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15.01.2016

14:20 Uhr

Chipentwickler Amtel

Dialog steigt aus Rennen um US-Rivalen aus

Dialog Semiconductor hat das Bieterrennen um Atmel verloren. Der Halbleiter-Hersteller will sein Angebot nicht aufstocken – und sorgt so für ein Kursfeuerwerk. Nun könnte der Konzern selbst zur Zielscheibe werden.

Der deutsch-britische Bieter hat das Ringen um Atmel verloren. PR

Dialog Semiconductor

Der deutsch-britische Bieter hat das Ringen um Atmel verloren.

MünchenDer Chipentwickler Dialog Semiconductor steigt zur Freude seiner Aktionäre aus dem Rennen um den US-Konkurrenten Atmel aus. Die deutsch-britische Halbleiterfirma will ihr bei Investoren umstrittenes Übernahmeangebot für Atmel nicht aufstocken und löste damit am Freitag ein Kursfeuerwerk der im TecDax gelisteten Dialog-Aktie aus. Dazu trugen auch Spekulationen bei, dass Dialog Semiconductor im Übernahmefieber der Chipbranche selbst ins Visier eines Käufers geraten könnte.

„Wir haben beschlossen, dass es nicht im besten Interesse unserer Aktionäre ist, den Angebotspreis für Atmel zu erhöhen“, erklärte Dialog-Chef Jalal Bagherli. Der Schritt war bereits erwartet worden, nachdem Atmel dem deutsch-britischen Bieter am Mittwoch einen Korb gegeben und sich für das Übernahmeangebot des US-Unternehmens Microchip Technology entschieden hatte. Dialog kassiert von Atmel nun sogar 137 Millionen Dollar als Aufhebungsentschädigung.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

Dialog hatte nominell 4,6 Milliarden Dollar für Atmel geboten, davon gut zwei Milliarden in bar und der Rest in Aktien. Durch einen starken Kursverlust der Dialog-Titel infolge des Übernahmeversuchs und aufgrund schwächerer Geschäfte war die Offerte zuletzt aber nur noch etwa 3,5 Milliarden Dollar schwer. Microchip Technology bietet 3,4 Milliarden Dollar – für jede Atmel-Aktie sieben Dollar in bar sowie zusätzlich Microchip-Aktien im Wert von je 1,15 Dollar.

„Wir begrüßen Dialogs Entscheidung, das Angebot für Atmel nicht zu erhöhen, da diese Transaktion viel zu teuer gewesen wäre“, erklärte DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer. Das Unternehmen könne nun in Ruhe nach anderen Akquisitionen zu niedrigeren Preisen suchen. Der Experte zeigte sich zuversichtlich, dass Dialog auf Wachstumskurs bleiben werde. Börsianer halten nun es nun auch für möglich, dass Dialog seinerseits Übernahmeinteressenten anzieht. Aktivistische Investoren könnten Appetit auf das Unternehmen bekommen, sagte ein Händler.

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Die Dialog-Aktien legten um bis zu neun Prozent auf 29,52 Euro zu und zählten damit zu den stärksten Werten im TecDax. Am späten Vormittag lagen die Titel allerdings in einem trüben Marktumfeld rund ein Prozent im Minus. Zuletzt waren die Aktien der Chipfirma deutlich ins Rutschen gekommen, weil Investoren mit schwächerem Wachstum rechneten. Seit Jahresbeginn verloren die Titel mehr als 13 Prozent. Die Handyriesen Samsung und Apple sorgen derzeit für Kummer in der Zulieferbranche. Samsung legte kurz nach dem Jahreswechsel schwache Zahlen vor, und Dialogs Großkunde Apple drosselt Medienberichten zufolge seine iPhone-Produktion aufgrund mauer Nachfrage.

Die Halbleiterindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Jahrzehntelang hatte es in der Branche so gut wie keine Übernahmen gegeben. Doch Kostendruck und größer werdende Konkurrenz aus China lösten eine Fusionswelle aus : Infineon schluckte die US-Firma International Rectifier, die niederländische NXP stieg mit Freescale zu Europas Marktführer auf, und in den USA erwarb Avago Technologies für 37 Milliarden Dollar den Rivalen Broadcom – der bisher teuerste Deal der Branche.

Von

rtr

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