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11.01.2005

07:54 Uhr

Chef des Pay-TV-Kanals sieht günstiges Umfeld für Aktienausgabe – Abonnentenzahl klettert kräftig

Premiere will zügig an die Börse

Georg Kofler, Chef des Bezahlfernsehkanals Premiere, will das Münchener Unternehmen so schnell wie möglich an die Börse bringen. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er an eine erfolgreiche Platzierung in nächster Zeit glaubt.

jojo MÜNCHEN. „In den nächsten Tagen werden sich die Aktionäre über die Emission unterhalten“, sagte der Manager dem Handelsblatt. Kofler ließ keinen Zweifel daran, dass er an eine erfolgreiche Platzierung in nächster Zeit glaubt: „Im Moment ist das Umfeld an den Börsen gut“, ergänzte er.

Rückenwind bekommt der Premiere-Chef vom guten Weihnachtsgeschäft. Alleine im Dezember kletterte die Zahl der Abonnenten um mehr als 162 000, teilte das Unternehmen gestern mit. Insgesamt haben nun 3,25 Millionen Menschen Premiere abonniert. Das sind knapp zwölf Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Kofler machte zwar keine Angaben zu Umsatz und Ertrag. Die Ergebnisse seien jedoch „ermutigend“, sagte der 47-Jährige. Erklärtes Ziel war ein Umsatz von knapp einer Mrd. Euro. Die neuen Abos seien nicht durch Preisdumping hereingeholt worden. Viele Kunden hätten sich für die teureren, umfassenden Programmpakete entschieden.

Premiere wurde erst Ende vergangenen Jahres in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Derzeit ist die Kapitalgesellschaft Permira mit knapp 55 Prozent beteiligt. Zweitgrößter Gesellschafter ist Kofler selbst mit 20,5 Prozent. Dazu kommen die Bayerische Landesbank und die Hypo-Vereinsbank mit jeweils zehn Prozent sowie kleinere Anteilseigner.

Am Wochenende hatte Permira-Chef Thomas Krenz mit Äußerungen für Aufsehen gesorgt, Premiere müsse nicht unbedingt im laufenden Jahr an die Börse. Zudem sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, das Angebot potenzieller Investoren liege momentan deutlich unter dem fairen Wert, den Investmentbanker nennen würden. „Es gibt keine Notwendigkeit, unbedingt zu verkaufen“, betonte Krenz.

Bei Premiere-Vorstandschef Kofler ist von solcher Zurückhaltung jedoch nichts zu spüren: „Der Zug in Richtung Börse fährt unverändert weiter“, unterstrich er gestern. Kofler hatte 1997 im Auftrag von Leo Kirch bereits den TV-Sender Pro Sieben erfolgreich an die Börse geführt. Der gescheiterte Medienunternehmer Kirch hatte Kofler vor drei Jahren an die Spitze von Premiere geholt. Das Kirch-Imperium ging dann jedoch unter anderem wegen der Milliardenverluste von Premiere pleite. Die Konzernteile wurden daraufhin alle einzeln verkauft.

Kofler gelang es seitdem, Premiere aus den roten Zahlen herauszuführen. Im dritten Quartal 2004 schrieb die Firma erstmals in ihrer Geschichte einen Nettogewinn. Allerdings hat Premiere jetzt auch zum ersten Mal einen Konkurrenten im Bezahlfernsehen. Seit einigen Monaten bietet der Netzbetreiber Kabel Deutschland TV-Programme im Abonnement an. Teilweise überschneiden sich die Angebote sogar.

Kofler wirbt um potenzielle Investoren vor allem mit der Aussicht auf weiter stark steigende Abonnentenzahlen. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sei der Marktanteil des Pay-TV in Deutschland gering, betonte der promovierte Kommunikationswissenschaftler. Vier von fünf Euro erwirtschaftet Premiere durch seine Abonnenten.

Bei nahezu gleichen Fixkosten erhöht jeder zusätzliche Abonnent den Gewinn, so das Kalkül von Kofler. Darüber hinaus verdient Premiere durch Pay-per-View-Angebote und Werbung. Damit die neu gewonnenen Kunden nach Weihnachten nicht gleich wieder abspringen, startet der Kanal kommenden Montag ein neues Kundenbindungsprogramm. So soll die Kündigungsquote bei Premiere von derzeit knapp 14 Prozent auf unter 13 Prozent sinken.

Dabei sollen die Zuschauer durch Programm- und Sachprämien noch stärker als bisher in die Fernsehsessel gelockt werden. Jeder Premiere- Abonnent verbringt täglich im Schnitt 217 Minuten vor dem Fernseher. Das sind sieben Minuten mehr als der Durchschnitt aller TV-Gucker hier zu Lande.

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