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13.01.2015

06:44 Uhr

„Charlie-Hebdo“-Ausgabe

„Alles ist vergeben“

Am Mittwoch erscheint das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ das erste Mal seit den verheerenden Terroranschlägen, bei denen 17 Menschen starben. Schon das Cover zeigt: Die Journalisten lassen sich nicht einschüchtern.

Das Cover der neuesten Ausgabe des Satiremagazins „Charlie Hebdo“: Das Bild soll den Propheten Mohammed zeigen, darüber steht „Tout est pardonné“ - „Alles ist vergeben“. dpa

Das Cover der neuesten Ausgabe des Satiremagazins „Charlie Hebdo“: Das Bild soll den Propheten Mohammed zeigen, darüber steht „Tout est pardonné“ - „Alles ist vergeben“.

ParisDas religionskritische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ stemmt sich eine Woche nach dem von Islamisten in Paris verübten Anschlag gegen den Terror. Mit einer Zeichnung des Propheten Mohammed auf dem Titel und einer Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren soll an diesem Mittwoch die neue Ausgabe der Zeitschrift erscheinen. Nach den Anschlägen islamistischer Terroristen verstärkt Frankreich mit einem Aufgebot von 10.000 Soldaten massiv die Sicherheitsvorkehrungen, wie Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian unterdessen am Montag ankündigte.

Das am Montagabend vorab veröffentlichte Titelbild des Magazins zeigt eine Zeichnung des Propheten Mohammed, der trauernd ein Schild mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ (deutsch: Ich bin Charlie) in den Händen hält. Über der Zeichnung steht in großen Buchstaben „Tout est pardonné“ (deutsch: Alles ist vergeben).

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Der Anwalt des Magazins, Richard Malka, teilte am Montag mit, der Geist von „Je suis Charlie“ bedeute auch ein „Recht auf Blasphemie“. Seit 22 Jahren habe es keine Ausgabe des Magazins gegeben, in dem nicht der Papst, Jesus Christus, Bischöfe, Rabbiner, Imame oder der Prophet Mohammed karikiert worden seien.

Am Dienstag nimmt Frankreich Abschied von den drei bei den Terroranschlägen erschossenen Polizisten. Zu der Veranstaltung in der Polizeipräfektur in Paris wird auch Präsident François Hollande erwartet. Beim Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ waren ein Polizist und ein als Personenschützer abgestellter Beamter getötet worden. Im Süden der Stadt wurde eine Polizistin erschossen. Insgesamt starben bei den Anschlägen 17 unschuldige Opfer sowie die drei Terroristen.

Das enorme Interesse weltweit nach dem blutigen Anschlag rechtfertige die hohe Auflage von drei Millionen Exemplaren, teilte der Vertrieb MLP am Montag mit. Nach dem Angriff war zunächst eine Rekordauflage von einer Million angekündigt worden. Üblicherweise werden 60.000 Exemplare gedruckt, von denen etwa 30.000 verkauft werden. Nach dem Angriff lägen nun Anfragen aus aller Welt für die neue Ausgabe vor, teilte der Vertrieb mit. Das Magazin erscheint in 16 Sprachen. Statt der üblichen 16 Seiten sind diesmal nur acht vorgesehen.

Kommentare (17)

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Herr Günther Schemutat

13.01.2015, 07:52 Uhr

Die Zeichner haben mit dem Bild des Propheten Mohammed und der
Unterschrift : Ich bin Charlie den Nerv aller Terroristen bis in das Mark getroffen.

Das Bild sollte in jeder Moschee Frankreichs am Eingang hängen.

Herr Teito Klein

13.01.2015, 08:50 Uhr

„Tout est pardonné“
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Das finde ich gut von Charlie Hebdo!
Die Terroristen finden das natürlich nicht gut!

Die linksgerichtete "Libération" hatte die verbliebenen Mitarbeiter von "Charlie Hebdo" in ihren Redaktionsräumen untergebracht.

Das ist ein Zeichen von gelebter Solidarität.

Account gelöscht!

13.01.2015, 08:52 Uhr

Und diese islamfeindliche Zeichnungen finden die Anti-Pegida Demonstranten von der Grün-Roten Terrorfront unter der Leitung von Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen dann GUT, oder WAS????!

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