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26.03.2014

09:52 Uhr

Chiphersteller

Intel kauft Firma für Fitness-Armbänder

Smartphones und Tablets machen Intel beim Kerngeschäft mit Computerchips zu schaffen. Um sich breiter aufzustellen, kauft das Unternehmen eine Firma für intelligente Armbänder. Über den Preis wird spekuliert.

Intel kauft Basic Science: Einstieg in den Markt für tragbare vernetzte Geräte. Reuters

Intel kauft Basic Science: Einstieg in den Markt für tragbare vernetzte Geräte.

New YorkDer US-Chiphersteller Intel hat eine Firma gekauft, die intelligente Armbänder zur Steigerung der persönlichen Fitness herstellt. Die Übernahme von Basis Science ermögliche dem Unternehmen „einen sofortigen Einstieg“ in den Markt für tragbare vernetzte Geräte, erklärte der für neue Produkte verantwortliche Intel-Manager Mike Bell am Dienstag. Wie viel Intel für die kleine kalifornische Firma zahlte, wurde nicht mitgeteilt. Die auf Technologie-Themen spezialisierte Internetseite „TechCrunch“ schätzte den Preis auf rund einhundert Millionen Dollar (72 Millionen Euro).

Basis Science stellt Plastikarmbänder her, die unter anderem die zurückgelegten Schritte des Trägers zählen, dessen Herzschlag überwachen und die Schlafqualität beobachten können. Die Daten werden drahtlos aufs Smartphone übertragen und lassen sich dort auswerten. Experten sehen solche Produkte als den nächsten großen Wachstumsmarkt der Elektronik- und Internetbranche.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Intel hatte zu Jahresbeginn angekündigt, in den kommenden Monaten mehrere derartige Geräte auf den Markt zu bringen. Das Hauptgeschäft des Unternehmens sind nach wie vor die Computerchips. Hier macht Intel aber die zunehmende Verdrängung des PCs durch Smartphones und Tablets zu schaffen.

Von

afp

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