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08.04.2013

09:51 Uhr

Chinesischer Netzwerkausrüster

Huawei will zehn Prozent jährlich wachsen

Das Geschäft mit Cloud-Computing und Smartphones lohnt sich: Der chinesische Telekomriese Huawei hat den langjährigen Weltmarktführer Ericsson eingeholt. Das robuste Wachstum soll anhalten.

Das Smartphone- und Tablet-Geschäft boomt: Huawei blickt deswegen optimistisch in die Zukunft. Reuters

Das Smartphone- und Tablet-Geschäft boomt: Huawei blickt deswegen optimistisch in die Zukunft.

Shenzhen/PekingDer chinesische Telekommunikationsriese Huawei will in den nächsten fünf Jahren um zehn Prozent jährlich wachsen. Der Boom bei den Smartphones und im Cloud-Computing mit der Auslagerung von Daten und Programmen ins Internet soll dem Geschäft weiter kräftig Schwung verleihen. Im vierten Quartal 2012 ist Huawei erstmals zum drittgrößten Smartphone-Hersteller nach Apple und Samsung aufgestiegen, wie aus dem geprüften Jahresbericht hervorgeht, der am Montag im südchinesischen Shenzhen vorgelegt wurde.

Im vergangenen Jahr stieg der Gesamtumsatz um acht Prozent auf 220 Milliarden Yuan (27,3 Milliarden Euro), wie schon Ende Januar anhand vorläufiger Zahlen berichtet worden war. Damit hat der dynamisch wachsende chinesische Netzwerkausrüster den bisherigen Marktführer Ericsson eingeholt, der 2012 weitgehend unverändert 227,8 Milliarden schwedischen Kronen Umsatz (27,09 Milliarden Euro) erzielt hat. Huawei steigerte seinen Gewinn im vergangenen Jahr um 32 Prozent auf 15,4 Milliarden Yuan (1,9 Milliarden Euro).

Der Anteil des Netzwerkgeschäfts soll bis 2017 von heute 73 auf 60 Prozent abnehmen, wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg den Huawei-Vizechef Guo Ping zitierte, der gegenwärtig das Unternehmen führt. Vor dem Hintergrund der Debatte über Cyberattacken aus China und Netzsicherheit stößt Huawei als chinesisches Unternehmen besonders auf dem amerikanischen Markt auf Sicherheitsbedenken, auch wenn es keine Beweise gibt, um die Verdächtigungen zu belegen.

Mit dem Aufschwung bei den Smartphones soll der Anteil der Verbrauchergeräte am Gesamtgeschäft von heute 22 auf 25 Prozent steigen. „In Zukunft wird die Informations- und Telekommunikationstechnologie weiter wachsen“, sagte Guo Ping bei der Vorlage des Jahresberichts. Er verwies auf die weiter notwendige Verbesserung der Netzwerke sowie die neuen Möglichkeiten im Cloud-Computing, der Integration privater Geräte in Firmen- und andere Organisationsstrukturen (BYOD - Bring Your Own Device), die Verwaltung großer Datenmengen (Big Data) sowie die schnellere Verbreitung von Smartphones.

Die größten Handyhersteller

Markt im Wandel

Der Handy-Markt ist im Umbruch: Smartphones verdrängen einfache Mobiltelefone, Samsung gelingt es am besten, sich auf diesen Trend einzustellen. Dagegen kommt kein anderer an – weder Nokia, die einstige Nummer 1, noch Apple mit seinem iPhone.

Samsung

Samsung ist inzwischen mit deutlichem Abstand die Nummer 1: Der südkoreanische Hersteller verkaufte im dritten Quartal 2012 knapp 98 Millionen Geräte, wie der Marktforscher Gartner berichtet. Das entspricht einem Marktanteil von 22,9 Prozent. Auch im lukrativen Smartphone-Markt ist der Konzern gut aufgestellt, er setzte 55 Millionen Geräte ab.

Nokia

Der einstige Weltmarktführer Nokia lässt Federn. Im dritten Quartal 2012 verkaufte er nur noch 82 Millionen Handys (19,2 Prozent Marktanteil). Im Vorjahreszeitraum waren es noch mehr als 105 Millionen Geräte. Darunter waren laut Gartner aber nur 7,2 Millionen Smartphones, die deutlich mehr abwerfen als die Günstig-Handys.

Apple

Apple verkaufte im dritten Quartal 23,6 Millionen Smartphones, ein deutlicher Zuwachs von mehr als 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Handymarkt hält Apple 5,5 Prozent Marktanteil, im lukrativen Smartphone-Markt sogar 13,9 Prozent.

Research in Motion

Der Blackberry-Hersteller Research in Motion steckt ebenso wie Nokia tief in der Krise. Die Kanadier setzten im dritten Quartal 2012 rund 9 Millionen ihrer E-Mail-Maschinen ab, rund ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil bei den Handys ist auf 2,1 Prozent geschrumpft, bei den Smartphones sind es immerhin noch 5,3 Prozent.

Sonstige

Der Handymarkt ist schwer umkämpft, Traditionsunternehmen wie Aufsteiger buhlen um die Gunst der Käufer. Der chinesische Hersteller ZTE verkaufte im dritten Quartal 16,7 Millionen Geräte (3,9 Prozent Marktanteil), Huawei 12 Millionen Handys (2,8 Prozent). LG wurde 14 Millionen Geräte los (3,3 Prozent), die Google-Tochter Motorola 8,6 Millionen (2 Prozent), dicht gefolgt von HTC mit 8,4 Millionen.

Im vergangenen Jahr erzielte Huawei in all seinen drei Geschäftsbereichen „robustes Wachstum“. Das Netzwerkgeschäft stieg 2012 um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 160 Milliarden Yuan. Die junge Unternehmenssparte legte um 25,8 Prozent auf 11,5 Milliarden Yuan zu, während das Verbrauchergeschäft um 8,4 Prozent auf 48 Milliarden Yuan anstieg. Regional betrachtet legte das China-Geschäft mit einem Plus von 12,2 Prozent auf 73 Milliarden Yuan am stärksten zu. Im amerikanischen Raum war das Wachstum mit einem Zuwachs von 4,3 Prozent auf 31 Milliarden Yuan am niedrigsten.

Huawei investierte 2012 mit 30 Milliarden Yuan einen Anteil von 13,7 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Das größte private chinesische Unternehmen mit Sitz in der Metropole Shenzhen hat weltweit 150 000 Mitarbeiter. Rund die Hälfte von ihnen besitzt Anteile am Unternehmen. Es arbeitet mit 500 Telekombetreibern in 140 Ländern zusammen. Jeder dritte Erdbewohner benutzt heute schon Technik von Huawei in irgendeiner Form.

Von

dpa

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