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13.01.2011

15:04 Uhr

Chefregulierer Matthias Kurth

„Bestimmte Regeln müssen eingehalten werden“

VonSandra Louven

Seit Monaten erhitzt die Debatte über Vorfahrtsscheine für den Internetverkehr weltweit die Gemüter. Der deutsche Chefregulierer Matthias Kurth erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt, was er duldet und was nicht - und warum er im Grundsatz nichts gegen unterschiedliche Geschwindigkeiten im Netz hat.

Matthias Kurth: Im Grundsatz keine Einwände gegen unterschiedliche Geschwindigkeiten im Internet. dpa

Matthias Kurth: Im Grundsatz keine Einwände gegen unterschiedliche Geschwindigkeiten im Internet.

Herr Kurth, die Telekom will im Internet verschiedene Geschwindigkeitsstufen einbauen. Es sollen sogar Inhalte eines einzelnen Anbieters im Netz gegen Gebühr Vorrang vor Inhalten erhalten, für die nicht gezahlt wurde. Wie stehen Sie dazu?

Matthias Kurth: Ein solcher Plan ist mir nicht bekannt. Die Bevorzugung eines bestimmten Inhalteanbieters fände ich sehr bedenklich, weil es gegen den Grundsatz der Netzneutralität verstoßen könnte. Die besagt unter anderem, dass Inhalte derselben Kategorie gleich behandelt werden müssen. Es kann also nicht sein, dass ein Netzbetreiber die Videos etwa von Youtube schneller transportiert als die Filme eines Konkurrenten. Wir als Endkunden müssen die Freiheit haben, zwischen verschiedenen Inhaltsangeboten wählen zu können.

Dann sind Sie also grundsätzlich gegen die Einführung von Qualitätsklassen?

Kurth: Nein, ich habe überhaupt nichts gegen zwei oder mehr Geschwindigkeiten im Netz. Wieso sollte man verhindern, dass es ein besseres, wohlfahrtsteigerndes Angebot gibt? Aber es müssen dabei bestimmte Regeln eingehalten werden. Dazu gehört, Inhalte derselben Kategorie nicht unterschiedlich zu behandeln. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn etwa Telefonate schneller durch das Netz geleitet werden als E-Mails.

Wenn bestimmte Inhalte in Stoßzeiten bevorzugt werden, führt das automatisch dazu, dass der Rest noch langsamer wird.

Das ist ein großes Missverständnis. Es ist ja nicht so, dass ein bestehender Kuchen nur umverteilt wird. Der Kuchen, also die Kapazität in den Netzen, wächst sehr dynamisch. Die Netzbetreiber müssen dabei sicherstellen, dass auch alle Inhalte, für die nicht gezahlt wurde, von diesem technischen Fortschritt profitieren.

Was macht Sie sicher, dass die Netze schneller werden?

Daran führt gar kein Weg vorbei. Schließlich bauen nicht nur die Telekomkonzerne ihre Netze aus. Die Inhalteanbieter wie Youtube oder Facebook stellen immer mehr Server überall auf der Welt auf. Dadurch verkürzt sich die Strecke, die ihre Inhalte in den Netzen zurücklegen, was die Übertragung beschleunigt. Das alles führt dazu, dass wir einen dramatischen weiteren Fortschritt bei der Geschwindigkeit erleben werden.

Die amerikanische Regulierungsbehörde FCC hat Regeln zur geplanten Datenmaut erlassen. Wann geben Sie für Deutschland die Richtung vor?

Die Regeln der FCC sind sehr abstrakt. Nach europäischem Rechtsrahmen kann ein Unternehmen, das seine marktbeherrschende Stellung im Hinblick auf Netzneutralität missbräuchlich ausnutzt, schon heute effektiv sanktioniert werden. Bislang gibt es auf der Welt nicht einen einzigen solchen Vertrag zwischen einem Netzbetreiber und einem Anbieter von Inhalten, deswegen ist es eine sehr theoretische Diskussion. Lassen Sie uns ein konkretes Angebot abwarten, und dann werden wir es prüfen.

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