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22.01.2010

06:01 Uhr

Chiphersteller

Berchtold blitzt bei Infineon-Kunden ab

ExklusivDer Aufstand der Infineon-Aktionäre gegen den Aufsichtsratschef-Kandidaten Klaus Wucherer macht Autozulieferern große Sorgen. Wichtige Kunden wehren sich gegen Willi Berchtold, dem Favoriten einiger Großaktionäre für den Aufsichtsrat.

Willi Berchtold, Finanzvorstand von ZF Friedrichshafen, soll nach dem Willen einiger Großaktionäre Aufsichtsrat von Infineon werden. Große Infineon-Kunden lehnen das ab. dpa

Willi Berchtold, Finanzvorstand von ZF Friedrichshafen, soll nach dem Willen einiger Großaktionäre Aufsichtsrat von Infineon werden. Große Infineon-Kunden lehnen das ab.

fo/jojo/mcs/mwb DÜSSELDORF/MÜNCHEN/STUTTGART. Wichtige Infineon-Kunden fürchten, dass sie benachteiligt werden könnten, sollte Willi Berchtold, Finanzvorstand des Wettbewerbers ZF Friedrichshafen, wie von institutionellen Anlegern geplant in den Aufsichtsrat einziehen und das Gremium anführen. Mit Berchtold würde ZF einen Agenten bei Infineon haben, heißt es in Branchenkreisen.

Der britische Finanzinvestor Hermes, hinter dem der Pensionsfonds der British Telecom steht, sowie andere Investoren lehnen den Ex-Siemens-Vorstand Wucherer als Aufsichtsratschef ab und fordern einen personellen Neuanfang. Für sie tritt Berchtold auf der Hauptversammlung am 11. Februar in einer Kampfkandidatur gegen Wucherer an. Dieser überwacht den kriselnden Konzern seit der Gründung 1999. Der langjährige Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley tritt nicht mehr zur Wahl an.

Große Infineon-Kunden lehnen den Investorenplan, dass der Aufsichtsrat den 59-jährigen ZF-Manager Berchtold zu seinem Vorsitzenden machen soll, ab. "Das geht gar nicht", hieß es am Donnerstag bei einem bedeutenden Autozulieferer. Den Kunden sei wichtig, dass Infineon auf Dauer unabhängig bleibe. Falls das nicht gewährleistet sei, müsse man sich Alternativen überlegen, verlautete auch im Umfeld der Zentrale des Autozulieferers Continental in Hannover.

Offenbar ist auch Bosch-Chef Franz Fehrenbach schwer empört über die Pläne des Finanzvorstands von ZF. Infineon ist ein wichtiger Lieferant von Bosch und vielen anderen Zulieferern der Autobranche. Die Stuttgarter befürchten, dass sie ins Hintertreffen geraten, sollte Konkurrent Berchtold tatsächlich an die Spitze des Aufsichtsrats von Infineon gelangen. Branchenkreisen zufolge nutzte die Bosch-Spitze den Neujahrsempfang des Verbands der Automobilindustrie am Mittwochabend in Berlin, um ZF-Chef Hans-Georg Härter die Meinung zu sagen.

Das Verhältnis zur Chipbranche ist für die Autozulieferer entscheidend: Seit Monaten kommen Chipanbieter wie Infineon nicht mehr nach mit der Fertigung und teilen Kunden ihre Produkte zu. Dazu kommt: Halbleiter werden für die Kfz-Branche immer wichtiger und spielen in Hybridfahrzeugen und Elektroautos eine viel größere Rolle als heute in den reinen Verbrennungsmotoren. Die Interessenlage ist entsprechend vielschichtig: ZF entwickelt mit dem Bosch-Konkurrenten Continental einen Hybridantrieb. Bosch fertigt dagegen als einziger Zulieferer auch Halbleiter. Infineon ist damit nicht nur Lieferant von Bosch, sondern teilweise auch Konkurrent.

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