die Mediengruppe Agora, hatte erst im Februar nach nur drei Monaten seine Verlust bringende Boulevard-Zeitung „Nowy Dzien“ vom Markt genommen, da sie die Zielauflage von 250 000 weit verfehlt hatte. Einige Analysten glauben aber, dass sich die Springer-Neugründung dank vieler von führenden Titeln abgeworbenen Journalisten durchaus etablieren könnte. Zudem verfügt Springer über finanzielle Schlagkraft: Im vergangenen Jahr hatte der Konzern seine Netto-Liquidität auf über 300 Mill. Euro fast verdoppelt. „Wir sind überzeugt, dass es in Polen noch Potenzial für eine weitere Qualitätszeitung gibt“, erklärte der Chef von Axel Springer Polska, Florian Fels.

Agora gibt in Polen auch Springers künftiges Konkurrenzblatt „Gazeta Wyborcza“ heraus, mit einer Auflage von rund 400 000 nach „Fakt“ die Nummer zwei unter Polens Tageszeitungen. Die norwegische Orkla kontrolliert mit der „Rzeczpospolita“ ein weiteres Blatt mit einer ähnlichen Zielgruppe.

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